Pakistan: Scharia in "Schweiz Asiens" eingeführt

Als Zugeständnis an die Taliban führt Pakistan im Swat-Tal das islamische Recht ein. Die USA fliegen gezielte Angriffe gegen Taliban im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.

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(c) Reuters (Athar Hussein)

KABUL/ISLAMABAD (ag.). Der neue US-Präsident Barack Obama macht seine Drohung war, dass er Angriffe in Pakistan anordnen werde, wenn das Land nicht genug gegen mutmaßliche Terroristen unternehme. Am Wochenende flogen amerikanische Drohnen gleich mehrere Attacken gegen Ausbildungslager und Organisationszentren der Taliban im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Bei den Attacken kamen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 30 und 50 Menschen ums Leben.

Einer der Getöteten soll der Taliban-Kommandant Mullah Dastagier sein, der als Drahtzieher vieler Anschläge gilt. Er hatte sich mit anderen Funktionären in einem Haus im Südwesten Afghanistans getroffen. Er war erst kurz zuvor auf Weisung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai aus der Haft entlassen worden.

In Pakistan starben am Wochenende angeblich 27 Menschen, als unbemannte US-Drohnen ein mutmaßliches Ausbildungslager der Taliban angriffen. Dies war bereits der vierte Angriff auf pakistanischem Staatsgebiet seit der Präsidentschaftsübernahme Obamas.

Die Attacken erfolgten, während der US-Sonderbeauftragte Richard Holbrooke in New Delhi eintraf. Nach seinen Besuchen in Pakistan und Afghanistan will Holbrooke die Rolle Indiens diskutieren, das sich für stabile Verhältnisse in Afghanistan einsetzt. Dieses Engagement wird von Pakistan jedoch mit großem Argwohn verfolgt.

Scharia eingeführt

Wie sehr in Pakistan die Islamisten erstarkt sind, zeigt der Umstand, dass im Swat-Tal die Scharia eingeführt wurde. Die Provinzregierung institutionalisierte islamisches Recht als Kompromiss mit Taliban-Kämpfern, die dafür einen Waffenstillstand in Aussicht stellten. Das oft als „Schweiz Asiens“ bezeichnete Tal war einst ein beliebter Touristenausflugsort.

Auf politischer Ebene verstärkten sich die Differenzen zwischen Washington und dem afghanischen Präsidenten. Karzai wies Kritik an seiner Amtsführung zurück und meinte, die neue US-Führung sei unerfahren. Obama will die US-Truppen im Land auf 60.000 verdoppeln, um die Taliban dauerhaft in den Griff zu kriegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2009)

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