Westafrika wird zur Kampfzone der al-Qaida

Die Attacke auf einen Badestrand war der dritte große Anschlag der al-Qaida im Islamischen Maghreb innerhalb weniger Monate. Experten befürchten, dass die Gruppe die ganze Region ins Visier nimmt.

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Elfenbeinküste: Bassam – (c) APA/AFP/ISSOUF SANOGO

Abidjan/Wien. Das Bekennerschreiben im Internet wurde gleich in vier Sprachen veröffentlicht: Französisch, Arabisch, Spanisch und Englisch. In dem kurzen Text übernahm die Terrorgruppe al-Qaida im Islamischen Maghreb, kurz AQIM, die Verantwortung für die blutige Terrorattacke in der Elfenbeinküste, die am Sonntag 22 Menschen das Leben gekostet hat. Die Vielsprachigkeit – immerhin in vier der sechs UN-Sprachen – wurde als ein Zeichen dafür gewertet, dass AQIM eine zunehmend internationale Agenda verfolgt.

Mit der Attacke auf einen gut besuchten Badestrand der Hafenstadt Grand Bassam, rund 40 Kilometer östlich der Metropole Abidjan, hat AQIM zum ersten Mal in der Elfenbeinküste zugeschlagen. Doch es war der dritte große Anschlag der Gruppe innerhalb weniger Monate in einem westafrikanischen Land: Im November hatte sich die Gruppe dazu bekannt, das Radisson-Blu-Hotel in Bamako angegriffen und damit den Terrorismus in Mali, der sich bis dahin auf den Norden beschränkt hatte, in die Hauptstadt getragen zu haben. Bilanz: fast 20 Tote. Im Jänner stürmten AQIM-Terroristen ein Hotel und ein Restaurant in Ouagadougou, der Hauptstadt von Malis Nachbarland Burkina Faso, das bis zu diesem Zeitpunkt von Terroranschlägen verschont geblieben war. Mehr als 30 Menschen starben.

 

Französische Warnungen

Überraschend kam der Angriff vom Sonntag nicht: Im Jänner war durchgesickert, dass Frankreich die Behörden in der Elfenbeinküste und dem Senegal vor islamistischen Anschlägen gewarnt hatte. Frankreich hatte dabei ausdrücklich mögliche Anschläge auf Strände und andere von Ausländern gern besuchte Orte genannt. Sowohl die Elfenbeinküste als auch der Senegal verstärkten daraufhin ihre Sicherheitsmaßnahmen.

Experten gehen davon aus, dass die al-Qaida ihren Einflussbereich in Westafrika ausdehnen will – auch in Abgrenzung zur rivalisierenden Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), die bisher vor allem in Nordafrika aktiv ist. Zu den Schreckensszenarien zählt, dass auch bisher stabile Staaten der Region ins Chaos gestürzt werden könnten, wie es in Mali passiert ist. Anschläge wie jener vom Sonntag treffen die lokale Wirtschaft, wo Arbeitslosigkeit ohnehin hoch ist, und schrecken Touristen ab. Der auf Terrorismus spezialisierte Thinktank Soufan Group warnte am Montag: „Der Weg von oberflächlicher Stabilität zu einem gewaltsamen Kollaps ist kurz, und Terrorismus beschleunigt die Abwärtsdynamik.“ In der Elfenbeinküste ist es derzeit zwar ruhig, das Land erholt sich aber immer noch vom Bürgerkrieg vor fünf Jahren.

Der Anschlag vom Sonntag traf vor allem lokale Wochenendurlauber. Zu den ausländischen Opfern zählten ein Franzose und eine Deutsche; Österreicher waren nicht darunter. Unklarheit herrschte bis zuletzt über die Zahl der Angreifer: Während die ivorischen Behörden erklärten, sechs schwer bewaffnete Angreifer getötet zu haben, lobte AQIM in seinem Bekennerschreiben lediglich „drei Helden“ für die Anschläge. (raa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2016)

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