China baut Macht im Weltraum aus

Mit dem Satellitensystem Beidou ist Pekings Militär nicht mehr vom amerikanischen GPS abhängig. Wie der US-Konkurrent wird Beidou kommerziellen Dienstleistern seine Satellitentechnik anbieten.

China baut Macht Weltraum
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China baut Macht Weltraum
(c) EPA (PETER PARKS POOL)

Peking. Was die Europäer bisher nicht auf die Reihe bekommen haben, ist den Chinesen nun gelungen: Seit wenigen Tagen steht Chinas Satellitensystem Beidou (BDS) kommerziellen Anbietern für Navigationsdienste zur Verfügung – zunächst einmal für den asiatisch-pazifischen Raum inklusive Australien. Damit gibt es erstmals einen wichtigen Konkurrenten zum weltweit bislang dominanten GPS der USA. „Nach einer einjährigen Versuchsphase ist das Beidou-Satellitennavigationssystem von der Leistung her nun vergleichbar mit GPS. Es gibt nur einen Unterschied: Unser System ist günstiger“, erklärte der Sprecher von BDS Ran Chengqi. Wie der US-Konkurrent wird Beidou kommerziellen Dienstleistern seine Satellitentechnik zur Positionsbestimmung, Navigation und Zeitmessung anbieten.

Gegenüber dem von den Europäern geplanten System Galileo hat das Beidou-System der Chinesen auch einen wichtigen Vorteil: Anders als beim europäischen System verfügen die Chinesen ebenso über Frequenzen, die von außen nur schwer gestört werden können. Beidou reserviert ein Signal, das nur militärischen Zwecken vorbehalten bleibt. Damit kann Chinas Militär eigene Positionssatelliten nutzen.

 

Europa bleibt von USA abhängig

Auch wenn das bisher noch nie vorgekommen ist, könnten die USA die GPS-Nutzung für potenzielle Gegner einfach abschalten. Für alle mögliche Militärtechnik bis hin zur Steuerung interkontinentaler Raketen benötigt man jedoch Satellitennavigation.

Kritiker des europäischen Systems monieren, dass Galileo im Gegensatz zu Beidou nur für zivile Nutzung geeignet sei, weil die Europäer auf eine solche störresistente Bandbreitenspreizung verzichtet haben. Das heißt: Für militärische Nutzung werden die Europäer weiter vom GPS der USA abhängig sein, die Chinesen jedoch nicht.

Aus der Sicht Pekings hat ein eigenes Satellitennavigationssystem auch andere Vorteile: China, bereits der weltgrößte Hersteller von Elektrogeräten, kann Smartphones, Navigationsgeräte, Kameras und Tablet-PCs künftig mit Ortungsfunktionen anbieten, ohne auf den US-Standard GPS zurückgreifen zu müssen. Zudem werden die Chips zur Auswertung des Beidou-Signals aus technischen Gründen billiger sein als GPS-Empfänger.

 

Kooperation mit EU beendet

China arbeitet daher bereits seit 2007 am Aufbau eines eigenen Navigationssystems und hat seither 20 Satelliten ins All geschossen, allein sechs in diesem Jahr. 16 von ihnen stehen nun ab sofort kommerziellen Anbietern zur Verfügung, weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Bis 2020 will Chinas Raumfahrtbehörde insgesamt 35 Einheiten zur Verfügung stellen und einen Dienst anbieten, der dann die gesamte Welt abdeckt. Aus dem Dienst im asiatisch-pazifischen Raum plant Beidou zunächst einmal Einnahmen von 400 Milliarden Yuan im Jahr, rund 48 Milliarden Euro.

Anfangs wollte China bei Galileo mitmachen und war bereits mit 280 Millionen Euro an dem Projekt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der EU beteiligt. An der Pekinger Universität hatten Chinesen und Europäer sogar schon ein gemeinsames Trainingszentrum für Satellitennavigation eingerichtet. Doch die Chinesen stiegen aus. Nicht zuletzt aufgrund der innereuropäischen Querelen dauerte ihnen der Prozess zu lange. Zudem hatten europäische Politiker immer wieder Sicherheitsbedenken gegenüber Chinas Beteiligung angeführt.

 

Moskau modernisiert altes System

Während Galileo frühestens 2014 in Betrieb gehen wird, verfügt Peking bereits jetzt schon über ein eigenes globales System. Und auch die Russen haben mit Glonass wieder ein eigenes System. Glonass stammt noch aus Sowjetzeiten, verwahrloste jedoch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems. Inzwischen hat die russische Regierung das System jedoch modernisiert und kann es seit einiger Zeit wieder in voller Betriebsstärke nutzen.

Auf einen Blick

China will mit seinem eigenen Satellitensystem, Beidou, dem weltweit dominanten GPS-System der USA Konkurrenz machen. Seit einigen Tagen bietet Beidou im asiatisch-pazifischen Raum auch zivilen Interessenten Dienstleistungen in den Bereichen Positionsbestimmung, Navigation und Zeitmessung an. Mit Beidou sind auch Chinas Streitkräfte nicht mehr vom amerikanischen GPS abhängig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2012)

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