Iran verweigert IAEA-Experten Zutritt zu Militärbasis

Beobachter der Internationalen Atomenergieagentur müssen das Land verlassen, ohne eine verdächtige Militärbasis untersucht zu haben.

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Iran verweigert IAEAExperten Zutritt
(c) AP (Majid Asgaripour)

Die in Wien ansässige Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) ist hinsichtlich des jüngsten Besuchs ihrer Experten im Iran unzufrieden. Denn die Inspektion verdächtiger Anlagen auf der Militärbasis Parchin, rund 30 Kilometer von Teheran entfernt, wurde erneut nicht gestattet. "Es ist enttäuschend, dass der Iran unserer Bitte, Parchin zu besuchen, weder beim ersten noch beim zweiten Besuch entsprochen hat", erklärte IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano in einer Aussendung in der Nacht auf Mittwoch. "Wir haben einen konstruktiven Geist an den Tag gelegt, aber es kam zu keiner Einigung", fügte Amano hinzu.

Das Expertenteam unter Führung von Chefinspektor Herman Nackaerts befindet sich derzeit auf dem Rückweg aus dem Iran, wo es sich am Montag und Dienstag aufgehalten hatte. Bereits Ende Jänner hatte die Gruppe zwei Tage im Iran verbracht, auch damals wurde sie nicht nach Parchin gelassen.

IAEA vermutet weitere geheime Anlagen

Die IAEA wollte von den Vertretern der iranischen Atomorganisation und des Sicherheitsrats der Regierung vor allem Zusagen für künftige Treffen und Überprüfungen erhalten. Dabei geht es um Zugang zu Dokumenten, Wissenschaftlern und verdächtigen Anlagen wie Parchin. In der weitläufigen Militärzone soll ein Metallbehälter stehen, in dem möglicherweise Versuche mit nuklearen Raketensprengköpfen simuliert wurden.

Die Spezialisten wollten überprüfen, ob diese Tests dort tatsächlich durchgeführt wurden. Der Iran hat zwar bestimmte Standorte nuklearer Aktivitäten im Zentraliran deklariert und der IAEA zugänglich gemacht. Die Behörde vermutet jedoch noch weitere geheime Anlagen.

Iran auf dem Weg zur Bombe: Chronologie des Atomstreits

Deckmantel der zivilen Nutzung?

Der Westen verdächtigt Teheran schon länger, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Nach einem im November vorgelegten IAEA-Bericht soll der Iran mindestens bis 2010 an Atomwaffen gearbeitet haben. Teheran hat seit 2008 Fragen der IAEA zu seinem Atomprogramm unbeantwortet gelassen. Die Führung in Teheran hat eine militärische Ausrichtung stets bestritten, die Forschungsprojekte dienten ausschließlich zivilen Zwecken.

Die westlichen Länder zeigen sich von den Beschwichtigungsversuchen unbeeindruckt und wollen im UNO-Sicherheitsrat an den Sanktionen gegen Teheran festhalten. "Der Iran wurde mehrfach vom UNO-Sicherheitsrat verbindlich aufgefordert, jegliche Anreicherung zu stoppen, bis alle offenen Fragen rund um das iranische Nuklearprogramm geklärt sind", hieß es am Mittwoch aus Diplomatenkreisen. Dazu gehöre "eine glaubwürdige und umfassende Aufklärung" über eine mögliche militärische Dimension des Nuklearprogramms. "Hiervon ist der Iran leider weit entfernt."

Russland warnte am Mittwoch indes vor "voreiligen Schlüssen". "Die Inspektoren sollten also zunächst deutlich machen, was hier vor sich geht", sagte Sprecher Alexander Lukaschewitsch nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau rufe Teheran aber auf, verstärkt mit der IAEA zusammenzuarbeiten.

USA sehen noch Zeit für diplomatische Lösung

Der iranische Gesandte bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, erklärte laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA, die Gespräche in Teheran seien intensiv gewesen. Sie hätten sich um "Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis zwischen Iran und der IAEA" gedreht und würden fortgesetzt werden.

Kurz vor der IAEA-Aussendung sahen die USA trotz der verschärften Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen noch Zeit für eine diplomatische Lösung im Atomstreit. Mit Blick auf israelische Gedankenspiele über einen Präventiv-Angriff auf iranische Atomanlagen sagte ein Regierungssprecher am Dienstag in Washington laut Agentur Reuters weiter: "Israel und die USA sind sich einig im Ziel, dass der Iran nicht an Atomwaffen gelangen darf." Der Iran hatte den Ton zuletzt verschärft und einen präventiven Angriff der Streitkräfte gegen Feinde nicht ausgeschlossen.

(Ag./Red.)

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