Anna Netrebko als Wahlhelferin für Wladimir Putin

Die Opernsängerin gehört dem Prominentenkomitee für Putin an. Der hat 499 "vertraute Personen" um sich geschart.

Anna Netrebko Wahlhelferin fuer
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Anna Netrebko Wahlhelferin fuer
(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Moskau. Je angeschlagener das eigene Image, umso wichtiger wird das der anderen. So lässt sich interpretieren, was der russische Premier Wladimir Putin und sein Team zum Zweck der Wiederwahl in eine dritte Amtszeit im Kreml unternehmen: Damit der nicht mehr als sakrosankt wahrgenommene Putin nicht in eine blamable Stichwahl muss, wurde eine Liste von 499 „vertrauten Personen" kreiert.

Die Sensation: Zu diesem erlauchten Kreis gehört auch die Opernsängerin Anna Netrebko. Die Prominenten aus Sport und Kultur sind offiziell bevollmächtigt, Wahlwerbung für Putin zu betreiben und Wahlbeobachter zu stellen.

Die deutsche PR-Agentur „Büro von Almsick", für die Pressearbeit der Sängerin verantwortlich, bestätigte auf „Presse"-Anfrage das Engagement der Sängerin. Netrebko gehöre „dem Unterstützer-Zirkel für Wladimir Putin" an, erklärte Agenturchef Michael van Almsick. Ob Netrebko auch auf Wahlveranstaltungen für die Wiederwahl Putins werben werde, wurde vom Management nicht beantwortet. Persönlich war Netrebko für die „Presse" nicht zu sprechen.

Auf Putins Liste ist Netrebko in prominenter Gesellschaft: Neben Valeri Gergiew, dem künstlerischen Leiter des Petersburger Mariinski-Theaters, oder der russischen Jazz-Ikone Igor Butman spielen und tanzen auch Sportstars für Putin, etwa der 30-jährige Fußballliebling Andrej Arschawin.

Ausnahmsweise Doppelstaatsbürgerin

Die 40-jährige Netrebko hat zwar auf österreichischen Regierungsbeschluss 2006 die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten und war daraufhin in Russland als „Verräterin" beschimpft worden. Sie hat darauf verwiesen, dass sie sich wegen der strengen Visaregeln für Russen dazu gezwungen sah, und beteuerte, Russin zu sein und auch weiterhin zu bleiben. Sie durfte schließlich die russische Staatsbürgerschaft behalten - eine Ausnahmegenehmigung seitens der österreichischen Behörden, da Doppelstaatsbürgerschaften mit Russland nicht erlaubt sind.

Schon 2005 verlieh Putin persönlich Netrebko den russischen Staatspreis und lobte sie für ihre Gesangsleistungen. 2008 ernannte Putin die Sängerin dann zur „Volkskünstlerin Russlands". Netrebko soll damals „wunderbar errötet" sein, wie die Zeitung „Kommersant" schrieb.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)

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