Krieg in Mali: Frankreich schickt Bodentruppen

Die Soldaten sollen die Stadt Diabaly von den Islamisten zurückerobern. Der Verteidigungsminister in Paris stellt sich auf einen "langen Kampf" ein.

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Nach tagelangen Luftangriffen schickt Frankreich nun auch Bodentruppen in den Kampf gegen islamistische Rebellen in Mali. Dies bestätigte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwochvormittag auch offiziell. Die französischen Soldaten auf dem Boden sollen gemeinsam mit malischen Truppen die Stadt Diabaly an der Grenze zu Mauretanien zurückerobern. Es habe in Diabaly bereits erste Gefechte "Mann gegen Mann" gegeben, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Einhundert Franzosen seien zudem auf dem Weg nach Markala, um Islamisten davor abzuhalten eine Niger-Brücke zu überqueren, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Er stelle sich auf einen "langen Kampf" ein, erklärte Verteidigungsminister Le Drian.

"Die härtesten, fanatischsten Gruppen"

Bisher sei der malisch-französische Militäreinsatz vor allem im Osten erfolgreich gewesen, sagte der Verteidigungsminister. Im Westen, wo sich auch Diabaly befindet, seien die Islamisten weiterhin stark. Es gebe dort die "härtesten, die fanatischsten, die am besten organisierten, die überzeugtesten und die am besten bewaffneten" Gruppen. Die französische Armee war am Dienstag zahlreiche Luftangriffe auf Diabaly geflogen, jedoch ohne die Islamisten vollständig vertreiben zu können. Mauretanien hatte aus Angst vor vordringenden Rebellen die Grenzkontrollen zu Mali verstärkt, Algerien die Grenze vollständig geschlossen.

Le Drian musste auch eingestehen, dass Konna, wo die französische Militärintervention am 10. Jänner begonnen hatte, weiterhin unter Kontrolle der Islamisten steht. Erfolgreich sind die malisch-französischen Truppen hingegen im Nordosten, wo die Rebellen aus den vormals von ihnen kontrollierten, strategisch wichtigen Städten Gao, Kidal und Timbuktu zurückgedrängt werden konnten.

Beobachter werten dies jedoch als "strategischen Rückzug". Die Islamisten hätten sich in die bergigen Gebiete rund um Kidal, an der Grenze zu Algerien, zurückgezogen, um sie langfristig zu besiegen, müsste es auch gelingen, sie von dort zu vertreiben, erklärte der Terrorismusexperte Jean-Charles Brisard gegenüber AFP. Zudem haben Rebellen in der Nacht auf Mittwoch die Telekommunikationsverbindungen in Goa gekappt, wie Bewohner berichteten, die französische Luftwaffe sei erneut Angriffe auf Gao, Kidal und Timbuktu geflogen, hieß es aus malischen Militärkreisen.

Rund hundert französische Soldaten trafen am Mittwochvormittag bei der strategisch wichtigen Niger-Brücke in Malaka, nahe der Stadt Segou, rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako ein. Ihre Aufgabe sei es, die Brücke zu sichern, um die Islamisten davon abzuhalten weiter nach Süden vorzurücken, erklärte ein Truppensprecher.

Die Westafrikanische Staatengemeinschaft (Ecowas) will am Mittwoch ein am Vortag in Bamako begonnenes Treffen fortsetzen, um die "letzten Vorkehrungen" für einen von der UNO unterstützten Einsatz von 3300 Ecowas-Soldaten zu treffen. Der Start der Mission war ursprünglich für September vorgesehen gewesen, soll nun jedoch so früh wie möglich beginnen. Deutschland will den Einsatz mit zwei Transall-Transportflugzeugen unterstützen, die unverzüglich nach Mali entsandt werden sollen, gab Verteidigungsminister Thomas de Maiziere am Mittwoch bekannt.

Eine EU-Aufklärungsmission soll sich am Sonntag auf den Weg nach Mali machen, am Donnerstag wollen die EU-Außenminister über die Entsendung der rund 200-Mann starken EU-Ausbildungstruppe nach Mali entscheiden. Österreich will sich nach bisherigem Stand daran nicht beteiligen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Französische Geisel soll getötet werden

Unterdessen erklärte die islamistische Shabaab-Miliz in Somalia am Mittwoch, den entführten französischen Geheimdienstagenten Denis Allex töten zu wollen. Grund sei die "Verfolgung der Muslime weltweit durch Frankreich". Auch mit Blick auf den jüngsten Militäreinsatz Frankreichs gegen die Islamisten in Mali habe sich die Miliz zu diesem Urteil entschieden, hieß es. Erst am Samstag war eine französische Operation zur Befreiung von Allex fehlgeschlagen und zwei Soldaten dabei getötet worden.

(APA/AFP)

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