US-General warnt vor teurer Syrien-Intervention

Training der Rebellen, Luftschläge, Sicherung der Chemiewaffen: Die USA haben mehrere militärische Optionen im Syrien-Konflikt. Auch bei hohem Mitteleinsatz wäre der Nutzen allerdings beschränkt bis ungewiss.

File photo of Chairman of the Joint Chiefs General Martin Dempsey  testifying at a Senate Armed Services Committee in Washington
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File photo of Chairman of the Joint Chiefs General Martin Dempsey  testifying at a Senate Armed Services Committee in Washington
US-Generalstabschef Martin Dempsey – REUTERS

In überraschender Offenheit hat der oberste US-Soldat, Generalstabschef Martin Dempsey, die militärischen Optionen der USA in Syrien dargelegt. Die Möglichkeiten Washingtons reichen dabei von Trainings- und Ausrüstungshilfe für die Opposition bis hin zu einer Sicherung von Syriens Arsenal an Chemie-Waffen, was den Einsatz von Bodentruppen bedingen würde. Eines ist allen von Dempsey - in der Beantwortung einer Anfrage des demokratischen Senators Carl Levin - vorgestellten Optionen gemeinsam: Sie sind teuer (die meisten würden mehr als eine Milliarde Dollar pro Monat kosten), und ihr tatsächlicher Nutzen wäre beschränkt bis ungewiss.

 

  • Training der Opposition: Die bewaffnete Opposition könnte durch eine breite Palette an Ausbildungsmaßnahmen besser in Stand gesetzt werden, den Truppen des Assad-Regimes Paroli bieten zu können. Die USA würden auch logistische Hilfe leisten und Erkenntnisse der militärischen Aufklärung zur Verfügung stellen. Es ist die weitaus günstigste Option: Generalstabschef Dempsey beziffert die Kosten mit 500 Millionen Dollar pro Jahr, die USA müssten je nach Umfang einige hundert bis einige tausend Soldaten dafür abstellen. Der positive Effekt wäre allerdings überschaubar, die Risiken, etwa durch eine unbeabsichtigte Stärkung von Extremisten, hoch.
  • Begrenzte Angriffe: Die USA könnten mit gezielten Schlägen aus der Luft Schlüsseleinrichtungen des syrischen Militärs zerstören, darunter, Luftabwehrstellungen, die Luftwaffe, Raketenbasen oder die Marine. Es gebe hunderte potenzielle Ziele, meint Dempsey. Der US-Einsatz wäre hier schon beträchtlich: Man würde hunderte Flugzeuge benötigen, dazu Schiffe (etwa Flugzeugträger), U-Boote und mehr. Die Kosten beziffert der Generalstabschef mit "mehreren Milliarden Dollar", der Nutzen wäre "eine signifikante Verminderung der Kapazitäten des Regimes". Freilich gibt es auch Risiken: Das Regime könnte limitierten Angriffen durchaus standhalten, meint der General, darüber hinaus gäbe es die Gefahr von Vergeltungsangriffen. Dempsey führt es nicht im Detail aus, aber diese könnten zuvörderst Israel treffen.
  • Flugverbotszone: Die nächst aufwendigere Option würde den US-Truppen - von der Beteiligung Verbündeter ist nicht die Rede - die Lufthoheit über Syrien geben. Dempsey rechnet hier schon mit durchschnittlichen Kosten von einer Milliarde Dollar pro Monat, mindestens für ein Jahr. Das Resultat wäre eine "nahezu völlige Ausschaltung der Fähigkeit des Regimes, die Oppositions-Hochburgen zu bombardieren und seine Truppen aus der Luft zu unterstützen." Das klingt nach viel, der Nutzen wäre dennoch nur beschränkt, denn wie der Generalstabschef ausführt, beschieße das Regime seine Gegner überwiegend vom Boden aus, also mit Artillerie.
  • Pufferzonen: Um diese einzurichten, ist zunächst einmal zumindest eine begrenzte Flugverbotszone nötig. Zudem braucht es tausende Mann an Bodentruppen in Bereitschaft, die allerdings auch außerhalb Syriens stationiert werden könnten, etwa in der Türkei oder Jordanien. Entlang der syrischen Grenze zu diesen Ländern würden sich auch die Pufferzonen berfinden. Kostenpunkt dieser Option: Mehr als eine Milliarde Dollar pro Monat. Beim Gegenwert ist Dempsey vorsichtig: Mittelfristig würde es die Kapazitäten der Opposition verbessern, meint der Generalstabschef, menschliches Leid "könnte" reduziert werden, der Druck auf Jordanien und die Türkei "könnte" sinken. Die Gefahr: Dass sich in den Pufferzonen Extremisten breit machen.
  • Ausschaltung der chemischen Waffen: Die mit Abstand aufwändigste Option. Die USA könnten die Lagerstätten für diese Waffen zerstören beziehungsweise versuchen, sie unter ihre Kontrolle zu bringen. Eine Flugverbotszone wäre hier ebenso nötig wie gezielte Luftschläge, zudem der Einsatz von tausenden von Spezialkräften und weiteren Soldaten. Dempseys Kostenschätzung liegt daher bei deutlich über einer Milliarde Dollar. Er macht allerdings deutlich, dass es auch bei massivem Mitteleinsatz nicht möglich wäre, sämtliche syrischen Chemiewaffen auszuschalten.

Dempsey mahnt in seinem Resümee, eingedenkt der US-Erfahrungen in Afghanistan und im Irak, zu höchster Vorsicht: Es reiche nicht, „die militärische Balance“ zu kippen. Man müsse auch überlegen was nötig sei, um einen funktionierenden Staat bewahren: „Sollten die Institutionen des Regimes kollabieren und es gibt keine tragfähige Opposition, könnten wir ungewollt Extremisten  an die Macht bringen oder genau die C-Waffen freisetzen, die wir kontrollieren wollen.“

(hd)

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