Hamas bietet der Fatah Gespräche an

Palästinenser. Die islamistische Hamas sieht ihre Herrschaft über Gazastreifen als „vorübergehend“. Fatah stellt Bedingungen.

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JERUSALEM. Die Worte von Ismail Haniyeh sorgten für Aufsehen: „Die Kontrolle des Gazastreifens durch die Hamas ist nur vorübergehend“, meinte der Chef der Hamas im Gazastreifen am Donnerstag. Und er sprach „von ernsthaften Schritten im Bereich des palästinensischen Dialogs“. Konkret bot er der verfeindeten Fatah von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas Verhandlungen an. Diese sollten nach dem muslimischen Fastenmonat Ramadan starten, der je nach Region diesen Freitag oder Samstag endet. Ort der innerpalästinensischen Gespräche soll „eine arabische Hauptstadt“ sein, möglicherweise Kairo.

Bevor es zu diesen Verhandlungen kommt, müsste sich aber auch die Fatah verhandlungsbereit zeigen. Doch die stellt Forderungen: „Unsere Bedingungen für einen erneuten Dialog mit der Hamas sind sehr klar“, meinte Walid Awad vom Zentralkomitee der Fatah auf Anfrage der „Presse“: „Die Hamas muss die Kontrolle über den Gazastreifen aufgeben, erst dann werden wir uns wieder an den Verhandlungstisch setzen.“ Seit der gewaltvollen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen Mitte Juni liegen die Beziehungen zur Fatah auf Eis.


Moderate Töne aus Gaza

Taher Al Noonoo, Sprecher der Hamas-Führung im Gazastreifen, ist zuversichtlich, dass die Fatah an den Verhandlungen teilnehmen wird, obwohl die Hamas nicht vorhabe, die Bedingungen der Fatah schon im Vorfeld zu erfüllen. „Wir reden nicht über die Aufgabe von Gaza“, meint Al Noonoo bestimmt. Der Hamas ginge es unverändert um „die Bildung einer Einheitsregierung“, die sowohl über den Gazastreifen als auch über das Westjordanland Kontrolle haben werde. Die Hamas stimmt gut einen Monat vor dem geplanten israelisch-arabischen Gipfeltreffen in den USA moderatere Töne an als bisher.

Im Gazastreifen besteht die berechtigte Sorge, man werde keinen Einfluss auf die internationale Nahost-Konferenz haben, während für Palästinenserpräsident Abbas der rote Teppich ausgerollt wird. Abbas strebt in seiner Funktion als PLO-Chef eine Nahostlösung an, die von der Mehrheit der Palästinenser unterstützt wird, damit er ein Referendum und vorgezogene Neuwahlen abhalten kann.

Diese Woche umriss der Palästinenserpräsident zum ersten Mal seine Vorstellungen über den künftigen Palästinenserstaat. „Wir haben 6205 Quadratkilometer Land im Gazastreifen und im Westjordanland. Nicht weniger als das ist es, was wir fordern.“


Abbas akzeptiert Landtausch

Dabei zeigte sich Abbas flexibel, sollte Israel Veränderungen des Grenzverlaufs wünschen. „Solange es um dieselbe Qualität des Landes und den gleichen Umfang geht, haben wir keine Einwände gegen einen Landtausch.“ Damit wäre theoretisch der Fortbestand von jüdischen Siedlungsblocks im Westjordanland möglich.

Der Palästinenserpräsident drängt darauf, dass auf dem in Annapolis geplanten Gipfeltreffen die sechs Kernthemen des Konflikts behandelt werden: Jerusalem, Flüchtlinge, Grenzen, Siedlungen, Wasser und Sicherheit.

WISSEN

Im Juni 2007 hatten Kämpfer der islamistischen Hamas handstreichartig die Kontrolle über den Gazastreifen übernommen. Seither sind die Palästinensergebiete zweigeteilt: In Gaza regiert die Hamas, im Westjordanland die Fatah von Palästinenserpräsident Abbas.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2007)

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