Nordkoreaner spielen Volleyball auf Nukleartestgelände

Stand-by-Modus oder Ablenkungsmanöver? Satellitenbilder zeigen ungewöhnliche Aktivitäten auf dem Gelände, auf dem Pjönjang offenbar seinen nächsten Atomtest vorbereitet.

Pjöngjang demonstriert seine Militärmacht.
Schließen
Pjöngjang demonstriert seine Militärmacht.
Pjöngjang demonstriert seine Militärmacht. – APA/AFP/ED JONES

Was will das stalinistische Regime in Nordkorea damit bezwecken? Diese Frage stellen sich Experten der Website "38 North", ein Projekt der Johns Hopkins Universität im US-Bundesstaat Maryland: Nach knapp acht Wochen hoher Aktivität auf dem nuklearen Testgelände Punggye-ri zeigten kommerzielle Satellitenbilder vom 16. April rund um den Tunnel am Nordportal, den Pjöngjang möglicherweise für einen sechsten Atomtest vorbereitet, eine Pause der Tätigkeiten. Noch mehr: Die Aufnahmen zeigen offenbar, wie in verschiedenen Bereichen des Testgeländes Volleyball gespielt wird.

Von dem geschäftigen Treiben, das noch vergangene Woche geherrscht hat, sei nun mehr kaum etwas zu erkennen: Es werde scheinbar kein Wasser mehr aus dem Tunnel, der für den Atomtest dienen könnte, abgepumpt. Entweder sei der Tunnel völlig versiegelt worden oder der Norden sei auf Abflussrohre statt offene Gräben umgestiegen. Auch die Fahrzeuge, die zuvor noch am Nordportal und auf nahe gelegenen Straßen zu sehen waren, seien verschwunden.

Atomtest weiterhin wahrscheinlich

Die Nordkorea-Analysten haben zwei verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für die jüngsten Entwicklungen: Entweder befände sich das Testgelände und damit die Vorbereitung für einen sechsten Atomtest gerade in einem Stand-by-Modus, dem Personal werde ein wenig Erholungszeit eingeräumt: Nordkorea wisse Bescheid, wann kommerzielle Satelliten über das Testgelände flögen. Daher könnte das Volleyball spielende Personal signalisieren, dass man sich entschieden habe, die Vorbereitungen zu pausieren.

Oder, heißt es in dem Bericht, das Regime habe eine taktische Pause eingelegt, die Teil eines Ablenkungsmanövers sei. Der Norden wolle den nächsten Atomtest, wie bereits in der Vergangenheit, auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, um den größten politischen Vorteil daraus zu ziehen. Eines steht für die Nordkorea-Analysten aber fest: "Die Satellitenaufnahmen deuten weiter darauf hin, dass es möglich ist, auf dem Punggye-ri Nukleartestgelände jederzeit einen sechsten Nukleartest durchzuführen, sobald Pjöngjang den Befehl dazu gibt."

Der Konflikt hatte sich zuletzt verschärft: Während die USA unter Präsident Donald Trump einen Militärschlag rhetorisch nicht mehr ausschließen, droht Nordkorea mit aller Härte zurückzuschlagen. Nordkorea hatte Sonntag früh erneut eine Rakete abgeschossen. Das Regime hat nach eigenen Angaben eine Rakete entwickelt, die auch das US-Festland erreichen kann. Experten gehen jedoch davon aus, dass es noch einige Zeit dauern dürfte, bis das Land über die notwendige Technologie verfügt.

>>> Bericht auf "38 North".

(Red.)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Nordkoreaner spielen Volleyball auf Nukleartestgelände

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.