USA planen Flotte von Unterwasserdrohnen

Projekt der Rüstungsforschungsagentur „Darpa“: Unbemannte „Mutter-U-Boote“ sollen Tauch- und sogar Flugdrohnen weltweit zum Einsatz bringen.

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Drohne – (c) Darpa

Dass Drohnen nicht nur männliche Bienen sein können sondern auch ferngesteuerte Flugobjekte, die (unter anderen) militärischen Zwecken dienen, ist heute bereits einem größeren Publikum bekannt. Drohnen wurden und werden etwa von den USA seit Jahren in Ländern wie Afghanistan, dem Irak und Pakistan eingesetzt, um Rebellen bzw. mutmaßliche Terroristen zu beobachten oder auch mit Luft-Boden-Raketen zu töten.

Die Franzosen setzten zu Jahresbeginn beim Feldzug gegen Islamisten in Mali Aufklärungsdrohnen ein, die Israelis spionieren damit über den Palästinensergebieten und auch viele andere Staaten besitzen Drohnen, wobei die allermeisten Modelle (jedenfalls vorerst) unbewaffnet sind und nur zur Aufklärung taugen.

Nun ist die Drohnentechnik dabei, sich auch das Wasser als Einsatzraum zu erschließen: Die US-Spezialwaffenforschungsagentur „Darpa" (Defense Advanced Research Projects Agency) hat das Projekt „Hydra" ins Leben gerufen, in dessen Zentrum unbemannte U-Boote stehen, von denen aus kleinere, großteils neuentwickelte Tauchdrohnen, aber auch Flugdrohnen operieren können sollen. Diese Tauchdrohnen sollen etwa zur Beobachtung von Schiffen, Seegebieten und Küsten dienen, zum Transport kleinerer Frachten, zum Minensuchen und -Legen oder auch - mit Sprengköpfen versehen - zur Bekämpfung von Zielen, etwa Kriegs- und Piratenschiffen.

Fliegende Drohnen wiederum sollen an die Meeresoberfläche gebracht werden und dort starten, landen und wieder zum Mutter-U-Boot gebracht werden können, ohne dass dieses dazu auftauchen muss. Der US-Konzern „Raytheon" hat schon Prototypen eines Auftauchsystems gebaut, mit denen vorerst herkömmliche bemannte U-Boote Flugdrohnen nach oben und wieder zurück bringen können - damit ließe sich der notwendigerweise sehr beschränkte Sicht- und Sonar-Horizont einer U-Bootmannschaft in getauchtem Zustand stark erweitern, denn herkömmliche Drohnen, die von ihrer Größe her auch in U-Boote passen würden, haben Einsatzradien von mehreren Dutzend Kilometern. Existierende Kampfdrohnen wie die raketenbestückte amerikanische „Reaper" (Einsatzradius 2000 bis 3000 Kilometer) sind allerdings zu groß für U-Boote und für Starts vom Wasser aus nicht ausgelegt.

Kleine Unterwasserdrohnen gibt es bereits

Kleine Unterwasserdrohnen gibt es vereinzelt schon jetzt, etwa den Robot-Torpedo „Remus": Der wurde von der US-Ozeanographenorganisation „Woods Hole Oceanographic Institution" für zivile Beobachtungen per Sonar in der Tiefe gebaut (bis zu 6000 Meter), wird aber von der US-Navy auch zur Minensuche genutzt. Er soll mit einer Geschwindigkeit von bis zu fünf Knoten (etwa 9 km/h) maximal 22 Stunden lang fahren können, womit er 200 Kilometer zurücklegen könnte. Sofern man darauf verzichtet, ihn zum Ausgangspunkt zurückzuholen, beträgt sein Einsatzradius also erwähnte 200 Kilometer; in der Regel ist es freilich viel weniger, denn der intelligente Torpedo soll meist selber zum Startpunkt zurückfahren und die von ihm gesammelten Daten dort abliefern.

Von normalen Schiffen und U-Booten können solche herkömmlichen Kurzstreckendrohnen also kaum eingesetzt werden, ohne einem Gegner zu verraten, dass die bemannte Einsatzplattform in der Nähe ist. Bei einem unbemannten Mutter-U-Boot weit kleinerer Größe hingegen täte sich ein Gegner einerseits viel schwerer, es aufzuspüren, während der Benutzer seine eigene Einsatzreichweite enorm vergrößert, ohne seine Mannschaften vor Ort in Gefahr zu bringen.

Der Darpa schweben aber auch weit höher entwickeltere, weiterreichende Unterwasserdrohnen vor. Deren Reichweite wird freilich relativ beschränkt bleiben müssen: Wegen des Wasserwiderstandes ist der Energieverbrauch von Motoren sehr hoch, einige Hundert Kilometer sind aber denkbar. Mit Atomantrieben bestückte Drohnen bzw. Mutter-U-Boote könnten zwar theoretisch endlos im Meer kreuzen, doch sind kleine Reaktoren schwer zu bauen und werfen darüber hinaus so viele weitere Fragen auf, etwa bezüglich Sicherheit und Verantwortlichkeit, dass Hydra vorerst auf konventioneller Basis angedacht wird. Selbst damit geht die Darpa davon aus, dass die Mutter-U-Boote wochen- bis monatelang im Einsatz sein sollen. Ihre Kleindrohnen könnten dann praktisch auf allen Meeren, ja sogar dicht vor Küsten, in Flussmündungen und Häfen ausschwärmen.

Testnetzwerk frühestens 2018

Das Mutterboot soll natürlich auch imstande sein, seine „Kinder" wieder aufzunehmen, um sie zu betanken und von ihnen gesammelte Informationen zu übernehmen, die dann weitergeleitet werden. Das nötige automatische Andocken wird technisch sehr anspruchsvoll sein, sicher ist es die weitere drahtlose Datenübermittlung an andere Schiffe und höhere Kommandostellen: Funksignale lassen sich im getauchten Zustand nämlich, wenn überhaupt, nur langsam und störungsanfällig übermitteln.

Die Darpa wirbt derzeit um finanzielle Unterstützung für Hydra. Im günstigsten Falle könne etwa um 2018 ein Testnetzwerk mit einer gewissen Zahl an Drohnen-Mutter-U-Booten und Kleindrohnen fertig sein, heißt es. Angesichts aktueller militärischer Sparzwänge könne Hydra aber eine billigere Alternative für manch bemannten Marineeinsatz bieten.

Der Chef der russischen Marine, Admiral Viktor Tschirkow, sagte bereits im Dezember 2012, dass sein Land Unterwasserdrohnen in Serie bauen werde. Und die Darpa hat auch das Projekt einer Überwasserdrohne: Ein kleines Schiff, das U-Boote suchen und, falls es eines findet, wie ein „Spürhund" verfolgen soll, sodass ihre Position jederzeit leicht ersichtlich ist.

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