Flucht vor den Jihadisten: Iraks Patriarch befiehlt Priestern die Rückkehr

Geistliche müssten notfalls auch das Kreuz auf sich nehmen, meint Louis Sako. Den Geflohenen setzt er eine Frist von einem Monat zur Rückkehr.

Betender in der chaldäisch-katholischen St. Josefskirche in Bagdad
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Betender in der chaldäisch-katholischen St. Josefskirche in Bagdad
Betender in der chaldäisch-katholischen St. Josefskirche in Bagdad – (c) REUTERS (� Saad Shalash / Reuters)

Mit einem aufsehenerregenden Aufruf versucht Louis Sako, chaldäisch-katholischer Patriarch von Bagdad, Priester und Ordensleute, die vor den Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" geflohen sind, zur Rückkehr in den Irak zu bewegen: "Wir müssen an dem Ort leben und sterben, an den Gott uns ruft", sagte Sako, und befahl den Geflohenen die Rückkehr. Sie könnten sich schließlich nicht aussuchen, "wo sie dienen, wie sie dienen, und wem sie dienen" zitierte Kathpress das Kirchenoberhaupt.

Den Geflohenen setzte er eine Frist von einem Monat. Sollten sie bis dahin nicht in den Irak zurückgekehrt sein, müssten sie mit Disziplinarstrafen rechnen. Priester und Ordensleute hätten ihren Geschwistern im Glauben zu dienen und, wenn es nötig sei, auch das Kreuz auf sich zu nehmen, sagte Sako.

Patriarch Louis Sako von Bagdad
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Patriarch Louis Sako von Bagdad
Patriarch Louis Sako von Bagdad – Bruckberger

Patriarch Sako hat in den vergangenen Monaten wiederholt vor einem "Völkermord" gewarnt und zuletzt auch ein Eingreifen der UNO gegen die Islamisten gefordert: „Die Christen im Irak riskieren seit der jüngsten Vertreibung ihre Auslöschung", sagte er erst vor Tagen.
Der IS wolle sie endgültig aus dem Land vertreiben: „Aber Emigration kann doch nicht die Lösung des Problems sein!“

Im Zusammenhang mit dem sogenannten "Kalifat" des IS sprach Sako damals von einer „Horrorwelt, die uns weit zurück ins finsterste Mittelalter zurückwirft". Zugleich warnt er: „Wenn die internationale Gemeinschaft dem IS nicht vehement und entschieden Einhalt gebietet, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser eine Gefahr für die ganze Welt sein wird.“

Christliche Selbstverteidigungsmiliz

Die irakischen Christen haben besonders unter den islamischen Extremisten des IS zu leiden. Zehntausende sind bereits geflohen, wer in den vom IS eroberten Gebieten bleibt, wird oft vor die Alternative gestellt: Zwangskonversion oder Tod. In der Hauptstadt Bagdad hat sich mittlerweile eine christliche Selbstverteidigungsmiliz gebildet, weil man dem Schutz durch die staatlichen Sicherheitskräfte nicht mehr vertraut.

Emil Shimoun Nona, Erzbischof von Mossul, trat derweil den von Sako und anderen Kirchenführern geäußerten Befürchtungen entgegen, dass die Präsenz der Christen im Irak durch Krieg und Vertreibung für immer zu Ende gehe. Vor Journalisten sagte er am Dienstag im deutschen Fulda, Christen und Muslime lebten seit fast 1400 Jahren miteinander im Nahen Osten. Es werde auch künftig Christen in der Region geben. Dazu sei es aber unerlässlich, zunächst die IS-Miliz zu besiegen und dann einen starken Staat mit einer starken Regierung aufzubauen, die Minderheitenrechte garantiere. Als Zwischenziel müsse es Schutzzonen geben, in denen Minderheiten wie Christen und Yeziden in Sicherheit leben könnten.

Unter dem prekären Schutz der Diktatoren

Viele Christen im Irak trauern mittlerweile der Zeit unter dem 2003 gestürzten Diktator Saddam Hussein nach, unter dem sie als Minderheit relativ geschützt waren (freilich auch aus einem Machtkalkül Saddams heraus, der wiederum brutal gegen Schiiten und Kurden vorging). Ganz ähnlich ist die Situation in Syrien, wo sich Diktator Bashar al-Assad wie sein Vater unter anderem auf die christliche Minderheit stützte, die nun zu den Haupt-Leidtragenden des dortigen Bürgerkrieges zählt.

(APA/hd)

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