Rumäniens Roma raufen sich zusammen

50 Roma-Organisationen tagen in Rumänien, um eine gemeinsame Gruppe zu bilden. Diese soll alle Roma gegenüber den Behörden vertreten. Denn die bis zu 2,5 Millionen Roma sind seit 20 Jahren zerstritten.

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(c) EPA (Robert Ghement)

Die Anführer von 50 Organisationen der in Rumänien lebenden Roma sind am Dienstag in Sibiu (Hermannstadt), zusammengekommen, um eine Koordinierungsgruppe zu bilden, die die Interessen der Roma gegenüber den Behörden einheitlich vertreten soll. Am Mittwoch soll eine Resolution zur Gründung der "Gruppe zur Koordinierung der Öffentlichen und Politischen Aktionen der Roma-Organisationen" in Rumänien verabschiedet werden. Die Initiative zur Gründung der Gruppe, zu der maximal 20 Roma-Anführer gehören sollen, geht auf Florin Cioaba zurück, er ist Vorsitzender des Christlichen Zentrums für Roma, bekannt auch als "König Cioaba II.".

Roma teils selbst schuld an Armut

Die Zerstrittenheit unter den Roma habe einen negativen Einfluss auf das Leben der Gemeinde, erklärte der selbst ernannte König der Roma als Begründung seiner Initiative. In Rumänien gebe es zurzeit nicht weniger als 250 Roma-Organisationen. "Wir haben 50 Organisationen in Sibiu zusammengerufen. Wir versuchen, einheitlich zu agieren, da wir 20 Jahre lang zerstritten waren und manipuliert wurden, so dass die Roma-Gemeinden nun in Armut leben. Wir, die Anführer der Roma, tragen selbst einen Teil der Schuld dafür", so Cioaba.

Viele verleugnen Herkunft

In Rumänien leben zurzeit, laut offiziellen Daten, ungefähr 535.000 Roma, was zwei Prozent der Bevölkerung ausmacht. Es wird aber allgemein angenommen, dass die Zahl eher bei 1,5 bis 1,8 Millionen liegt, bei einer Gesamtbevölkerung von 21 Millionen. Einige Nichtregierungsorganisationen (NGO) sprechen sogar von bis zu 2,5 Millionen Roma. Grund für diese Diskrepanz ist unter anderem die Tatsache, dass bei den Volkszählungen viele Roma ihre Nationalität als "Rumänisch" angeben. Politisch werden sie von der "Roma-Partei" (Partida Romilor/PR) vertreten. Außerdem gibt es jeweils einen selbst ernannten König (Cioaba II.) und einen Kaiser (Iulian).

Wenig beliebt bei Bevölkerung

Obwohl es offiziell keine Diskriminierung gegenüber den Roma gibt, zeigen Meinungsumfragen eine allgemein negative, ablehnende Haltung der Bevölkerung gegenüber dieser Minderheit. Trotz einiger Erfolge ist die allgemeine Integration der Roma bisher nicht gelungen. Viele Roma leben in "Parallelgesellschaften" mit eigenen Gesetzen, in Gemeinden, wo Armut und Analphabetismus vorherrschend sind, was sich negativ auf die Arbeitslosigkeit und die Kriminalitätsrate auswirkt.

Behörden brauchen Ansprechpartner

Die rumänischen Behörden haben immer wieder beklagt, dass sie innerhalb der Roma-Gemeinde keinen einheitlichen Gesprächspartner haben, was die Durchführung nachhaltiger Integrationsprogramme verhindert habe. Nun soll dem durch die Bildung der Koordinationsgruppe ein Ende bereitet werden. Ziel der Gruppe ist es, ein zuverlässiger Partner der Regierung bei der Erarbeitung und Umsetzung der Programme zur Unterstützung der Roma-Minderheit zu sein. Zu diesem Zweck sollen Vertreter der Gruppe als Berater in der Exekutive tätig sein. Es gibt sogar Pläne, Ende Jänner einen Kongress in Bukarest zu organisieren.

Vereinigung soll 80 Prozent vertreten

Cioaba wies darauf hin, dass die Koordinierungsgruppe bis zu 80 Prozent der in Rumänien lebenden Roma vertreten werde. Auch ließ er keine Zweifel offen, was die Ernsthaftigkeit seiner Absichten anbelangt: "In unserer politischen Tätigkeit sind wir keine Präsidenten, Könige oder Kaiser. Wir haben zwar unsere Bräuche, aber offiziell treten wir als Vorsitzende der Roma-Organisationen auf, nicht als Könige oder Kaiser", sagte Cioaba.

Cioaba begrüßte die Tatsache, dass die gegenwärtige Regierung bereits finanzielle Hilfe für Programme zugunsten der Roma-Minderheit bereitgestellt hat. So sind u.a. Gelder für den Bau von 300 Häusern zur Verfügung gestellt worden.

(APA)

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