Österreichische Geisel: "Sonst werden sie mich töten"

In einer dramatischen Videobotschaft fleht der im Jemen entführte Österreicher die Regierung an, die Forderungen seiner Geiselnehmer zu erfüllen.

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Dominik N. in dem Video

Eine Waffe ist auf ihn gerichtet, er kämpft mit den Tränen, ringt um Worte, spricht zuerst auf Englisch, dann auf Deutsch: Ein Video, das den im Jemen mit zwei Finnen verschleppten Österreicher zeigt, ist offenbar bereits vergangenen Donnerstag auf dem Video-Portal Youtube im Internet aufgetaucht. Die österreichische Geisel Dominik N. stellt sich darin vor: „Ich bin ein österreichischer Staatsbürger. Ich wurde am 21. Dezember 2012 von einem jemenitischen Stamm als Geisel genommen. Sie wollen Lösegeld" Dann folgt ein Appell an die Regierungen Österreichs, des Jemen und der „anderen betroffenen Staaten" die Forderungen zu erfüllen - „andernfalls werden sie mich sieben Tage nach Veröffentlichung dieses Videos töten". Zum Schluss sendet er noch eine Botschaft an seine Familie: „Bis jetzt bin ich in guter Gesundheit". Dann ist die einminütige Aufnahme vorbei. Welche Forderungen die Entführer genau stellen, geht aus der Botschaft nicht hervor. Das Ultimatum läuft jedenfalls am 28. Februar ab.

Das Video sei authentisch, sagte der Leiter der Presseabteilung des Außenministeriums in Wien, Martin Weiss, am Samstagabend. Es handle sich um den „ersten Beweis", dass N. „am Leben und gesund ist". Der Krisenstab des Außenministeriums tage und das Video werde genau untersucht. Die österreichische Regierung stimme sich außerdem eng mit den Regierungen Finnlands und des Jemen ab. Weitere Informationen wolle man zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings nicht geben, sagte Weiss.

Auszug aus dem Wortlaut der Botschaft

"Mein Name ist Dominik N. Ich bin ein österreichischer Staatsbürger. Ich wurde am 21. Dezember 2012 von einem jemenitischen Stamm als Geisel genommen. Sie wollen Lösegeld. Ich appelliere an die jemenitische Regierung, die österreichische Bundesregierung, die Europäische Union und alle anderen Staaten, ihre Forderungen zu erfüllen. Andernfalls werden sie mich sieben Tage nach Veröffentlichung dieses Videos töten." Dann wandte sich N. in persönlichen Worten an seine Familie und versicherte ihr: "Bis jetzt bin ich in guter Gesundheit."
Gregor Kössler, österreichischer Botschafter für den Jemen, besuchte am Samstag das jemenitische Außenministerium. Auch vier österreichische Mitarbeiter des Nachrichtendienstes sollen sich im Land aufhalten, um den Fall zu lösen. Experten halten es für möglich, dass sich Dominik N. mittlerweile in Gewalt des Terrornetzwerks al-Qaida befindet. Er könnte von Stammesmitglieder entführt und dann weiterverkauft worden sein. Möglich sei auch, dass politische Forderungen folgen und nicht nur Lösegeld verlangt wird. Bemerkenswert sei auch, dass sich die Geisel im Video an die jemenitische Regierung wendet.

Schicksal von entführten Finnen unklar

Über das Schicksal des entführten finnischen Paares gibt es indes keine Hinweise. Das finnische Außenministerium hält es für möglich, dass ein ähnliches Video mit den finnischen Geiseln auftauchen könnte. Drei Tage vor Weihnachten, am 21. Dezember, wurden der österreichische Student und das finnische Paar von bewaffneten Männern aus einem Elektronikgeschäft nahe dem Tahrir-Platz in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa entführt. Während die beiden Männern länger im Jemen lebten, war die Finnin nur zu Besuch.

Lange wurde darüber spekuliert, wer hinter der Entführung stecken könnte. Der Jemen-Experte Johann Heiss vom Institut für Sozialanthropologie der Uni Wien meinte etwa, das Schicksal der Geiseln hänge „maßgeblich davon ab, ob sie sich in der Gewalt von Stämmen oder von religiöse Fundamentalisten befinden". Weitaus gefährlicher ist al-Qaida. Das Terrornetzwerk kontrolliert mittlerweile ganze Teile des Landes. Ihre Kämpfer werden immer wieder von amerikanischen Drohnen angegriffen.

 

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