Rätselhafte Bilder: Setzten USA geheime „Tarnkappen“-Helikopter ein?

Nach dem US-Einsatz gegen Osama bin Laden sind Militärexperten weltweit in Aufregung. Der Grund sind Fotos, die Trümmer jenes Hubschraubers zeigen, der bei der Aktion wegen Defekts ausfiel und beim Rückzug gesprengt wurde.

Ungewöhnlich: Die Teile des zerstörten Hubschraubers wurden von den pakistanischen Soldaten vor dem Abtransport zugedeckt. (c) Reuters (STAFF)

Die Trümmer könne man mit keinem bekannten Modell in Einklang bringen, so der Tenor, sie wiesen gar Details auf, die man so noch nie gesehen habe. Vermutlich sei es eine Geheimwaffe, die erstmals zum Einsatz kam. Genauer: ein „Tarnkappen“-Hubschrauber.(c) REUTERS (STRINGER/PAKISTAN)

„Bei uns kommt keiner auf einen grünen Zweig, wenn er sich das anschaut“, sagt Georg Mader, Korrespondent des britischen Militärfachmagazins „Jane's Defence“, zur „Presse“, „aber das ist sicher kein ,Blackhawk‘“.(c) EPA (STRINGER)

Das US-Militär behauptet nämlich, die Maschine sei ein typischer Blackhawk gewesen, diesfalls eine besonders nachtflugtaugliche, schwer bewaffnete MH-60 des „160th Special Operations Aviation Regiment“ der US-Army. Seit den 1970ern wurden über 2800 Blackhawks produziert, der Typ ist in vielen Ländern im Einsatz, darunter in Österreich.(c) EPA (STRINGER)

Die US-Angaben bezweifelt angesichts der Trümmer auch Bill Sweetman vom Magazin „Aviation Week“: Es handle sich um einen unbekannten, geheimen Stealth-Helikopter; die Reste erinnerten an einen zumindest massiv modifizierten Blackhawk. Damit wäre es der erste bekannte Tarnkappen-Hubschrauber, bisherige Projekte wurden gestoppt (etwa der „Comanche“ von Boeing/Sikorsky) oder existieren nur auf dem Papier.(c) EPA (STRINGER)

Stutzig machen die Experten viele Details, vor allem unbekannte Formen, Abschrägungen und Abdeckungen am Ausleger (dem Teil zwischen Kabine und Heckrotor), Abdeckungen über der Nabe des Heckrotors und eine flache Kappe über einem zusätzlich untypischen Hauptrotor. Alles erinnere an Stealth-Jets. Auch seien die Teile von silbrigem Lack überzogen, der die Aufspürung durch Sensoren erschwere. „Eine radarabsorbierende Farbe“, meint Mader, der folgert: „Entweder ist es eine massive Stealth-Modifikation oder ein ,black project‘“: ein Geheimprojekt.(c) EPA (STRINGER)

Tatsächlich deuteten am Mittwoch US-Militärkreise vorsichtig an, dass es eine „neue Version“ eines Blackhawks sei. Pakistans Behörden brachten die Reste jedenfalls mit Planen bedeckt in Sicherheit. „Einen normalen Hubschrauber müsste man nicht vor Blicken schützen“, so Mader. Was mit den Resten geschieht, ist unklar.(c) EPA (STRINGER)

Stealth-Helikopter sind schwerer zu bauen und können nie so „unsichtbar“ sein wie Stealth-Flieger, da sie mehr bewegliche Teile haben und nicht so flach sein können. Es gibt auch Techniken, wie man sie extrem leise machen kann, was bei den in der Regel niedrigen Flughöhen wichtiger ist als Radar-Unsichtbarkeit. Mit ihnen könnten die USA überall überraschende Aktionen dieser Art fliegen.

Text: Wolfgang Greber, Die Presse(c) AP (Anjum Naveed)
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