Orbán will völlige Kontrolle über Regionalmedien gewinnen

Der österreichische Unternehmer Pecina soll laut Budapester Medien hinter Firma stecken, die die letzten freien Regionalzeitungen kauft.

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Ungarn Premier Viktor Orbán.
Ungarn Premier Viktor Orbán. – (c) REUTERS

Budapest. Die Schließung der ungarischen Oppositionszeitung „Népszabadság“ wurde vergangenes Jahr zum Symbol einer Schwächung regierungsunabhängiger Medien. Im Zentrum stand ein Österreicher: der Unternehmer Heinrich Pecina. Er verkaufte seine ungarischen Regionalmedien, gebündelt in der Firma Mediaworks, an ein Unternehmen, dessen Eigentümer Lörinc Mészáros als enger Vertrauter von Premier Viktor Orbán gilt. Zuvor jedoch ließ er das Flaggschiff der Mediengruppe schließen: „Népszabadság“, die größte regierungskritische Zeitung. Die Regierung behielt so saubere Hände.

Der große Coup war allerdings nicht, was mit „Népszabadság“ passierte, sondern dass bei dieser Transaktion ein erheblicher Teil der Regionalmedien auf einen Schlag regierungsnah wurde.

Jetzt ist Pecina wieder auf dem ungarischen Medienmarkt unterwegs, schreibt das Budapester Wirtschaftsmagazin „HVG“. Und wieder geht es um Regionalzeitungen. Die laut „HVG“ auf Zypern registrierte Media Development Managment Kft (MDM) gehört dem Blatt zufolge mittelbar Pecina und kauft die letzten drei regierungsunabhängigen Regionalzeitungen des Landes. Verkäufer ist das ebenfalls österreichische Unternehmen Russmedia.

Es geht um die Titel „ Észak-Magyarország“, „Hajdú-Bihari Napló“ und „Kelet-Magyarország“, die gemeinsam täglich rund 100.000 Exemplare verkaufen. Für ungarische Verhältnisse ist das viel, die Blätter sind profitabel. Zu diesem Medienpaket gehören auch zwei rumänische Titel: „Jurnal Bihorean“ und „Jurnal Aradean“.

Schon brodelt es in der Budapester Gerüchteküche: Bedeutet der Kauf dieser Medien, dass sie demnächst an einen regierungsnahen Oligarchen weiterverkauft werden? Bekommt Orbán auf diese Weise nun sogar gefügige Medien im Nachbarland Rumänien?

 

Strategie vor der Wahl 2018

Laut „HVG“ erhielt die MDM von zwei regierungsnahen Banken (MKB und dem ungarischen Sparkassenverband) einen Kredit für den Kauf der Zeitungen. Das Magazin wertet dies als Indiz dafür, dass die Regierung das Geschäft billigt. Natürlich bedeutet all dies nicht, dass die drei Regionalzeitungen demnächst tatsächlich an einen Orbán-Verbündeten weiterverkauft werden. Klar ist aber eine Strategie der Regierung, Ungarns Regionalmedien rechtzeitig vor der Wahl 2018 möglichst komplett in den Griff zu bekommen. Zwei weitere Regionalblätter, „Kisalföld“ und „Délmagyarország“, sollen bald dem Orbán-nahen Filmmagnaten und Kasino-Betreiber Andy Vajna gehören. Er hat zuvor bereits den Fernsehkanal TV2 gekauft.

Ungarns Regionalmedien sind bedeutsame Meinungsmultiplikatoren. Auf dem Land informieren sich die Menschen zumeist über das überwiegend staatliche oder staatsnahe Fernsehen und die gedruckten Regionalmedien.

Ungarns Medienvielfalt ist zumindest auf dem Printmarkt in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Auch bei den digitalen Medien sind Bestrebungen sichtbar, die größten Online-Portale in regierungsnahe Hände zu bekommen. So gehört das ursprünglich kritische Nachrichtenportal Origo inzwischen einer Firma von Ádám Matolcsy, Sohn des Nationalbank-Vorsitzenden György Matolcsy.

Im Printsektor sind die linksliberale „HVG“ und die linke Tageszeitung „Népszava“ nach wie vor regierungskritisch, ebenso die konservative Tageszeitung „Magyar Nemzet“ und das Magazin „Heti Válasz“. Beide gehören Lajos Simicska, einem einstigen Orbán-Verbündeten, der sich mit ihm überworfen hat. Die Fernsehsender ATV (linksliberal) und Hir TV (gehört auch Simicska) sowie RTL sind ebenfalls kritisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2017)

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