Warum mehr US-Bürger Clinton wählten - und Trump trotzdem siegte

Clinton gewinnt zwar voraussichtlich mehr Wählerstimmen als Trump. Der Republikaner geht bei der US-Wahl dennoch als Sieger hervor.

Trump und Clinton.
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Trump und Clinton.
APA/AFP/MANDEL NGAN/BRENDAN SMIA

Donald Trump hat einen der spektakulärsten Siege in der Geschichte der US-Präsidentschaftswahlen eingefahren, dennoch könnten mehr Bürger Hillary Clinton gewählt haben. Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen (es fehlen noch Ergebnisse von Michigan und New Hampshire) hat Clinton 47,7 Prozent der Wähler hinter sich. Donald Trump liegt mit 47,5 Prozent knapp dahinter.

Die Demokratin hat damit mehr als 200.000 Wählerstimmen Vorsprung vor Trump. Dennoch steht der Sieg des Baumilliardärs bereits fest: Trump konnte 279 Wahlmänner für sich gewinnen, Clinton nur 228. Die Politikerin ist somit die zweite Präsidentschaftskandidaten innerhalb von fünf Wahlen, die die absolute Mehrheit der Stimmen erlangte und trotzdem nicht ins Weiße Haus einzieht.

Dass sie ihr Ziel, die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, verfehlt, liegt an einer Mischung aus indirekter Wahl und dem amerikanischen Mehrheitswahlrecht. Der US-Präsident wird alle vier Jahre vom Wahlmännerkollegium, dem sogenannten Electoral College, gewählt. Das Gremium besteht aus 538 Wahlleuten. Jeder Bundesstaat stellt abhängig von der Bevölkerungsgröße so viele Wahlmänner, wie er Abgeordnete und Senatoren im Kongress hat.

Im Dezember, rund einen Monat nach der Wahl, bestimmt das Electoral College stellvertretend für das amerikanische Volk den Präsidenten. Aufgrund des in den meisten US-Bundesstaaten geltenden Mehrheitswahlrechts erhält allerdings der Kandidat, der am Wahltag einen Staat gewinnt, alle Wahlmänner dieses Staates zugesprochen. 

Trump: "Desaster für Demokratie"

Clinton siegte zwar in bevölkerungsreichen Staaten wie New York oder Kalifornien. Doch Trump konnte die Wahl in vielen kleinen Bundesstaaten für sich gewinnen - und er durchbrach die "Blaue Wand". Das sind Staaten, in denen die Demokraten seit 1992 große Zugewinne für sich verbuchen konnten. So verlor Clinton Michigan, Pennsylvania und Wisconsin, wo ihr die Wahlumfragen noch einen großen Vorsprung prognostiziert hatten.

Bereits in der Vergangenheit gab es solche knappen Wahlausgänge. Der bekannteste Fall ist wohl die Niederlage des Demokraten Al Gore gegen den Republikaner George W. Bush im Jahr 2000. Bush wurde mit 271 zu 266 Wahlmännern der 43. US-Präsident - nach Wochen des juristischen Tauziehens um den entscheidenden Bundesstaat Florida. Gore erhielt allerdings rund 540.000 Wählerstimmen mehr. Auch im 19. Jahrhundert gewannen die Republikaner Rutherford B. Hayes und später Benjamin Harris die Präsidentschaftswahlen, obwohl sie absolut weniger Wählerstimmen hatten.

Kritiker halten das Wahlmänner-System für antiquiert und ein Relikt aus einer völlig anderen Zeit, als die USA mit 2,5 Millionen potentiellen Wählern aus nur 13 Bundesstaaten bestand. Mehr als 200 Jahre nach seinem Bestehen würden zwei Drittel der Amerikaner das Electoral College laut eine Umfrage von Gallup abschaffen. Selbst Trump übte nach dem Sieg Barack Obamas 2012 Kritik. Er nannte das Verfahren ein "Desaster für die Demokratie".

>>> Artikel auf CNN.

>>> Artikel im Spiegel.

>>> Artikel im Guardian.

>>> Gallup-Umfrage.

(maka)

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