Australiens künftige Kriegsschiffe erhalten wegen Nordkorea neue Raketenabwehr

Vor allem wegen Nordkoreas Raketenprogramm erhalten die neuen, ab etwa 2020 kommenden Fregatten der Royal Australian Navy das US-"Aegis"-System samt weitreichender Waffen gegen ballistische Raketen. Das war zuvor nicht geplant.

Australische Fregatte "Newcastle" beim Abschuss einer Standard Missile 2.
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Australische Fregatte "Newcastle" beim Abschuss einer Standard Missile 2.
Australische Fregatte "Newcastle" beim Abschuss einer Standard Missile 2. – ABIS Morgana Ramsey/Royal Australian Navy

Angesichts des militärisch immer heikleren Umfelds in Ost- und Südostasien verstärkt auch der Kontinent-Staat Australien seine Streitkräfte: Premierminister Malcolm Turnbull, ein Konservativer, bestätigte seit einiger Zeit umgehende Gerüchte, wonach die neun geplanten Kriegsschiffe des "Future Frigate Program", deren Bau gegen 2020 im Inland beginnen soll, auch mit weitreichenden Abwehrwaffen gegen ballistische Raketen ausgestattet werden sollten.

Es gehe um Bedrohungen durch "Schurkenstaaten" auch gegen Australien, sagte Turnbull am Mittwoch bei einer Rede in Sydney, und meinte vorrangig Nordkorea: "Jüngste Ereignisse in unserer Region haben bewiesen, dass unsere zukünftigen Fregatten Australien auch gegen Bedrohungen durch Mittel- und Langstreckenraketen verteidigen können müssen". Daher würden diese Schiffe das bewährte amerikanische Kampfsystem "Aegis" von Lockheed Martin erhalten, zu dessen Funktionen auch eine weitreichende Luftverteidigung von - je nach konkreter Raketenbestückung - mehr als 150 Kilometer Abstand und weiter zählt.

Aegis-Operationszentrale, diesfalls auf einem amerikanischen Kreuzer der Ticonderoga-Klasse (Archivbild)
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Aegis-Operationszentrale, diesfalls auf einem amerikanischen Kreuzer der Ticonderoga-Klasse (Archivbild)
Aegis-Operationszentrale, diesfalls auf einem amerikanischen Kreuzer der Ticonderoga-Klasse (Archivbild) – Tim Masterson/U.S.Navy

Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten vermehrt Raketen getestet, von denen einige mehrere tausend Kilometer weit flogen und in den Pazifik fielen. Dazu gab es seit Jänner 2016 drei Kernwaffentests in Nordkorea. Neben Teilen der USA, namentlich Hawaii und Alaska, befindet sich auch der australische Kontinent vermutlich im Feuerbereich nordkoreanischer Raketen. Australien ist ein traditioneller Verbündeter der USA und beherbergt in Darwin im Norden des Landes einen permanenten US-Stützpunkt. Zuletzt hatten nordkoreanische Staatsmedien ausdrücklich erwähnt, dass auch Australien (25 Millionen Einwohner) mit Raketen erreichbar sei.

Bisher war der Schwerpunkt bei U-Boot-Jagd

Die Bedeutsamkeit der Ankündigung wird auch dadurch deutlich, dass dieses Beschaffungsprogramm, das 2009 initiiert worden war und mindestens 35 Milliarden Austral-Dollar (mehr als 23 Mrd. Euro) schwer ist, eigentlich seinen Schwerpunkt bei der U-Boot-Jagd haben sollte. Durch den nunmehrigen Beschluss der Ausrüstung mit Aegis werden einige Änderungen nötig. In der absehbaren Variante wird der Bestand an Luftabwehrraketen der neuen Fregatten wohl aus Waffen der "Standard Missile 2"-Familie von "Raytheon" bestehen. Diese kommen in Reichweiten von um die 170 und 180 bis 370 Kilometern (die maximalen Flughöhen sind naturgemäß deutlich geringer). Noch stärkere Varianten dieser Raketenserie (etwa SM-3) sind besonders ausgewiesene Raketen- und Satellitenkiller mit Schussweiten bis 700, ja 2500 Kilometern.

Start einer Standard Missile aus der Raketenbatterie eines US-Schiffs
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Start einer Standard Missile aus der Raketenbatterie eines US-Schiffs
Start einer Standard Missile aus der Raketenbatterie eines US-Schiffs – MDA

Die neun neuen Schiffe, deren Klassenbezeichnung noch nicht feststeht, mit je um die 7000 Tonnen Verdrängung sollen die acht Fregatten der "Anzac"-Klasse ablösen, die ab 1996 bei der Royal Australian Navy eingeführt worden sind, und die geplanten drei Zerstörer mit Schwerpunkt Luftverteidigung der "Hobart"-Klasse ergänzen. Deren Typschiff, HMAS "Hobart", ist erst seit ein paar Wochen aktiv.

Der Zerstörer Hobart, hier noch im bau in der Werft von Adelaide, 2015.
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Der Zerstörer Hobart, hier noch im bau in der Werft von Adelaide, 2015.
Der Zerstörer Hobart, hier noch im bau in der Werft von Adelaide, 2015. – Bahudhara/CC BY-SA 4.0

Die Hobart-Klasse wird in Adelaide (Südaustralien) gebaut und basiert auf den Fregatten der "Álvaro de Bazán"-Klasse der spanischen Werft "Navantia". Die Hobarts lösen schrittweise die aktuell noch drei alten Fregatten der "Adelaide"-Klasse ab, die wiederum kampfwertgesteigerte Varianten der amerikanischen "Oliver Hazard Perry"-Klasse sind.

Spanier gegen Italiener gegen Briten

Wer ab 2020 diese künftigen Fregatten baut, ist indes noch unbestimmt. Sicher ist zwar, dass auch sie zur Stützung der nationalen Wirtschaft im Bundesstaat Südaustralien zusammengesetzt werden, obwohl das teurer kommt als ein Bau im Ausland. Für die Lieferung der Blaupausen, also als Systementwickler, sowie von fertigen Modulen zur Montage in Adelaide haben sich nach einer Ausschreibung heuer der spanische Schiffsbauer Navantia, sein italienischer Konkurrent "Fincantieri" und der britische Konzern "BAE Systems" beworben, die jetzt auch Aegis in ihre Pläne einbeziehen müssen, was ihnen nicht schwerfallen wird. Der Gewinner soll Anfang 2018 feststehen.

Der britische Bewerber für die neuen Fregatten Australiens: die Type 26 von BAE Systems.
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Der britische Bewerber für die neuen Fregatten Australiens: die Type 26 von BAE Systems.
Der britische Bewerber für die neuen Fregatten Australiens: die Type 26 von BAE Systems. – BAE Systems

Die Spanier bieten dabei im Kern eine Art verbesserter und vergrößerter Schiffe der Hobart-Klasse an, die Italiener ihre mit Frankreich gemeinsam entwickelten "FREMM"-Mehrzweckfregatten (Fregata Multi-Missione), die Briten eine Exportvariante der nagelneuen Type-26-Fregatten, deren Bau für die britische Flotte überhaupt erst diesen Sommer begonnen hatte.

Mit der Entscheidung für Aegis für die neun neuen Schiffe (auch die drei Hobarts haben bzw. bekommen Aegis) stelle sich Australien im Pazifik in eine Reihe mit den Flotten der USA, Japans und Südkoreas, sagte der australische Vizeadmiral und Flottenchef Tim Barrett. Das vereinfache die operative Kooperation der Kriegsschiffe in der Region. Sie könnten dann etwa auch Daten verbündeter Schiffe mit Aegis, und unter Umständen auch von Flugzeugen, übernehmen und vernetzte Verbände bilden.

Aktuell besteht der Kern der RAN (rund 15.000 Männer und Frauen aktiv) aus dem Zerstörer Hobart, elf Fregatten, zwei amphibischen Landungsschiffen/Hubschrauberträgern der "Canberra"-Klasse und sechs dieselelektrischen U-Booten der "Collins"-Klasse. Letztere werden ab Ende der 2020er ebenfalls ausgetauscht, nämlich durch zwölf ultramoderne französische "Shortfin Barracuda"-Boote.  

US-Kriegsschiff Blue Ridge bei der Einfahrt in den Kriegshafen Garden Island in der Bucht von Sydney, 2013.
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US-Kriegsschiff Blue Ridge bei der Einfahrt in den Kriegshafen Garden Island in der Bucht von Sydney, 2013.
US-Kriegsschiff Blue Ridge bei der Einfahrt in den Kriegshafen Garden Island in der Bucht von Sydney, 2013. – ABIS/Navy Daily/Jesse Rhynard

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