CSU-Parteitag: Erwin Huber folgt Stoiber als Parteichef

Der klar favorisierte bayerische Wirtschaftsminister (61) setzte sich in einer Kampfabstimmung schon im ersten Wahlgang gegen seine Konkurrenten Horst Seehofer und Gabriele Pauli durch.

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Huber kam auf 58,2 Prozent der insgesamt 961 abgegebenen Stimmen, Seehofer erhielt 39,1 Prozent der Stimmen. Die parteiintern umstrittene CSU-Kommunalpolitikerin Gabriele Pauli erhielt 2,5 Prozent (24 Stimmen).

Unmittelbar nach der Wahl von Erwin Huber zum neuen CSU-Chef ernannten die Delegierten Edmund Stoiber einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Sie folgten damit einem Vorschlag, den Huber zuvor gemacht hatte. Stoiber nahm den Ehrentitel an und unterbreitete dem neuen CSU-Chef das Angebot, ihm "mit Rat und Tat" zur Seite stehen zu wollen. Stoiber ist der dritte Ehrenvorsitzende der Partei. Im Juni 1969 hatte ein CSU-Parteitag die beiden früheren Ministerpräsidenten Josef Müller und Hans Ehard zu Ehrenvorsitzenden gewählt.

Zufriedene Verlierer

CSU-Vize Horst Seehofer (58) zeigte sich trotz seiner Niederlage zufrieden. "Ich bin zufrieden, wirklich", sagte Seehofer am Samstag beim CSU- Parteitag in München. "Das ist bei der Konstellation das, was möglich ist." Er wolle wieder als CSU-Vizevorsitzender antreten. Seehofer gratulierte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber als einer der ersten und sagte zu ihm: "Danke für den tollen Kampf."

Auch die CSU-Rebellin Gabriele Pauli (50) zeigte sich zufrieden. Sie sei nicht enttäuscht über den Stimmenanteil von 2,5 Prozent, sagte sie unmittelbar nach der Wahl. "Das Ergebnis ist für mich nicht zentral." Sie hoffe, mit ihren Vorschlägen Impulse für die CSU gegeben zu haben. Der Parteitag sei dazu ein wichtiger Schritt gewesen.

Huber erhielt 558 von 959 gültigen Stimmen oder 58,2 Prozent. Für Seehofer votierten 375 Delegierte (39,1 Prozent). Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli fiel mit nur 24 Stimmen (2,5 Prozent) durch. Huber tritt damit die Nachfolge von CSU-Chef Edmund Stoiber an, der nach neun Jahren aus dem Amt scheidet.

Huber versprach in seiner Rede vor der Abstimmung Kontinuität, da die Partei und das Land gut dastehe. Allerdings stehe die CSU auch vor "großen Herausforderungen" angesichts von vier anstehenden Wahlen in den nächsten zwei Jahren. "Wir können und werden sie gewinnen, weil wir die einzige Zukunftspartei in Bayern sind", sagte er unter dem Applaus der Delegierten.

"Erfolgreich können wir nur sein, wenn nicht jeder einzelne von 170.000 (Parteimitgliedern, Anm.) auf einem Selbstverwirklichungstrip ist, sondern wenn wir Loyalität und Zusammenhalt haben", griff Huber seine Kontrahentin Pauli, die sich selbst für den Parteivorsitz vorgeschlagen hatte, frontal an. Es könne auch nicht jeder sein eigenes Parteiprogramm verkünden, spielte er an Paulis Ideen an. Dagegen streckte er gegenüber seinem Mitbewerber Seehofer die Hand aus. Er werde Seehofer bitten, weiterhin stellvertretender CSU-Chef zu bleiben, kündigte Huber für den Fall seiner Wahl an.

Stoibers Abschiedsrede 

Stoiber hatte zuvor seine Nachfolger in einer mehr als einstündigen Abschiedsrede eingeschworen, kompromisslos gegen linke Tendenzen zu kämpfen und den Charakter der CSU als Volkspartei zu erhalten. "Die Erben der Mauerschützen-Kommunisten dürfen in Deutschland niemals an die Macht kommen." Aufgabe der CSU für die nächste Generation sei es, "den Mantel weit zu breiten, damit sich alle irgendwie in der CSU zu Hause fühlen". Die Verantwortung gehe nun wieder "auf zwei Schultern" über, sagte der 66-Jährige mit Blick auf die Teilung von Regierungs- Parteivorsitz. "Macht einen Vorteil daraus und vor allem haltet mir die CSU zusammen."

Molterer zu Gast beim Parteitag

Als Gastredner trat auf dem Parteitag ÖVP-Chef Wilhelm Molterer auf. Auch würdigte Stoibers Leistungen und strich die gemeinsame Wertebasis der beiden Parteien hervor. Der Vizekanzler dankte Stoiber und CSU auch für ihre Rolle während der "EU-Sanktionen" gegen die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung im Jahr 2000. "Wir werden euch das nie vergessen", betonte Molterer, der auch Stoibers Ernennung zum Vorsitzenden eines EU-Gremiums gegen Bürokratieabbau begrüßte. "Europa braucht eine Prise Stoiber", sagte der ÖVP-Chef.(Ag./Red.)

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