Interview: "Diese Welt kann funktionieren"

Jerome C. Glenn erklärt, warum er zuversichtlich ist.

Die Presse: Mit welchem Gefühl denken Sie an die Zukunft?

Jerome C. Glenn: Sie kommt mir immer vor wie eine riesige Oper. Ich bin ja gerade in Salzburg... Sie ist unglaublich komplex, und es gibt viel zu entdecken.

 

Wie sieht die Zukunft aus heutiger Sicht denn aus?

Glenn: Generell ist die Welt in den letzten 20 Jahren friedlicher geworden. Die großen Trends sind positiv. Heuer haben Rezession und Arbeitslosigkeit für einen Rückschlag gesorgt. Es wird eine Weile dauern, das zu überwinden.

 

Ihr Bericht listet 15 globale Herausforderungen. Welche sind die wichtigsten?

Glenn: Wir müssen akzeptieren, dass die Welt unglaublich komplex ist. Mit dieser Komplexität müssen wir umgehen, ohne dass wir festlegen, was am wichtigsten ist. Solange wir das tun, wird immer jemand anderer Meinung sein. Was ist wichtiger? Wasser? Energie? Das bringt uns nirgendwo hin. Ich vergleiche die Welt gern mit dem menschlichen Körper. Was ist denn wichtiger? Das Herz oder das Hirn?

Das heißt, alles hängt miteinander zusammen. Ist diese Vorstellung schon in den Köpfen?

Glenn: Die Welt hat schon sehr viel gelernt. Noch vor 15 Jahren wäre heutiges Denken nicht vorstellbar gewesen. Die US-Immobilienkrise und die Verbreitung der Schweinegrippe haben den Menschen gerade wieder gezeigt, wie sehr die Dinge zusammenhängen. So wie heute der Umweltschutz akzeptiert ist, wird für die nächste Generation die Vorstellung der wechselseitigen Abhängigkeit normal sein. Ich bin nicht pessimistisch, wir dürfen uns aber auch nicht zurücklehnen.

 

Sehen Sie denn eine Chance auf eine echte Weltgesellschaft?

Glenn: Eine globale Gesellschaft ist bereits im Entstehen. Natürlich wird es weiter Konflikte geben, aber wir bewegen uns in diese Richtung. Und wir sollten endlich unser Geld damit verdienen, die 15 Herausforderungen zu lösen, statt neue Konsumgüter zu erfinden, die niemand braucht. Wir können dafür sorgen, dass diese Welt funktioniert. Aber wir haben keine Garantie, dass wir das auch wirklich tun werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2009)

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