Wäscht der Iran in großem Stil Geld in Venezuela?

Irans Ex-Finanzminister wurde in Düsseldorf mit einem Millionenscheck gestoppt. Die Geschichte ist mysteriös, verwickelt, und sie spielt auf drei Kontinenten.

Waescht Iran grossem Stil
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Waescht Iran grossem Stil
c EPA Abedin Taherkenareh

Buenos aires. Ist das der rauchende Colt? Ist jener Scheck, den deutsche Zöllner in der Reisetasche eines iranischen Geschäftsmannes fanden, der Beweis dafür, dass Venezuela dem Regime in Teheran hilft, das internationale Finanzembargo zu umgehen?

Die Geschichte ist mysteriös, verwickelt, und sie spielt auf drei Kontinenten. Sie beginnt so: Ende Jänner bitten deutsche Zollbeamte auf dem Düsseldorfer Flughafen einen aus Teheran via Istanbul angereisten Passagier zur Gepäckkontrolle. Dabei finden sie eine erhebliche Menge Geldscheine in verschiedenen Währungen – und sie fischen aus der Seitentasche eines Gepäckstückes einen Scheck, ausgestellt von der staatlichen Banco de Venezuela über 300 Millionen Bolivares. Das sind zu diesem Zeitpunkt – vor der jüngsten Abwertung der venezolanischen Währung – knapp 70 Millionen Dollar. Die deutschen Beamten ziehen das Papier ein und sehen sich den Fluggast näher an.

Tahmaseb Masaheri Khorsani, 59, iranischer Staatsbürger, betreibt in Düsseldorf eine GmbH, die sich, so erfuhr „Spiegel Online“, unter anderem „mit Finanzberatung im Bereich der Rohstoff- und Maschinenindustrie“ befasst. Der Mann ist Bauingenieur – und er war sowohl Finanzminister als auch, im Jahre 2008, Zentralbankchef der Islamischen Republik Iran.

 

Refugium für verdächtige Bank

Bevor Khorsani an die Spitze der Notenbank kam, durfte er ein Jahr in der Karibik weilen, allerdings nicht am Strand, sondern im abgasverpesteten Caracas. Dort, im vornehmen Stadtteil Chacao, war er der erste Direktor der Banco Internacional de Desarollo, BID. Die Leitung dieser „internationalen Entwicklungsbank“ besetzten ausschließlich Iraner, mehrere davon waren den US-Behörden bekannt aus dem Umfeld des iranischen Geldhauses Saderat, welches das US-Finanzministerium bereits 2006 als Financier der schiitischen Hisbollah identifiziert haben will. Im Juli 2010 sperrte die EU alle Konten der BID, sie verdächtigt das Finanzinstitut, Irans Atomprogramm mitzufinanzieren. Venezuelas Behörden sahen bisher keinen Anlass, die BID zu schließen. Im Gegenteil, auch die Erben des sterbenskranken Hugo Chávez pflegen beste Kontakte zum Iran. Vizepräsident Nicolás Maduro war als Außenminister mehrfach in Teheran.

Vor Chávez waren die Verbindungen an den Persischen Golf praktisch kaum existent. Die gemeinsame Feindschaft zu den USA und Israel ließ jedoch eine Allianz entstehen, aus der auch eine Reihe von Joint Ventures entstanden. Zumeist war es Comandante Chávez persönlich, der in seiner sonntäglichen TV-Ego-Show „Aló Presidente“ iranisch-venezolanische Fahrrad- oder Landmaschinenwerke einweihte. Manche dieser Unternehmen wirkten auf den ersten Blick halbwegs sinnvoll, andere jedoch waren stets suspekt.

 

Dubiose Flugverbindung

Besonders dubios war die zwischen 2007 und 2010 wöchentlich betriebene Flugverbindung von Caracas nach Damaskus und Teheran. Die staatliche Airline Conviasa, die bis dahin nur Inlandsziele anflog, musste dafür extra einen Airbus A340 anschaffen, der allein für diese Verbindung genutzt wurde. Die Passagierkabine war meist fast leer, was auch daran lag, dass die 3000 Euro teuren Tickets nicht über die Homepage der Airline buchbar waren, sondern allein über ein Handy in Argentinien. Ein Fluggast beschreibt, dass der Airbus trotz lediglich 24 Passagieren an Bord die gesamte Rollbahn brauchte, um in Caracas-Maiquetia abzuheben, was auf eine sehr volle Ladefläche schließen ließ. Solche Berichte trieben vor allem konservative Kreise in Washington heftig um.

Chávez-Hasser wie die Ex-US-Vize-Außenminister Roger Noriega und Otto Reich bringen seit Jahren jegliche iranisch-venezolanische Kooperation in den Verdacht, der Geldwäsche oder anderen illegalen Machenschaften zu dienen. In Publikationen rechter US-Thinktanks werden Traktorenhersteller zu Sprengstoffproduzenten, Gold- zu Uranminen, Thunfischfabriken zu Zwischenlagern für den Kokainexport nach Europa, der den Iran oder die Hisbollah finanziere. Belegt werden diese Behauptungen mit anderen Publikationen derselben Couleur oder nebulösen Geheimdienstquellen. Es fehlt der rauchende Colt.

Kann das der Scheck aus Düsseldorf sein? Khorsani, der wieder in Teheran ist, sagte den deutschen Ermittlern, der 70-Mio.-Dollar-Scheck sei für eine iranische Baufirma bestimmt gewesen, die in Venezuela 10.000 Wohnungen baut. Warum gelangt ein in Venezuela ausgestellter Scheck für eine in Venezuela aktive Firma in den Iran, um von dort via Deutschland nach Venezuela zu fliegen? Laut Irans Botschafter in Venezuela musste dieser Scheck von einem Direktor der Baufirma in Teheran unterzeichnet werden. Die deutschen Behörden müssen klären, ob das glaubhaft ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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