Köpferollen: Euro-Krise stürzt Regierungschefs

Mark Rutte (Niederlande)

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat die Minderheitsregierung des Landes nach einem Streit um Einsparungen bei der Euro-Rettung zu Fall gebracht. Verhandlungen über ein Sparpaket scheiterten. Daraufhin reichte der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte (Bild) am Montag bei Königin Beatrix seinen Rücktritt ein. Rutte setzt damit die Reihe der Regierungschef fort, deren Köpfe in Folge der Schuldenkrise rollten.

Ein Überblick über die abgesägten Regierungschefs der Eurozone.(c) EPA (ROBIN UTRECHT)

Brian Cowen (Irland)

Der irische Taoiseach musste als erster Premierminister der Eurozone seinen Hut nehmen, nachdem seine regierende Fianna Fail die Parlamentswahlen im Februar 2011 verloren hatte. Es war ein politisches Erdbeben für Irland, denn die Mitte-Rechts-Partei hatte acht Jahrzehnte lang die irische Politik dominiert.(c) EPA (ANDY RAIN)

Nachfolger: Enda Kenny

Neuer Regierungschef wurde Enda Kenny von der Mitte-Rechts-Partei Fine Gael, der im Wahlkampf ein Aufschnüren des Euro-Rettungspakets verlangt hatte. Irland hatte zuvor als zweites Land nach Griechenland unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen, weil es sich bei der Bankenrettung übernommen hatte.

(c) REUTERS (CATHAL MCNAUGHTON)

Jose Socrates (Portugal)

Der sozialistische Regierungschef reichte im März 2011 sein Rücktrittsgesuch ein, nachdem das Parlament sein Sparprogramm abgelehnt hatte. Bis Juni übte er das Amt geschäftsführend weiter aus, dann endete seine Tätigkeit als Premier endgültig.(c) AP (ARMANDO FRANCA)

Nachfolger: Pedro Passos Coelho

Die vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni gewannen daraufhin die konservativen Sozialdemokraten (PSD) von Oppositionsführer Pedro Passos Coelho. Obwohl er den Wählern versprochen hatte, energischer gegenüber Brüssel auftreten zu wollen, musste Coelho die mit dem Schutzschirm verbundenen Sparmaßnahmen akzeptieren. Auch seine Regierung steht mächtig unter Druck. Das Land ist weiterhin ein Sorgenkind der Eurozone.Pedro Passos Coelho

Jose Luis Rodriguez Zapatero (Spanien)

Nach monatelangen Protesten gegen die harten Sparmaßnahmen seiner Regierung entschloss sich der sozialistische Regierungschef im Juli zu einer Vorverlegung der Parlamentswahlen auf November 2011.(c) REUTERS (SUSANA VERA)

Nachfolger: Mariano Rajoy

Zapatero hatte schon im Frühjahr die Konsequenz aus seinen miserablen Umfragewerten gezogen und bekanntgegeben, bei der Wahl nicht mehr antreten zu wollen. Die konservative Volkspartei (PP) gewann die Wahlen, die Sozialisten, die das Land mehr als sieben Jahren regiert hatten, erlebten ein Debakel. Der Chef der PP, Mariano Rajoy (Bild), folgte auf den sozialistischen Ministerpräsidenten.(c) REUTERS (FREDY BUILES)

Borut Pahor (Slowenien)

Der sozialdemokratische Ministerpräsident stürzte am 21. September über eine Vertrauensabstimmung im Parlament, mit der er sich ein neues Mandat für seine umstrittene Reformpolitik verschaffen wollte. Zwei Koalitionspartner hatten ihm den Rücken gekehrt, nachdem die von der EU als dringlich gewertete Pensionsreform im Juni in einer Volksabstimmung gescheitert war.(c) AP (Darko Bandic)

Nachfolger: Janez Jansa

Pahor trat bei den vorgezogenen Wahlen wieder an, verlor aber. Seit Februar 2012 ist eine Mitte-Rechts-Regierung unter Janez Jansa (Bild) im Amt. Im Euroland Slowenien muss er die explodierenden Kosten im Staatshaushalt und in den Sozialsystemen unter Kontrolle bringen.(c) EPA (JULIEN WARNAND)

Silvio Berlusconi (Italien)

Im November 2011 stolperte Silvio Berlusconi über die Schuldenkrise. Lange hatte sich der Regierungschef auch mit knappen Mehrheiten im Parlament halten und Sex-Skandale und Prozesse überstehen können. Doch der massive Druck der Finanzmärkte und Absetzbewegungen im eigenen Lager ließen ihm schließlich keine Wahl mehr. Nachfolger wurde der frühere EU-Kommissar Mario Monti, der eine Regierung der Experten führt.

Iveta Radicova (Slowakei)

Die christdemokratische Regierungschefin stolperte im Oktober über eine Vertrauensabstimmung zum Euro-Rettungsschirm. Die mitregierende liberale Partei "Freiheit und Solidarität" (SaS) wollte die milliardenschwere Beteiligung der Slowakei an der Rettung schuldengeplagter Euro-Staaten nicht mittragen. Radicova musste daraufhin die linksgerichtete Partei "Smer" ("Richtung") um Unterstützung ersuchen. Die "Smer" willigte ein, forderte aber im Gegenzug Neuwahlen.(c) AP (Petr David Josek)

Nachfolger: Robert Fico

Radicova bleibt bis zum Urnengang am 10. März 2012 geschäftsführend im Amt. Bei der Wahl trat sie nicht mehr an. Im März 2012 gewann die Partei Smer-Sozialdemokratie mit Robert Fico (Bild) klar die vorgezogene Parlamentswahl. Seit April ist Fico Ministerpräsident.(c) REUTERS (RADOVAN STOKLASA)

Giorgos Papandreou (Griechenland)

Der sozialistische Regierungschef hat sein Land fast zwei Jahre lang durch eine beispiellose wirtschaftliche und politische Krise gesteuert, drakonische Sparmaßnahmen gegen eine nicht abebbende Protestwelle durchgesetzt und mehrmalige Nachbesserungen der Rettungspakete der Euro-Partner erreicht. Ausgerechnet seine Entscheidung, über das als endgültig gewertete Hilfspaket des EU-Gipfels vom 27. Oktober eine Volksabstimmung abhalten zu wollen, wurde ihm zum Verhängnis.(c) EPA (PANTELIS SAITAS)

Nachfolger: Lucas Papademos

Die EU-Spitze fühlte sich brüskiert, mehrere Spitzenvertreter seiner Sozialisten versagten Papandreou die Gefolgschaft. Zugleich lenkte die konservative Opposition ein und erklärte sich zu einer Regierung der nationalen Einheit bereit - fast ein halbes Jahr nachdem Papandreou erstmals seinen persönlichen Rückzug für diesen Fall angeboten hatte. Der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank Lucas Papademos (Bild) wurde im November 2011 Ministerpräsident.(c) REUTERS (JOHN KOLESIDIS)

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