Paris drängt auf österreichische Beteiligung in Mali

Der Botschafter in Wien hofft, dass Österreich bei der Ausbildung malischer Truppen hilft. Frankreich entsendet indes weitere Bodentruppen.

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Symbolbild Bundesheer – Pfarrhofer

Frankreich wünscht sich, dass sich Österreich an der geplanten EU-Mission zur Ausbildung malischer Truppen beteiligt. "Natürlich hoffen wir, dass die Hilfe der Europäer noch stärker wird", sagte der französischer Botschafter in Wien, Stephane Gompertz, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil". "Österreich zum Beispiel könnte bei der Ausbildung der malischen Truppen helfen."

Die Europäische Union hat am Donnerstag die Entsendung der Militärmission zur Ausbildung und Reorganisation der malischen Streitkräfte beschlossen. Ihr sollen 200 Ausbilder und 250 weitere Soldaten angehören. Diese Mission soll Mitte Februar starten.

In der österreichischen Regierung herrscht allerdings Uneinigkeit über eine Beteiligung an der EU-Mission. Während Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) unter Verweis auf die laufenden Auslandseinsätze unter heimischer Beteiligung abgewunken hat, ist Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) einem Beitrag nicht abgeneigt.

Botschafter Gompertz sagte dem "profil", er habe bisher noch keinen Kontakt zu Darabos aufnehmen können: "Ich habe ihn bei meinem Amtsantritt vor zehn Monaten um einen Termin gebeten, aber bisher noch keinen bekommen."

Bodentruppen auf 2000 Soldaten aufgestockt

Frankreich hat indes seine Bodentruppen in Mali weiter aufgestockt. Die Armee habe derzeit 2000 Soldaten im Rahmen der "Operation Serval" in dem Krisenland, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag dem Sender France 3 Bretagne. Die bisher als Obergrenze genannte Zahl von 2500 Soldaten vor Ort könnte womöglich überschritten werden, sagte Le Drian.

Frankreich hat am vergangenen Wochenende damit begonnen, Truppen in den Sahara-Krisenstaat zu entsenden, um eine totale Machtübernahme durch Islamisten zu verhindern und hofft auf weitere Unterstützung. Insgesamt sollten in Mali und den Nachbarländern Burkina Faso, Niger und Senegal 4000 Soldaten für die "Operation Serval" mobilisiert werden.

Der französische Außenminister Laurent Fabius forderte bei der Eröffnung des Sondergipfels der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Abidjan den Staatenbund auf, die Franzosen in Mali rasch abzulösen. Diese hätten nicht die Absicht, den Einsatz der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) zu ersetzen. Das Ziel des Gipfels sei es dafür zu sorgen, dass die ECOWAS-Eingreiftruppe "so bald wie möglich" zum Einsatz komme.

Die ECOWAS-Eingreiftruppe nahm in Abidjan Gestalt an: Die ersten 2000 Soldaten der MISMA sollen bis zum 26. Jänner in der malischen Hauptstadt Bamako eintreffen. Langfristig soll die Mission unter dem Kommando des nigerianischen Generals Shehu Abdulkadir 5800 Soldaten umfassen.

Den größten Beitrag zur MISMA, die auf einem Mandat des UNO-Sicherheitsrats beruht, stellt Nigeria mit 1.200 Soldaten. Ein nigerianischer Generalstab ist bereits in Bamako eingerichtet. Des weiteren stellt Togo 540 Soldaten, der Niger 500, Burkina Faso 500, der Senegal 500, Benin 300 und Guinea 125. Ghana entsendet seinerseits 120 Soldaten einer Pioniereinheit nach Mali. Zudem beteiligt sich der Tschad, der der ECOWAS nicht angehört - voraussichtlich mit 2000 Soldaten.

Eine Kooperation mit der französischen Eingreiftruppe ist bisher nicht geplant. Die Franzosen und die MISMA sollen logistische Unterstützung aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Dänemark und Belgien erhalten.

"Afrikaner müssen den Stab übernehmen"

"Frankreich war gezwungen, sehr, sehr schnell zu intervenieren, sonst hätte es kein Mali mehr gegeben", hatte Fabius vor dem Gipfel dem Sender RTL gesagt. "Doch es ist klar, dass die Afrikaner den Stab übernehmen müssen." Ihre Truppe werde in den kommenden Wochen einsatzbereit sein, um "die Rückeroberung Malis" zu starten. Fabius betonte, dass die Lösung des Konflikts neben einem militärischen auch einen politischen und einen entwicklungspolitischen Aspekt habe.

Die Islamisten, die seit April den Norden Malis kontrollieren, hatten vergangene Woche die Stadt Konna eingenommen. Zur Verhinderung eines weiteren Vordringens der Extremisten nach Süden war die französische Luftwaffe eingeschritten. Mit ihrer Unterstützung gelang es der malischen Armee inzwischen, Konna vollständig wieder einzunehmen.

(APA)

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