Katalonien: Mehrheit will eigenen Staat

Die wirtschaftsstärkste Region Spaniens begeht heute ihren "Nationalfeiertag". 52 Prozent würden für die Loslösung von Madrid votieren.

Katalonien Mehrheit will Unabhaengigkeit
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Katalonien Mehrheit will Unabhaengigkeit
Katalonien – (c) Reuters

Gut 80 Prozent der Bewohner Kataloniens sind einer Umfrage zufolge für ein Referendum über die Unabhängigkeit der wirtschaftsstärksten Region von Spanien. 52 Prozent der Katalanen würden bei einer solchen Abstimmung für die Schaffung eines eigenen Staates votieren, ergab die am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des spanischen Radiosenders Cadena Ser. Nur 24 Prozent würden gegen eine Abspaltung von Spanien stimmen.

Zehntausende Katalanen machten sich am Mittwoch auf den Weg, um eine 400 Kilometer lange Menschenkette durch die gesamte Region zu bilden, die im Nordosten Spaniens liegt. Unter dem Slogan "Der katalanische Weg zur Unabhängigkeit" wollten sie am Nachmittag für die Gründung eines eigenen Staates demonstrieren. Die Menschenkette sollte von den Pyrenäen bis an die Grenze zur Nachbarregion Valencia reichen.

Als Vorbild für die Menschenkette gilt eine ähnliche Aktion 1989 in den baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen, die damals noch zur Sowjetunion gehörten. Die Katalanen begingen am Mittwoch ihren "Nationalfeiertag". Damit erinnerten sie an die Eroberung Barcelonas am 11. September 1714 durch die Truppen des spanischen Königs Philipp V.. Die Einnahme der Stadt hatte eine Aberkennung der katalanischen Autonomie-Rechte zur Folge.

Der ''Nationalfeiertag''

Der 11. September wird in Katalonien als "Nationalfeiertag" ("Diada Nacional de Catalunya") begangen. Damit gedenken die Bewohner von Spaniens wirtschaftsstärkster Region einer historischen Niederlage. Am 11. September 1714 wurde ihre Hauptstadt Barcelona nach einer 14-monatigen Belagerung von den Truppen des spanischen Königs Philipp V. eingenommen.

Der Monarch, ein Enkel von Ludwig XIV. von Frankreich, schaffte die Selbstverwaltungsrechte der Katalanen ab und ließ ein zentralistisches System nach französischem Vorbild errichten.

Die Belagerung und Eroberung Barcelonas war ein Nachspiel des spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714). Dieser Konflikt war nach dem Tod des kinderlosen Habsburger-Königs Karl II. ausgebrochen. Er weitete sich 1701 zu einem europäischen Krieg aus, in dem sich Mächte wie Frankreich auf der einen und der römisch-deutsche Kaiser aus dem Haus Habsburg sowie Großbritannien auf der anderen Seite gegenüberstanden.

Die meisten Kriegsparteien beendeten den Konflikt 1713 mit dem Frieden von Utrecht. Die Katalanen widersetzten sich jedoch der Herrschaft des Bourbonen Philipps V., mussten sich aber der Übermacht der spanischen und französischen Truppen geschlagen geben.

(APA/Reuters)

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