Die Angst der amerikanischen Admiräle

Noch sind die USA im Verbund mit Alliierten wie Japan und Australien Herren des Pazifiks. An deren Thron rüttelt China aber gewaltig.

SOUTH KOREA - US CARRIER USS KITTY HAWK
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SOUTH KOREA - US CARRIER USS KITTY HAWK
SOUTH KOREA - US CARRIER USS KITTY HAWK – EPA

Im Oktober 2006 wäre der Commander der Task Force um den US-Flugzeugträger „Kitty Hawk“ wohl am liebsten im Meer versunken: Tauchte doch da nahe Okinawa eines der (noch dazu relativ lauten) chinesischen U-Boote der „Song“-Klasse nur wenige Kilometer entfernt in perfekter Schussweite einfach auf. Kein Begleitschiff hatte es zuvor entdeckt. Im Ernstfall wäre die „Kitty Hawk“ vielleicht zu einem weiteren Wrack auf dem Meeresgrund geworden.

Tatsächlich ist China dabei, die USA als die Herren im Pazifik seit 1945 lokal zu neutralisieren. Dazu dient ein Bauprogramm, das vor allem moderne Kriegsschiffe, U-Boote, Marschflugkörper und Satelliten umfasst. Auch wurde die Strategie zur See seit den 1980ern umgestellt, vom reinen passiven Küstenschutz hin zu einer „Active Defence“. Heißt: Man will Gegnern schon weit vor der Küste begegnen, durch eine offensive Defensive.

Die Abwehrzone beginnt wohl schon jetzt bei der „ersten Inselkette“, einer Linie, die von Japan zu den Philippinen und im Südchinesischen Meer in jener zungenartigen Form verläuft, die man auf der Karte oben sieht. Sie ist 400 bis 1900 Kilometer vor Chinas Küsten, der Raum bis dorthin soll als „Area of Denial“ für Gegner nur unter schweren Verlusten betretbar sein. Langfristig will China bis zur „zweiten Inselkette“ zumindest „wirken“ können (etwa durch Raketen), einer Linie von Japan über die Marianen bis Ostindonesien. Auf der Linie liegt, rund 3000 km entfernt, die US-Basis Guam.

Chinas Marine zählt schon 73 meist moderne Großkampfschiffe und 61 U-Boote. Die Flotten der Lokalrivalen sind weit kleiner, etwa jene Südkoreas (21 große Schiffe plus zwölf U-Boote), Vietnams (sieben plus sechs) und der Philippinen (drei Fregatten). Allerdings hat China erst einen Träger, der in der Testphase ist, und zu wenige amphibische Kräfte für Operationen in großer Distanz. Zudem haben auch kleine Lokalrivalen oft starke Verbände für Küstenschutz und den Kampf in Archipelzonen.

 

Chinas „Carrier-Killer“

Japans Flotte (47 Großschiffe, 16 U-Boote) ist zumindest noch technisch voran; die US-Pazifikflotte ist mit ihren etwa 80 Großschiffen (davon fünf Trägern), 40 U-Booten und 2000 Flugzeugen Platzhirsch, zumal die USA auf große Reserven zurückgreifen können. Nur sägt China auch mit Technologie am US-Thron: Etwa mit der berüchtigten, noch ungetesteten Rakete „Dongfeng 21D“. Es ist die erste ballistische Seezielrakete der Welt, ein „Carrier-Killer“, sie soll mit einem Treffer einen Träger zerstören können – auf 3000 km Distanz.

Man rätselt zwar, ob die Chinesen die enormen Probleme mit der Zielerfassung im Endanflug bewältigen können; allerdings überlegen sich die US-Admiräle schon jetzt gut, ob sie Schiffe in Chinas Nähe auffahren lassen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2013)

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