Norman Schwarzkopf 1934 – 2012

Der legendäre US-General Norman Schwarzkopf, der 1990/91 das gut 960.000 Mann starke Koalitionsheer gegen den Irak führte, starb in der Nacht auf Freitag 78-jährig an Lungenentzündung.

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Norman Schwarzkopf (Archivbild 1990) – (c) AP (David Longstreath)

Als der Bataillonscommander hörte, dass seine Leute auf der Halbinsel Batangan an Südvietnams Küste in einem Minenfeld des Vietcong steckten, flog er im Helikopter herbei, stieg aus und wies die panischen Infanteristen an, auf ihren Fußspuren im Gras zurückzugehen.

Einer trat dennoch auf eine Mine, sie verletzte sein Bein, den Commander ebenfalls, und als der Soldat vor Schmerz um sich trat und weitere Minen auszulösen drohte, warf sein Chef sich auf ihn und presste ihn zu Boden. Splitter sausten um ihre Ohren, als noch ein Mann auf eine Mine trat und zwei Kameraden mit in den Tod riss. Es war die Hölle von Vietnam. Aber der Chef brachte seine übrige Truppe in Sicherheit.

Nun ist er tot: Norman Schwarzkopf, Jr., zuletzt General der US-Army, starb in der Nacht auf Freitag (MEZ) in Tampa, Florida, 78-jährig an Lungenentzündung. Er hinterlässt seine Frau Brenda und drei erwachsene Kinder. Berühmt wurde Schwarzkopf, dessen Großvater väterlicherseits Deutscher war, aber nicht durch seinen wagemutigen Führungsstil in Vietnam: Er war im Zweiten Golfkrieg (August 1990 bis März 1991) Chef der gut 960.000 Mann starken alliierten Streitmacht, die nach der Invasion Kuwaits durch Saddam Husseins Irak in der „Operation Desert Shield“ Saudiarabien schützte und in „Desert Storm“ Kuwait zurückeroberte.

Iraks Armee war eine der weltgrößten, rund 30 Divisionen standen in Kuwait und an der saudischen Grenze, dahinter waren Reserven, speziell acht Elitedivisionen der Republikanischen Garde. Schwarzkopf setzte dagegen den „Linken Haken“: Nach mehrwöchigen Luftangriffen umfassten die Alliierten Kuwait von Westen und stießen in den Südirak vor. Vier Tage später war der Krieg vorbei.

Bob Dylan und Ballett

Der 1,90 Meter große, 110 Kilogramm schwere General, der gut Deutsch sprach, wurde dabei auch durch markige Sager legendär, wie „Wir treten den Irakis in den Arsch“, und bekam den Spitznamen „Stormin' Norman“. Dabei mochte er Opern, Bob Dylan und Ballett. Im Sommer 1991 ging er in Pension, wies Angebote aus der Politik ab, wurde Aufsichtsratsmitglied in Firmen und Aktivist für Krebskranke. 2003 kritisierte der erklärte Republikaner die US-Invasion des Irak, da er keine Beweise für Massenvernichtungswaffen dort sah; er warf Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gar vor, Spaß am Krieg zu haben.

Eigentlich hieß Schwarzkopf, wie sein Vater, im ersten Vornamen Herbert. Beide hassten den Namen, worauf der Junior ihn mit 18 amtlich auf „H.“ umschreiben ließ. Sein Vater war auch General, und er starb auch an einem Lungenleiden: an Lungenkrebs. wg

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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