USA: Romney stellt Weichen für "Victory 2012"

Der Favorit im republikanischen Rennen um das US-amerikanische Präsidentenamt, Mitt Romney, fügte seinem schärfsten Rivalen, Newt Gingrich, bei der Vorwahl in Florida eine Niederlage zu.

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(c) AP (Gerald Herbert)

Tampa. In sieben Monaten will Mitt Romney wieder auf der Bühne des Convention Center von Tampa stehen, am Ufer des Hillsborough River: perfekt ausgeleuchtet von den Scheinwerfern, umschwärmt und umkreist von seiner Großfamilie. Ende August kürt die republikanische Partei hier ihren Präsidentschaftskandidaten – und alles spricht an diesem lauen Abend an der Tampa Bay dafür, dass Romney in Florida offiziell zum Herausforderer von Barack Obama proklamiert wird. Das Secret Service hat ihn auch bereits unter Sonderschutz genommen.

„Victory 2012“: Nach der blamablen Schlappe bei der Vorwahl in South Carolina demonstriert das Motto der Romney-Truppe Siegesgewissheit. Ann Romney strahlt übers ganze Gesicht: „Danke Florida“, ruft sie nach dem Triumph ihres Mannes bei der Primary ins Auditorium. Die Honoratioren der Partei und selbst die „Miss Florida“ bringen dem Sieger ihre Ovationen dar, richtig mitreißen mag er sie dennoch nicht. Zu einstudiert, zu kalkuliert sind seine Worte. Der Mormone Romney, ein nüchterner Mann der Zahlen, ist eben kein Showman. Als er neulich „America, the Beautiful“ sang, missriet ihm die heimliche US-Hymne.

 

Probe für „Krönungsmesse“

Bei seiner Siegesrede in der Nacht zum Mittwoch probte der 64-Jährige schon für den großen Auftritt, für die „Krönungsmesse“ der Grand Old Partei im August. „Ich bin bereit, die Partei und das Land zu führen.“ Nach einer Schlammschlacht mit Newt Gingrich, einer Serie an giftigen TV-Spots, beschwor er die Einheit der Partei. Einstweilen eint sie freilich lediglich ihre Abneigung gegen den Präsidenten, oftmals Hass. Ein Romney-Schlachtruf erntete den größten Applaus: „Mr. President, machen Sie den Weg frei. Hoffnung ist doch nur noch ein verblasstes Wort auf einem Autosticker.“

Erstmals durchbrach der Favorit die 40-Prozent-Marke. Es ist indes ein weiter Weg, 46 Stationen sind im Vorwahl-Marathon noch zu absolvieren – die nächste am Samstag in Nevada, wo am Wahlabend Ron Paul und Rick Santorum Durchhalteparolen ausgaben.

 

Gingrich verweigert Gratulation

„46 States to go“, lautet auch die Devise des großen Verlierers. Newt Gingrich verweigerte Romney ostentativ seine Gratulation. Stattdessen gerierte er sich in einem Akt erstaunlicher Chuzpe so, als hätte er bei der Vorwahl im Mikrokosmos Florida gerade eine Vorentscheidung herbeigeführt. Er zeichnete ein Duell zwischen der „Macht des Volkes“ und der „Macht des Geld“ – und er skizzierte seinen ersten Amtstag im Weißen Haus.

Der republikanische Stratege Alex Castellanos brachte die Frage des Partei-Establishments auf den Punkt: „Schafft es Gingrich, ein drittes Mal aus dem Grab aufzustehen?“ Gingrich habe noch nie einen „Abgang in Würde“ hingekriegt, monierte sein demokratischer Kollege Paul Begala.

Im Februar steht ihm eine „Durststrecke“ bevor: In Nevada – wo viele Mormonen leben – und in seinem Heimatstaat Michigan hat Romney einen klaren Vorteil. Gingrich setzt derweil auf die konservativen Südstaaten, die im März an der Reihe sind. „Wir brauchen nicht noch einmal einen McCain“, sagte Eishockey-Fan Malcom Daigle vor dem Match der Tampa Bay Lightnings gegen die Washington Capitals in der nahen Arena – und er meinte damit Romney.

Eine Karikatur des „New Yorker“ porträtierte derweil Barack Obama, wie er mit Lust das „Superbowl“-Finale zwischen Romney und Gingrich verfolgt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2012)

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