Aufstand: Um Bashar al-Assad wird es einsam

Die Elite Syriens versucht sich abzusetzen - so wie Asma al-Assad im Jänner. Lange galt die Frau des Präsidenten als das freundliche Gesicht des Landes. Mehr als 7000 Menschen sind bisher angeblich gestorben.

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Assad – (c) REUTERS (HANDOUT)

Kairo/Damaskus. Heute klingen die Komplimente wie aus einer anderen Welt. „Paris Match“ umschmeichelte sie einst als „Königin Diana des Orients“, für die Modezeitschrift „Elle“ überstrahlte ihr Chic sogar die Präsidentengattinnen Michele Obama und Carla Bruni. Wo immer die syrische First Lady vor dem Ausbruch des Volksaufstands in ihrer Heimat auftrat, verbreitete sie Glanz und Eleganz, die so gar nicht zu dem verschrobenen und grauen Image ihres Landes passen wollten.

Ein Jahrzehnt lang war Asma al-Assad, die seit Dezember 2000 mit Staatschef Bashar al-Assad verheiratet ist, die charmante Sympathieträgerin Syriens. Ihre drei Kinder fuhr sie angeblich selbst zum Kindergarten und zur Schule. Besucher lud sie gerne in der Altstadt ins Café ein – ohne Leibwächter und großes Aufsehen.

 

Al-Qaida feuert Rebellen an

Von diesem Herrscherhaus-Idyll ist nichts mehr übrig. Seit zehn Monaten kämpfen hunderttausende Syrer gegen das Regime ihres Mannes. Mehr als 7000 Menschen sind bisher angeblich gestorben, darunter 400 Kinder. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Gestern feuerte das Terrornetzwerk al-Qaida mit einer Videobotschaft die Aufständischen zum Aufbau eines islamischen Staates an. „Setzt eure Revolte fort“, forderte al-Qaida-Chef Ayman al-Zawahiri. Die Arabische Liga rang derweil in Kairo um die eventuelle Weiterführung ihrer Beobachtermission in Syrien. Unterdessen wurden bei Gefechten elf Menschen getötet, die meisten von ihnen in der Stadt Homs.

Homs, von wo Asmas sunnitische Verwandtschaft stammt, ist inzwischen eine Hochburg der Aufständischen. Ganze Stadtteile liegen in Trümmern, die Armee massakriert systematisch die Bewohner mit Artillerie und Panzern.

Geboren wurde Asma allerdings 1975 nicht in Syrien, sondern in London als Tochter einer Diplomatin und eines Herzchirurgen. In ihrer Jugend kannte sie Homs nur von gelegentlichen Ferienbesuchen, an der Themse führte sie das Leben eines assimilierten Immigrantenkindes aus gutem Hause. Sie besuchte die Elite-Mädchenschule Queen‘s College, das anschließende Studium am King‘s College schloss sie mit besten Noten ab, machte Diplome in Informatik und Französischer Literatur. Sechs Monate reiste sie durch Europa und Fernost, bevor sie als Investmentbankerin bei der Deutschen Bank in London anheuerte. Ihre Zulassung zur Harvard Business School hatte die damals 25-Jährige gerade in der Tasche, da kam Bashars Aufstieg ins Präsidentenamt dazwischen.

Seit Beginn des Aufstands im März 2011 wurde Asma nur noch einmal öffentlich gesehen, als vor vier Wochen ihr Mann überraschend auf dem Omayyaden-Platz in Damaskus erschien und vor tausenden jubelnden Anhängern versicherte, man werde alle Verschwörungen gegen Syrien „ohne jeden Zweifel“ niederringen. Mit in der Menge stand lächelnd die 36-Jährige zusammen mit zwei ihrer drei Kinder. Zwei Wochen später soll sie versucht haben, mit ihren Kindern, der Mutter Assads und einem Cousin des Präsidenten aus dem Land zu fliehen. Nach Angaben der syrischen Opposition wurde der Konvoi auf dem Weg zum Flughafen von Bewaffneten einer übergelaufenen Geheimdiensteinheit zum Anhalten gezwungen. Nur mit Mühe sei es ihren Leibwächtern gelungen, die gepanzerten Fahrzeuge zu wenden und zurück in den Präsidentenpalast zu fahren.

 

Reiche schaffen Geld außer Landes

Auch andere Mitglieder der syrischen Oberschicht sollen nach Erkenntnissen der US-Regierung bereits Pläne zur Flucht schmieden. Mitglieder der Führungsschicht hätten den oppositionellen „Syrischen Nationalrat“ um Hilfe gebeten, um Geld und Verwandte aus dem Land zu schaffen. Ein Mitglied der Assad-Familie habe große Geldsummen außer Landes gebracht. Namen nennt der US-Geheimdienst indes keine.

Asma al-Assad hat sich seitdem noch einmal per E-Mail aus ihrer Palastfestung gemeldet. „Der Präsident ist der Präsident von ganz Syrien, nicht von Teilen Syriens. Und ich unterstütze ihn in dieser Rolle“, schrieb sie an die britische „Times“. Ansonsten habe sie als First Lady einen „sehr anstrengenden Terminkalender, konzentriere sich wie bisher auf ihre sozialen Projekte und tröste die Familien von Opfern der Gewalt“.

Zur Person

Asma al-Assad (*11.8.1975 in London als Asma Fawaz al-Akhras) ist seit Dezember 2000 Gattin des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Sie entstammt einer in England lebenden Ärztefamilie aus Homs, einem Zentrum des Aufstands in Syrien. Die Informatikerin war Finanzanalystin und lernte Assad in den 1990ern während dessen Studiums in London kennen; sie haben drei Kinder. [EPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2012)

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