Islamisten drohen Frankreich mit Terror

Nach der Intervention französischer Truppen im Zug der "Opération Serval" gegen Islamistenrebellen ruft Paris die höchste Sicherheitswarnstufe aus. Auch 3300 afrikanische Soldaten unterstützen ab heute Malis Armee.

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(c) REUTERS (SUZANNE PLUNKETT)

Luftangriffe gibt es laufend. Es gab sie letzte Nacht, es wird sie auch morgen geben.“ – Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian ließ am Sonntag keinen Zweifel daran, dass jene Militäraktion, die französische Truppen am Freitag gegen Islamistenrebellen im Sahel-Staat Mali begonnen hatten, zu einer längerfristigen Operation werden dürfte.

Zudem sollen ab heute rund 3300 Soldaten der Westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas unter Führung Nigerias in Mali eintreffen. London und Washington helfen mit Drohnen und Transportfliegern, EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton forderte weitere Militärhilfe aus Europa und die rasche Entsendung von 200 Militärberatern unter EU-Flagge.

 

„Ihr grabt das Grab eurer Kinder“

Auslöser war der Angriff der Islamisten gewesen, die im Sommer im Norden des bettelarmen Landes ein Terrorregime etabliert hatten. Zuletzt waren Kämpfer der Gruppen „Ansar al-Dine“, der „Bewegung für Einheit und Jihad“ („Mujao“) und der „al-Qaida im Maghreb“ („AQMI“) auf die Hauptstadt Bamako vorgerückt; am 20. Dezember legitimierte der UN-Sicherheitsrat eine Intervention zugunsten der Regierung Malis, dessen Militär schwach ist.

Als vergangene Woche Rebellen die Stadt Konna, 500 Kilometer von Bamako entfernt, eroberten und sich einem Flugplatz näherten, überschritten sie für die Ex-Kolonialmacht Frankreich eine „rote Linie“: Am Freitag schossen französische Helikopter einen Rebellenkonvoi zusammen, am Samstag griffen „Mirage 2000“-Jagdbomber an. Bodentruppen landeten in Bamako und eroberten mit Malis Armee Konna zurück; es soll mehr als 100 Tote gegeben haben, darunter elf malische Soldaten und ein französischer Hubschrauberpilot.

Die Rebellen flohen, einer ihrer Führer drohte im Internet Frankreich mit Rache: „Stoppt eure Angriffe oder ihr werdet das Grab eurer Kinder graben.“ In der Sahara sind acht Franzosen seit Längerem Geiseln von Islamisten. Frankreich verhängte die höchste Stufe des Anti-Terror-Plans „Vigipirate“, Polizei und Militär bewachen öffentliche Orte, Großveranstaltungen können verboten werden. In London demonstrierten Islamisten vor der französischen Botschaft.

 

Rund 500 bis 700 Franzosen

Die Truppen der französischen „Opération Serval“ (benannt nach einer Wildkatze) bestanden vorerst aus zwei Kompanien Marines, einem Zug des 1. Panzerregiments der Fremdenlegion und Teilen des 4. Spezialtruppen-Helikopterregiments. Aus dem Tschad und Frankreich flogen zwei „Mirage F1“-Aufklärer und sechs „Mirage 2000“ samt Lufttankern ein. Die Truppe zählte damit vorerst 500 bis 700 Mann; zwei Fallschirmjägerkompanien der Fremdenlegion und mehrere „Rafale“-Jets sollen folgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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