Eurokrise: Ex-Kanzler Kohl übt heftige Kritik an der Politik Merkels

Der deutsche Altbundeskanzler und frühere CDU-Vorsitzende Helmut Kohl hält Angela Merkels Politik für sehr gefährlich. Der Wirtschaftsflügel der Union vermisst eine klare Linie der Partei in der Europapolitik.

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(c) AP (Hermann J. Knippertz)

Hamburg/Wien/Red. Galt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bis vor Kurzem noch als erfolgreiche Managerin der Eurokrise, regt sich nun in den eigenen Reihen Unmut. Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge findet vor allem der deutsche Altbundeskanzler und frühere CDU-Vorsitzende Helmut Kohl heftige Worte für die Europapolitik seiner Nachfolgerin.

Ein namentlich nicht genannter Vertrauter, der den Altkanzler in letzter Zeit besucht hat, will nämlich wissen, dass Kohl Merkels Europa-Politik für „sehr gefährlich“ halte. Wörtlich soll Kohl gemeint haben: „Die macht mir mein Europa kaputt“, wie das Magazin den ehemaligen Weggefährten zitierte.

Auch andere CDU-Politiker warnen angesichts der eskalierenden Eurokrise Merkel davor, das europafreundliche Erbe der Partei zu verspielen. „Europa ist ein politisches Projekt. Es ist zu wichtig, um es den Ratingagenturen zu überlassen“, sagte beispielsweise der hessische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Chef Volker Bouffier.

Unzufriedenheit ist auch vom Wirtschaftsflügel der Union zu vernehmen. Dort wird eine klare Linie der Partei in der Europa-Politik vermisst. „Das Letzte, was sich eine Exportnation wie Deutschland nun leisten kann, ist eine europaskeptische Bevölkerung“, sagte der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk.

Genau dieses Vertrauen in die Gemeinschaftswährung scheint in der Bevölkerung rapid zu schwinden. Fast die Hälfte der Deutschen hält es mittlerweile für wahrscheinlich, dass der Euro als Währung scheitern werde. In einer Emnid-Umfrage für „Focus“ gehen 48 Prozent der Befragten davon aus, 49Prozent glauben allerdings nicht daran, dass der Euro scheitert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2011)

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