Reaktionen: Trauer um Helmut Kohl

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl (beide CDU) als "Glücksfall für uns Deutsche" gewürdigt. Die in Ostdeutschland aufgewachsene Kanzlerin hob auch ihre ganz persönliche Verbundenheit mit seinem Wirken hervor: "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert", sagte sie am Abend in Rom. Dort wird sie am Samstag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Kohl war am Morgen im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Der frühere US-Präsident George Bush senior hat den verstorbenen deutschen Altkanzler Helmut Kohl als "einen der größten Staatenlenker von Nachkriegs-Europa" gewürdigt. Bush bezeichnete Kohl in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung als einen "wahren Freund der Freiheit", der sein Leben der Aufgabe gewidmet habe, die demokratischen Institutionen in seinem Heimatland und anderswo zu stärken. Nach dem Fall der Mauer hatten Kohl und Bush eng bei der Verhandlungen über den Zwei-plus-vier-Vertrag zusammengearbeitet, der den Weg zur deutschen Wiedervereinigung ebnete.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich tief betroffen vom Tod des früheren deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl gezeigt. "Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund", teilte Juncker mit. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht."

"Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl haben für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten", teilte der frühere luxemburgische Ministerpräsident Juncker mit. Das mache den Verlust umso größer - politisch wie menschlich.

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UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich "sehr traurig" über den Tod Kohls. Er sei ein "persönlicher Freund" von Guterres gewesen, sagte sein Sprecher vor Journalisten in New York. "Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und beim historischen Weg, auf den er Deutschland gebracht hat, indem er es so gut durch die Wiedervereinigung geführt hat."

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Auch Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) würdigte Kohl. "Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist." Das sei Kohls großes Vermächtnis, erklärte Gabriel. "Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben."

 

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Kremlchef Wladimir Putin hat Deutschlands Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl als einen "prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen" zwischen Berlin und Moskau gewürdigt. "Ich hatte das Glück, persönlich mit Helmut Kohl sprechen zu können", schrieb Putin am Freitagabend in einem Beileidstelegramm an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel.

"Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen."

Mit dem Namen dieses herausragenden Menschen seien die wichtigsten Ereignisse der modernen deutschen Geschichte verbunden, teilte der Kreml in Moskau mit. Kohl habe eine Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung gespielt.

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat "tiefe Trauer" über den Tod des früheren deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) geäußert. Der im Alter von 87 Jahren gestorbene Kohl sei "einer der größten Freunde des Staates Israel" und der Sicherheit des jüdischen Staates "vollkommen verpflichtet" gewesen, sagte Netanyahu am Freitag nach Angaben seines Büros.

"Kohl war der Führungspolitiker, der Deutschland in Entschlossenheit und mit sicherer Hand vereint hat", sagte Netanyahu. "Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat."

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Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hat den deutschen Altbundeskanzler Helmut Kohl als herausragenden Politiker gewürdigt, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlässt. "Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen "Kanzler der deutschen Einheit" gegeben. Das ist richtig und gerecht", erklärte Gorbatschow am Freitagabend in Moskau.

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EU-Ratspräsident Donald Tusk teilte er in Brüssel auf Twitter mit: "Ich werde mich stets an Helmut Kohl erinnern. Ein Freund und ein Staatsmann, der geholfen hat, Europa wiederzuvereinen."

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Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) haben sich betroffen vom Ableben des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Kohl gezeigt. Wortgleich bezeichneten die beiden ihn am Freitag in Aussendungen als "großen Europäer" und "Staatsmann". Kurz wies darauf hin, dass Kohl auch "maßgeblich den österreichischen EU-Beitritt unterstützt" habe.

Der Bundespräsident erinnerte daran, dass Kohl am Schlachtfeld von Verdun "Hand in Hand" mit dem französischen Präsidenten Francois Mitterrand der Kriegstoten gedachte "und dass er die Einführung des Euro in Deutschland durchsetzte". "Sein staatsmännisches Geschick zeigte Kohl, als er die Chance ergriff und die Wiedervereinigung Deutschlands erreichte."

Kohl habe "über Jahrzehnte die europäische Politik geprägt und vorgedacht", betonte Kurz. Er sei "Architekt der Wiedervereinigung Deutschlands und Europas" gewesen.

Die Presse

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat den verstorbenen deutschen Altkanzler Helmut Kohl als "zentralen Mitgestalter der Europäischen Union, wie wir sie heute kennen", gewürdigt. "Helmut Kohl hat im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte geschrieben. Europa trägt seine Handschrift", teilte Kern am Freitagabend in einer Aussendung mit.

Kohl sei ein "Freund" Österreichs gewesen und habe bei den EU-Beitrittsverhandlungen Österreichs geholfen und unterstützt, betonte Kern. "Ganz Europa trauert um einen großen Staatsmann."

APA

Im einstigen Urlaubsort von Deutschlands Altbundeskanzler Helmut Kohl St. Gilgen am Wolfgangsee in Salzburg hat die Todesnachricht ebenfalls Betroffenheit ausgelöst. "Dr. Kohl war Ehrenbürger von St. Gilgen und der Region überaus verbunden", sagte Franz Mayrhofer, der Vorsitzende des Tourismusverbandes, der Deutschen Presse-Agentur. "Über 30 Jahre hat das Ehepaar Helmut und Hannelore Kohl in St. Gilgen seinen Sommerurlaub verbracht und mit vielen Menschen am Wolfgangsee einen liebevollen Kontakt gepflegt."

 

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