Tschechien: Schwarzenberg schafft es in die Stichwahl

Überraschung in der ersten Runde der Präsidentenwahl: Außenminister Schwarzenberg belegt knapp hinter Ex-Premier Zeman Rang zwei. In 14 Tagen kommt es zum Duell.

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Zeman (li.), Schwarzenberg

Prag. Mit einem fulminanten Schlussspurt im Wahlkampf hat der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg überraschend die Stichwahl um das tschechische Präsidentenamt erreicht. Dort wird der 75-jährige Fürst auf den linksgerichteten Ex-Regierungschef Miloš Zeman (68) treffen. Die Stichwahl in zwei Wochen wird erforderlich, weil keiner der neun Kandidaten in der ersten Runde die absolute Mehrheit für sich verbuchen konnte.

Für Zeman stimmten nach Auszählung von 90,9 Prozent der Wahllokale 24,2 Prozent, Schwarzenberg kam auf 23,4 Prozent. Der in den Umfragen lange favorisierte frühere unabhängige Premier Jan Fischer kam nur auf den dritten Rang (16,4 Prozent) vor dem Kandidaten der Sozialdemokraten, Jiří Dienstbier (16,1). Die übrigen Anwärter auf die Prager Burg, unter ihnen der Musikprofessor Vladimír Franz (6,8), landeten weit abgeschlagen.

Zeman nahm das Ergebnis nur kurz „mit wie immer guter Laune" zur Kenntnis. Fischer zeigte sich enttäuscht. Schwarzenberg war in den vergangenen Tagen von großen Prager Zeitungsredaktionen zur Wahl empfohlen worden. Der „Fürst", wie er von den Tschechen genannt wird, verkörpere die Ideale der Revolution und verfüge über internationales Renommee.

Persönlichkeit vor Partei

Schwarzenberg wurde in seiner Zentrale schon wie der neue Präsident gefeiert. In der Stichwahl gehe es darum, ob man das Land in die Hand eines „Mannes der Vergangenheit" - Zeman - lege, oder in seine. In den Umfragen war Schwarzenberg maximal der dritte Platz zugetraut worden, da er der derzeitigen (unbeliebten) Regierung angehört. Politologen machten im Fernsehsender CT24 jedoch darauf aufmerksam, dass die Wähler eher eine Persönlichkeitswahl getroffen haben, als nach Parteipräferenzen zu entscheiden.
Die Stichwahl ist nach Meinung der Experten völlig offen. Die Tschechen wählen das Staatsoberhaupt erstmals direkt. Die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Václav Klaus endet Anfang März.

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