Palästinenser: "Messerattacken auf Israelis sind Widerstand"

Trotz heftiger Kritik konnte die frühere Flugzeugentführerin Leila Khaled ungehindert ihren Vortrag in Wien halten. Die PFLP-Aktivistin sieht derzeit keine Aussicht auf Frieden und verteidigt die jüngste Serie von Angriffen.

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(c) APA/HERBERT P. OCZERET

Wien. Keine der medial verbreiteten Voraussagen traf ein. Es wurde ihr die Einreise nicht verweigert, sie wurde auch nicht wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verhaftet, und es gab keine Gegendemonstrationen. Leila Khaled, jene Palästinenserin, die 1969/70 zweimal Flugzeuge entführt hatte, konnte das vergangene Wochenende in Wien verbringen und hier einen Vortrag halten.

Dass sie in Medien als Ex-Terroristin bezeichnet wurde, nimmt sie zur Kenntnis, sie selbst sieht sich freilich nicht so: „Ich war keine Terroristin, die Wahrheit ist, dass ich eine Freiheitskämpferin war“, sagt sie zur „Presse“. Entführungen von Flugzeugen seien für die Palästinenser damals nur „eine Taktik für eine kurze Zeit gewesen. Das haben wir nur zu Beginn unserer Revolution gemacht, um die Welt mit der Frage zu konfrontieren, wer sind die Palästinenser?“ Khaled, marxistisch orientiert und ein Mitglied der PLO-Fraktion Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), war nach den Entführungen kurzfristig in London inhaftiert, später im Libanon und Jordanien für die PFLP tätig und auch Mitglied des Palästinensischen Legislativrates (Parlament). Sie lebt heute in Amman.

An ihrer wenig kompromissbereiten anti-israelischen Haltung hat sich jedoch bis heute nichts geändert: „Die Palästinenser werden unterdrückt, die Israelis haben das Land okkupiert, sie foltern und zerstören ihre Häuser.“ Zwar nimmt die PFLP-Vertreterin für sich in Anspruch, „keine Terroristin“ zu sein. Zugleich verteidigt sie aber die derzeitige Welle von Messerattacken auf Israelis durch palästinensische Attentäter. „Völker- und menschenrechtlich gesehen haben unterdrückte Menschen das Recht, sich mit allen Mitteln zu verteidigen. Das ist unsere neue Intifada.“ Auch derartige Angriffe auf Zivilisten will sie nicht als Terror bezeichnen: „Nein, das ist Widerstand.“

Khaleds Besuch in Wien hat schon im Vorfeld für eine Welle der Empörung gesorgt. „Es ist uns völlig unverständlich, wie ein bekennendes Mitglied der PFLP, die auf der EU-Terrorliste aufscheint, in Wien einen Vortrag zur Bewerbung ihrer Ziele halten kann“, meinte der Präsident der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft (ÖIG), Peter Florianschütz, in einer Aussendung. Khaled habe in ihrer Autobiografie Bewunderung für Adolf Hitler erklärt, weil dieser „ein Feind der Juden“ war, kritisierte Florianschütz.

Zudem warf er der PFLP vor, einst in enger Verbindung mit der damaligen Abu-Nidal-Gruppe gestanden zu haben, die am 1. Mai 1981 den Wiener SPÖ-Stadtrat Heinz Nittel ermordet hatte. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, forderte die Behörden auf, die Veranstaltung mit Khaled zu verbieten. Er stellte klar, dass die Kultusgemeinde eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht habe.

Khaled selbst sieht derzeit keine politische Lösung für einen Frieden: „Mit Netanjahu und dieser Siedler-Regierung geht nichts.“ Die EU-Politik, israelische Lebensmittel aus dem Westjordanland kennzeichnen zu wollen, lobt sie als „positiven Schritt“. (g.b., red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2016)

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