Frankreichs Krieg im Sahel

Französische Spezialeinheiten sind seit Freitag in der Ex-Kolonie Mali gegen radikale Islamisten im Einsatz - weitere Truppen sollen folgen. Der Alleingang Frankreichs ist durch den UN-Sicherheitsrats abgesegnet.

Frankreichs Krieg Sahel
Schließen
Frankreichs Krieg Sahel
(c) REUTERS (HANDOUT)

Im letzten Halbjahr hatte François Holland stets betont, er werde keine Truppen nach Mali entsenden. Ein Versprechen, das der französische Präsident am Freitag kurzerhand über den Haufen warf. Jagdflugzeuge, Hubschrauber und einige hundert Soldaten von Spezialeinheiten sind nun in Zentralmali im Einsatz. Sie bekämpfen dort radikale Islamisten, die den Norden Malis kontrollieren.

Es sind drei extreme Gruppierungen, Ansar al-Dine, die Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (Mujao) und al-Qaida im Maghreb (Aqim), die dort einen exterritorialen Staat gebildet haben. Sie waren Trittbrettfahrer der Rebellion der Tuareg, die im März 2012 das riesige Gebiet in nur drei Monaten erobert hatten. Nach Ausrufung eines unabhängigen Staates Azawad wurden die Tuareg von den radikalen Islamistengruppen vertrieben.

Rigoros oktroyierte man den Bewohnern der Städte Gao, Timbuktu oder Kidal eine rigide Vorstellung der Scharia, des islamischen Rechts, auf. Rauchen, Fernsehen, Musik und Alkohol waren verboten. Es gab Steinigungen, mehreren vermeintlichen Dieben wurde die Hand abgehackt. Rekruten aus Nigeria, Algerien, Libyen, dem Irak oder Pakistan wurden in Trainingslagern zu Jihadisten ausgebildet. Eine Entwicklung, die Malis Nachbarn, aber auch die westlichen Staaten mit Sorge beobachteten. Einen afrikanischen Gottesstaat, ähnlich wie einst in Afghanistan unter der Ägide der Taliban, wollte man nicht tolerieren.

Rote Linie überschritten. Im Dezember autorisierte der UN-Sicherheitsrat die Internationale Unterstützungsmission in Mali (Afisma). Eine 3000 Mann starke Eingreiftruppe der Ökonomischen Gemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas), die von europäischen Militärs ausgebildet werden sollte. Die EU erklärte im vergangenen Jahr, auch Soldaten der Bundeswehr sollten mit von der Partie sein. Wobei jedoch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle nun eine deutsche Beteiligung ausschloss.

Frankreich hingegen hat keine Vorbehalte gegen einen militärischen Eingriff. Die Islamisten überschritten eine rote Linie, als sie am Donnerstag die Kleinstadt Konna einnahmen. Sie bedrohten damit den strategisch wichtigen Militärflughafen von Sevare und die Stadt Mopti mit 100.000 Einwohnern. Von hier aus sind es noch rund 600 Kilometer in die Hauptstadt Bamako.

„Das ist in der Tat eine signifikante Veränderung der Lage“, sagte US-General Carter F. Ham, der Leiter des Afrika-Kommandos der USA. Der französische Präsident fand drastischere Worte: „Die Islamisten versuchen der Existenz Malis den Todesstoß zu versetzen. Frankreich, seine afrikanischen Partner und die Internationale Gemeinschaft können das nicht hinnehmen.“ In Laufe nur eines Tages wurden die Islamisten aus dem strategisch wichtigen Ort Konna vertrieben. Und dabei wird es wohl nicht bleiben.


Hilfegesuch aus Mali.
Der Alleingang Frankreichs in Mali ist durch die Resolution 2085 des UN-Sicherheitsrats abgesegnet. Aber auch durch ein offizielles Hilfegesuch der malischen Regierung an die ehemalige Kolonialmacht, von der man 1960 unabhängig geworden war. Die Intervention Frankreichs kam überraschend innerhalb weniger Stunden. Man hatte sie aber offensichtlich vorbereitet. Truppenkontingente waren im Senegal, in Burkina Faso und an der Elfenbeinküste stationiert. Französische Spezialeinheiten sollen sich seit Monaten in Mali befinden. Frankreich kann auch vorgeben, die Interessen von über 6000 ihrer Staatsbürger zu schützen, die im Land ansässig sind. Die USA haben ihrerseits zugesagt, logistische Hilfe zu leisten, schlossen aber einen Einsatz von Bodentruppen aus.

Einen Schatten auf die Intervention wirft der erste getötete französische Soldat, ein Hubschrauberpilot. Ein Opfer, das man bereit ist, für ein großes Ziel zu tragen. „Frankreich ist zum Kampf entschlossen“, erklärte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, „um einen Terrorstaat vor den Toren Frankreichs und Europas“ zu verhindern.“ Insgesamt sollen die Luftangriffe Frankreichs und die Gefechte mit den Rebellen bereits mehr als hundert Todesopfer gefordert haben.

Im Zuge der Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Konna seien "mehr als 100" Rebellen getötet worden, sagte ein Armeeoffizier am Samstag. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Mali sagte Reuters, man habe die Rebellen unter großen Verlusten auf beiden Seiten aus Konna herausgedrängt. Ein Ladenbesitzer in Konna erklärte, er habe 148 Leichen gezählt, darunter Dutzende Regierungssoldaten.

Der Kampf wird jedenfalls weitergehen: Die Rebellen seien zwar in ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt Barnako gestoppt worden, erklärte Frankreichs Präsident Hollande am Samstagabend in Paris. "Aber unsere Mission ist noch nicht vorbei." und auch das afrikanische Regionalbündnis Ecowas kündigte am Samstag die Entsendung von 3300 Soldaten nach Mali an.

(Alfred Hackensberger/APA/Reuters)

Kommentar zu Artikel:

Frankreichs Krieg im Sahel

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen