Kurden starten Großangriff: Assad droht Rückschlag

Die Kurden-Milizen greifen auf dem Weg zur Vorherrschaft in Nordsyrien auch Regierungstruppen an. Die Türkei beschoss Einheiten der Kurden aber auch des IS in Syrien.

Ein kudischer Kämpfer feuert auf eine Statue von Bassel al-Assad, dem Bruder des syrischen Präsidenten.
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Ein kudischer Kämpfer feuert auf eine Statue von Bassel al-Assad, dem Bruder des syrischen Präsidenten.
Ein kudischer Kämpfer feuert auf eine Statue von Bassel al-Assad, dem Bruder des syrischen Präsidenten. – REUTERS

Die Kurden-Miliz YPG hat einen Großangriff in Nordsyrien gestartet und bringt damit die in dem Bürgerkriegsland engagierten internationalen Mächte in Zugzwang. Die kurdische Kämpfer griffen am Montag die letzten von Truppen des Präsidenten Bashar al-Assad gehaltenen Teile der Stadt Hassaka an, berichteten die Miliz sowie Bewohner.

Der YPG-Vorstoß stellt für Russland eine Herausforderung dar, das mit Assad verbündet ist und dessen Truppen es mit seiner Luftwaffe unterstützt. Am Freitag hatten die USA der Luftwaffe Assads mit Abschüssen ihrer Kampfflugzeuge gedroht, sollte die Stadt wieder bombardiert werden. Die Gebietsgewinne der Kurden sind zudem der Türkei ein Dorn im Auge, denn sie fürchtet, dass die Autonomiebestrebungen der kurdischen Minderheit in eigenen Land angefacht werden.

Die kurdischen Einheiten geraten nördlich der syrischen Stadt Manbij aber selbst unter Beschuss, wie Reuters Montagabend berichtete. Die Türkei ging mit Artilleriefeuer gegen die YPG in Manbij aber auch gegen den Islamischen Staat bei Jarablus vor.

"Wir werden nicht zurückweichen"

Vor dem Angriff riefen die Kurden-Milizen die Soldaten per Lautsprecher und auf Flugblättern auf, sich zu ergeben. "Diese Schlacht ist entschieden, und wir werden nicht zurückweichen", hieß es auf den Flugblättern. "Wir fordern euch auf, die Waffen abzugeben oder betrachtet euch als tot." Hassaka ist bisher in eine kurdische und eine von Regierungstruppen gehaltene Zone aufgeteilt. Den Berichten nach sollen es die schwersten Kämpfe zwischen den Kurden-Milizen und Regierungstruppen seit fünf Jahren sein. Der Kampf um Hassaka ist ein entscheidender Schritt im Ringen im die Vorherrschaft im Grenzgebiet zur Türkei.

Die YPG ist Teil der von den USA unterstützten Syrisch Demokratischen Streitkräfte (SDF), die unlängst die Islamisten-Miliz IS aus der Stadt Manbij in der Region vertrieben hatten. Die YPG kontrolliert große Gebiete im Nordosten Syriens, in denen kurdische Gruppen seit Beginn des Bürgerkrieges eine autonome Verwaltung errichtet haben. Die Kurden-Milizen sind die schlagkräftigsten Verbündeten der USA am Boden. Zusammen mit internationalen Partnern bekämpfen die USA den IS aus der Luft. Die russische Luftwaffe bekämpft zwar auch den IS, jedoch unterstützt sie die Truppen Assads.

Ende vergangene Woche drohten die USA der Luftwaffe Assads mit Abschüssen, sollten kurdische Teile Hassakas weiter bombardiert werden. In der Gegend sind US-Spezialkräfte im Einsatz. Die US-geführte Koalition ließ nach Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums Abfangjäger aufsteigen, um syrische Bomber zu vertreiben. Am Montag waren nach Berichten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wieder Kampfflugzeuge am Himmel über Hassaka zu sehen, allerdings wurden keine Bomben abgeworfen.

Abmachung mit syrischer Armee gebrochen

Mit dem Großangriff haben die Kurden offenbar eine stillschweigende Abmachung mit der syrischen Armee gebrochen, sich nicht anzugreifen. Der Gouverneur von Hassaka sagte staatlichen Medien, die Armee habe die YPG für den Kampf gegen Dschihadisten mit Waffen und Panzern ausgerüstet und nicht damit gerechnet, dass diese Waffen gegen sie selbst eingesetzt würden.

In Kurden-Kreisen hieß es, die YPG wolle der syrischen Regierung offenbar den Verbleib einer nominalen Vertretung in einer Sicherheitszone in Zentrum Hassakas gestatten. Die vollständige Aufgabe der Stadt würde einen schweren Rückschlag für Präsident Assad und auch für Russland darstellen. Die russische Beteiligung in dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg hat ausdrücklich zum Ziel, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

 

(APA/Reuters)

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