Merkel und ihre drei US-Präsidenten

Am Saint Patrick's Day - der Sprinbrunnen vor dem Weißen Haus ist bereits grün gefärbt - trifft die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nach kleiner sturmbedingter Verschiebung nun auf Donald Trump. Es ist der dritte US-Präsident, dem Merkel als Kanzlerin gegenübertritt. Und es wird eine besondere Herausforderung - soviel steht jetzt schon fest. Ein Blick auf das transatlantische Vertrauensverhältnis von Merkel und "ihren" drei US-Präsidenten Bush, Obama und Trump.

(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)

George W. Bush (2001- 2009)

Ein höfliches Kennenlernen war Merkels Antrittsbesuch Merkels bei George W. Bush nach ihrer Kür zur deutschen Kanzlerin zu Beginn des Jahres 2006. Sie appellierte an den Republikaner Bush, das auch für Folter berüchtigte US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zu schließen - ohne Erfolg.

(c) EPA (Shawn Thew)

Die Beziehung war freundlich - zumindest deutlich weniger frostig als noch unter Merkels Vorgänger Gerhard Schröder. Dass Merkel und Bush persönlich nicht ganz auf einer Wellenlänge waren, sah man beim G-8-Gipfel im Sommer 2006 in St. Petersburg, als Bush im Vorbeigehen der sitzenden Merkel spontan die Schultern massierte und Merkel erschrocken abwehrte. >> Youtube-Video der Szene

Dieses Bild wurde am 4. Mai 2006 beim American Jewish Committee im National Building Museum in Washington, DC, aufgenommen.

(c) EPA (Matthew Cavanaugh)

In den gemeinsamen zweieinhalb Jahre trafen sich Merkel und Bush elf Mal, davon einmal auf Bushs Ranch im texanischen Crawford, einmal in Merkels Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern. Freundschaft wird Merkel und Bush aber nicht nachgesagt, eher gegenseitige Akzeptanz. Im Juni 2008 empfing Merkel mit ihrem Ehemann Joachim Sauer (li.), George W. Bush und seine Frau Laura im Gästehaus der deutschen Bundesregierung in Meseberg.

(c) EPA (GERO BRELOER)

Barack Obama (2009-2017)

Dann kam Barack Obama. In ihm fand Merkel einen ebenbürtigen Partner mit ähnlichen Denkweisen. Dass sie Obama während seiner ersten Kandidatur nicht vor dem Brandenburger Tor reden ließ, war bald vergessen. Merkel war skeptisch, ob der charismatische erste schwarze Präsident Amerikas die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen würde. Vieles schaffte der Demokrat nicht - wie die Schließung Guantanamos. Am 26. Juni 2009 traf man sich erstmals im Weißen Haus.

(c) REUTERS (JASON REED)

In ihrer Akribie, Detailgenauigkeit und Berechenbarkeit ähnelten sich Merkel und Obama. Sie wurden - zumindest nach seinen Worten - Freunde. Merkel hält sich mit Gefühlsbekundungen aber stets bedeckt. Obama bezeichnete die Kanzlerin als seine wichtigste außenpolitische Partnerin und Garantin für Europa und die Welt, sie blieb sparsam mit Lob. In der gemeinsamen Zeit war die NSA-Abhöraffäre eine schwere Belastung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses.

Am 19. Juni 2013 holte Obama als amtierender US-Präsident schließlich auch seine Rede vor dem Brandenburger Tor nach.

(c) REUTERS (POOL)

Im Wissen um den Wahlsieger Trump bejahte Merkel bei der letzten gemeinsamen Pressekonferenz im November in Berlin zwar die Frage, ob ihr der Abschied von Obama schwer falle. Sie bilanzierte aber auch nüchtern: "Demokratie lebt vom Wechsel".

Im Bild eine weitere Begegnung von Obama und Merkel im Weißen Haus - fotografiert am 2. Mai 2014 im Oval Office.

(c) APA/EPA/GUIDO BERGMANN / HANDOUT (GUIDO BERGMANN / HANDOUT)

Eines der legendärsten Bilder aus der achtjährigen Merkel-Obama-Ära entstand beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau.

(c) REUTERS (POOL)

Donald Trump (2017 - )

Und nun also Trump, der von vornherein klargemacht hat, kein großer Fan von Merkel zu sein. Als die Kanzlerin im Dezember 2015 vom Magazin "Time" zur "Person des Jahres" gekürt wurde, twitterte er: "Sie haben die Person gewählt, die Deutschland ruiniert." Nach seinem Wahlsieg sagte Trump, sie habe einen "äußerst katastrophalen Fehler" gemacht und "all diese Illegalen ins Land gelassen".

Ganz Merkel-like die Reaktion: Auf der Basis von "Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung" biete sie ihm eine enge Zusammenarbeit an. Das darf er als Bedingung verstehen.

(c) APA/AFP/JIM WATSON/JOHN MACDOUGA (JOHN MACDOUGALL)

Merkel reist mit dem Appell für freien Handel und gegen wirtschaftliche Abschottung in die US-Hauptstadt. Trump pocht auf "Amerika zuerst". Merkel sagte: "Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein zentraler Handelspartner für die Bundesrepublik Deutschland, aber auch für die ganze Europäische Union (...) Dieser Handel ist für beide Seiten von Vorteil."

(c) REUTERS (JONATHAN ERNST)