Katalonien-Krise: Madrid beklagt "Verfolgung" von Staatspolizisten

Zentralregierung beklagt Übergriffe auf Policía Nacional und Guardia Civil. Hunderte Beamte wurden aus ihren Unterkünften geworfen - sie hatten sich zuvor aber auch nicht eben ehrenvoll verhalten. "Besatzungstruppen raus!"-Rufe bei Großdemo in Barcelona.

Zivil gekleidete Beamte der Guardia Civil werden von lokalen Mossos-Polizisten aus einem Hotel in Calella eskortiert.
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Zivil gekleidete Beamte der Guardia Civil werden von lokalen Mossos-Polizisten aus einem Hotel in Calella eskortiert.
Zivil gekleidete Beamte der Guardia Civil werden von lokalen Mossos-Polizisten aus einem Hotel in Calella eskortiert. – APA/AFP/JORDI BORRAS

Während in Barcelona am Dienstag bei einer Großdemonstration von mehr als 300.000 Befürwortern einer Sezession von Spanien Parolen wie "Besatzungstruppen raus!" gerufen wurden, hat die Zentralregierung in Madrid eine "Verfolgung" polizeilicher Sicherheitskräfte des Gesamtstaats (Policía Nacional und Guardia Civil) durch Separatisten in der nach Unabhängigkeit strebenden Region im Osten Spaniens angeprangert.

Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido sagte am Dienstag, man werde alles unternehmen, um die "Verfolgung zu stoppen". Zoido hatte zuvor eine Dringlichkeitssitzung mit den Chefs der Guardia Civil und Policía Nacional abgehalten.

Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria kritisierte am Dienstag Demonstrationen und Aktionismus gegen Organe der Zentralregierung in Katalonien und gab den Separatisten die Schuld. "Wir werden mafiöses Verhalten der Gemeinden in Katalonien nicht tolerieren", sagte sie in Madrid vor Journalisten.

Bei Polizeieinsätzen, die die von der Regionalregierung ausgerufene und gerichtlich untersagte Abstimmung am Sonntag verhindern sollten, wurden nach amtlichen Angaben mindestens 900 Bürger verletzt. Gewerkschaften und andere Organisationen veranstalten am Dienstag einen Generalstreik, um gegen die Polizeigewalt und gegen Madrid zu protestieren.

Stundenlang eingekesselt, Lärmattacken

In den vergangenen Tagen, aber auch schon in den Wochen vor der Abstimmung hatte es in Katalonien bereits zahlreiche, teils handgreifliche Proteste gegen die Staatseinheiten gegeben. Zunächst waren etwa kleinere Gruppen dieser Beamten bei Razzien, die sie in katalonischen Behörden durchführten, ihrerseits von Menschenmassen oft stundenlang eingekesselt worden. Kasernen und einzelne Wachstuben wurden auch über Nacht von Demonstranten mit Lärm eingedeckt, Hafenarbeiter weigerten sich, von der Regierung für den Antransport und die Unterbringung von Sicherheitskräften gecharterte Fährschiffe zu versorgen und instandzuhalten. 

Zuletzt häuften sich Berichte, wonach hunderte zusätzlich ins Land verlegte Angehörige der paramilitärischen Guardia Civil, die in Hotels untergebracht waren, von den Eigentümern hinausgeworfen wurden (insgesamt waren mehrere tausend Nationalpolizisten und Gardisten als Verstärkung in die Region geschickt worden). Einer der Schauplätze war der Ort Calella nördlich von Barcelona, eine ähnliche Aktion sollte am Dienstag im Badeort Pineda de Mar stattfinden: Vizebürgermeisterin Carme Aragonès hatte nach Medienberichten auf einer Kundgebung für Unabhängigkeit am späten Montagabend gesagt: "Alle Polizisten sind morgen weg."

In Calella hatten in den vergangenen Tagen zahlreiche Menschen mehrfach vor dem Hotel mit den Polizisten protestiert. "Die Guardia Civil hat uns aus Fenstern bespuckt und mit Urin beworfen", wurden Zeugen von der Zeitung "El País" zitiert. Videos zeigen, dass Staatspolizisten in Zivil nächtens wiederholt aus dem Hotel gelaufen waren und Demonstranten mit Schlagstöcken attackiert hatten.

Regionalpolizei als Gegner

Die Beamten der Madrilener Zentralmacht hatten und haben zusätzlich auch Probleme mit den an sich unterstellten Verbänden der katalonischen Regionalpolizei, den "Mossos d'Esquadra". Diese rund 17.000 Mann starke Polizeitruppe ist loyalitätsmäß naturgemäß zerrissen und geht bei Einsätzen gegen Demonstranten meist nur zögerlich bis gar nicht vor.

 

(Reuters)

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