Slowakei: Eine Armee legt ihre Panzerrüstung ab

Regierung und Opposition sind sich über das Aus für die Panzer einig. Diese seien für keine der Aufgaben nötig, die man in der Nato-Arbeitsteilung erfülle

Slowakei Eine Armee legt
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Slowakei Eine Armee legt
(c) AP (SZILARD KOSZTICSAK)

Bratislava. Rund 90 Jahre lang gehörten Kampfpanzer so selbstverständlich zu jeder europäischen Armee wie die Wehrpflicht. In der Slowakei indes soll in wenigen Monaten beides Geschichte sein: „Die traditionelle Kriegsführung mit Panzern als Teil einer starken Landarmee entspricht nicht mehr dem realen Bedrohungsszenario“, sagte Ivan Rudolf, Sprecher des slowakischen Verteidigungsministeriums, zur „Presse“. Deshalb will die Slowakei ab 1.Jänner völlig ohne Kampfpanzer auskommen.

Die Wehrpflicht fiel 2005, eineinhalb Jahre nach dem Nato-Beitritt. Auch das Aus für die Panzer gehört zu den wenigen Themen, bei dem Mitte-Rechts-Regierung und linke Opposition nicht gegensätzliche Ziele verfolgen. Für ein von Freunden umgebenes Nato-Mitglied seien Kampfpanzer Geldverschwendung, befand schon der bis 2010 amtierende sozialdemokratische Verteidigungsminister Jaroslav Baška. Jetzt streitet er mit seinem neoliberalen Nachfolger Lubomir Galko darum, wer mehr Verdienst an deren Abbau habe.

 

Kein militärischer Zwerg

Doch auch wenn keine slowakische Regierung angesichts ständiger Kürzungen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen dem Volk zumuten konnte, das Militärbudget auch nur annähernd aufs Nato-Ziel von zwei Prozent des BIPs zu steigern: Ein militärischer Zwerg wird die Slowakei nicht. Sie behält eine nicht unerhebliche Luftwaffe und beteiligt sich überproportional stark an Auslandsmissionen, vor allem in Afghanistan. Slowaken sind auch Spezialisten für Entminung.

Panzer seien für keine der Aufgaben nötig, die man in der Nato-Arbeitsteilung erfülle, so Rudolf. Dabei geht es aber um keine großen Zahlen: Hatte die Armee vor einem Jahrzehnt noch ca. 500 russische T-72- und T-55-Tanks, waren 2010 offiziell nur 67 T-72 übrig. 37 wurden zuletzt ausgemustert, bis Dezember soll der Rest folgen.

Sollte ein Verkauf aller Tanks scheitern – etwa, weil es nur Interessenten gibt, an die man aus politischen Gründen keine schweren Waffen liefern darf –, schließt man auch die Verschrottung nicht aus. Einzelne T-72 könnten an Museen gehen.

Einen radikalen Panzer-Abbau aufgrund „geänderter Bedrohung“ haben freilich schon mehrere Länder bereut, etwa Kanada und Ungarn: Beide bauten bis Mitte der 2000er-Jahre ihre Panzer stark ab, Ungarn reduzierte gar auf eine Kompanie mit 15 T-72. Die Erfahrungen u.a. in Afghanistan aber zeigen, dass Kampfpanzer auch in Aufstandssituationen von Vorteil sind, weshalb Kanada seine Restverbände wieder mit über 100 Leopard 2 aus Deutschland und der Schweiz verstärkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2011)

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