Darabos auf Werbetour im Libanon

Der Verteidigungsminister besucht die österreichischen UNO-Soldaten im Südlibanon. Doch diese halten wenig von seinen Berufsheerplänen in der Heimat.

Darabos Werbetour Libanon
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Darabos Werbetour Libanon
(c) APA BUNDESHEER PETER LECHNER (BUNDESHEER PETER LECHNER)

Naqoura. Draußen hat es angenehme 19 Grad, die Wellen des Mittelmeeres rauschen, daneben der Strand. Wenige Meter entfernt, getrennt von einem Stacheldrahtzaun und einer Mauer, steht der Container „Edelweiß“. Hier läuft „Ö3“ mit „Last Christmas“, der Holzofen knistert, ein Weihnachtsbaum steht in der Ecke. So versuchen die österreichischen Soldaten im Camp Naqoura im Südlibanon, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Sie werden die Feiertage hier verbringen, nach Hause können sie nicht.

Dafür kam diese Woche Besuch aus der Heimat. „Ich durfte bereits im vergangenen Jahr hier sein, einen von euch habe ich jetzt sogar wiedererkannt“, sagt Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) bei der Weihnachtsfeier vor etwa 60 Soldaten. „Ich weiß, dass Sie einen harten Job machen. Das sieht man auch daran, dass nur rund die Hälfte an der Feier teilnehmen kann, weil die anderen im Dienst sind.“

Als neutraler Staat stehe Österreich voll hinter Friedensmissionen wie dieser im Libanon. Auch in Zukunft. „Egal, wie es in Österreich weitergeht, wir wollen weiter mit Auslandseinsätzen punkten“, sagt Darabos und kann sich einen kleinen Schwenk in Richtung Volksbefragung nicht verkneifen. Danach folgt die Bescherung: Schwarzbrot, Speck und das Versprechen, einen neuen Billardtisch zu organisieren. Im Gegenzug bekommt Darabos einen UN-Helm. Der bedankt sich artig, für ein Foto will er ihn dann aber doch nicht aufsetzen.

Seit Oktober 2011 beteiligt sich Österreich an der UNO-Mission Unifil im Libanon. Ihren Sitz haben die Soldaten nahe der Stadt Naqoura, nach der das Camp benannt wurde. Gleichzeitig ist es auch das Hauptquartier der gesamten Mission: 37 Nationen stellen gemeinsam 11.600 Soldaten. Kommandant ist der Italiener Paolo Serra. Österreich ist mit 157 Soldaten vertreten, zwei davon sind Frauen. Das Kontingent, Autcon genannt, ist für die Logistik verantwortlich, kümmert sich um Transport und „Versorgungstätigkeiten“ – und unterstützt die zivile Feuerwehr beim Brandschutz. Hauptaufgabe der UN-Mission ist es, die Gefechte zwischen Israel und dem Libanon zu verhindern, die sich immer noch im Kriegszustand befinden.

 

„Unsicherheit“ in der Truppe

Das Camp ist nur drei Kilometer von der israelischen Grenze entfernt – wobei der Begriff „Grenze“ nicht richtig ist: Vielmehr ist die sogenannte Blue Line eine Rückzugslinie, die die Länder trennt. Gekennzeichnet ist sie durch Tonnen, dahinter befindet sich ein Minenfeld, gefolgt von einem Zaun, der israelischen Patrouille – und noch einem Zaun. Zudem wird die Blue Line videoüberwacht, nachdem einige Menschen nichtsahnend in das Minenfeld gerannt waren.

Zurück im Container „Edelweiß“ versucht man, die Mission für einen Abend zu vergessen: Der Minister wird im Billard herausgefordert, der Rest konzentriert sich auf das Essen („Schon wieder Hendl!“) und Trinken. Auch wenn die Truppe aus etwa 60 Prozent Miliz- und 40 Prozent aktiven Soldaten besteht – jener Mischung also, auf die Darabos künftig setzen will –, hat kaum jemand Verständnis für seine Berufsheerpläne. „Wir haben alle die Wahlkarte beantragt“, erzählt ein junger Berufssoldat. Stimmen will er aber für die Wehrpflicht – wie die meisten seiner Kameraden. „Es herrscht eine ziemliche Unsicherheit – mir sagt keiner, was mit mir passiert, wenn wir auf ein Berufsheer umstellen.“ Ein Milizsoldat meint nur: „Zu dieser Profimiliz würde ich nicht hingehen. Jetzt kann ich entscheiden, wohin ich wann und für wie lange hingehe. Wer garantiert mir, dass ich das in Zukunft auch machen kann?“

Im Grunde sind sich viele der Soldaten aber einig: Prinzipiell hätten sie nichts gegen ein Berufsheer und die Abschaffung der Wehrpflicht. Doch es fehle ein Konzept – oder zumindest jemand, der es ihnen erklärt. Nicht viel Unterstützung also für den Minister. Aber ein Sieg bleibt – wenigstens das Billardmatch hat Darabos gewonnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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