Atomgespräche: Iran akzeptiert keine Vorbedingungen

Der Westen fordert von Teheran den Stopp der Urananreicherung und die Schließung einer Atomanlage. Israel warnt davor, der Iran könne die Gespräche dazu missbrauchen, Zeit zu schinden.

Vor neuen Atomgesprächen: Iran zeigt sich unnachgiebig
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Vor neuen Atomgesprächen: Iran zeigt sich unnachgiebig
Iran Atomanlage – (c) REUTERS (Morteza Nikoubazl)

Die neue Runde der Atomgespräche zwischen dem Iran und den fünf UNO-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland finden am Samstag in Istanbul statt. Das teilte eine Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Ostersonntag in Brüssel mit.

Der Iran lehnt Vorbedingungen für die Gespräche ab. Die Islamische Republik werde nicht akzeptieren, dass vor Gesprächsbeginn Ansprüche gestellt würden, zitierte die Nachrichtenagentur des iranischen Parlaments am Montag Außenminister Ali Akbar Salehi.

Der Westen will den Iran bei den ersten Atomverhandlungen seit mehr als einem Jahr zuallererst zur Aufgabe der hochgradigen Urananreicherung drängen. Kurzfristige Priorität für die USA und ihre Verbündeten hätten ein Ende dieser Anreicherung sowie die Schließung der umstrittenen unterirdischen Anlage Fordo, sagte am Sonntag ein hochrangiger Mitarbeiter der US-Regierung der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi-Davani, wies die Forderung nach einer Schließung von Fordo zurück. Solche Vorgaben seien nicht sinnvoll. Zur Urananreicherung sendete er widersprüchliche Signale. Im Staatssender PressTV kündigte er an, dass man nur noch für eine begrenzte Zeit Uran auf 20 Prozent anreichern werde. Dieses Uran solle gelagert und in den kommenden Jahren in einem Forschungsreaktor in Teheran genutzt werden. Zuvor hatte Abbasi-Davani nach Angaben der Agentur Isna aber die Forderungen nach einem Anreicherungsstopp zurückgewiesen.

Israel warnt vor Täuschungsmanövern

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warnte unterdessen vor Täuschungsmanövern Teherans bei den Verhandlungen. Er sagte  bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti, der Iran könne die Gespräche dazu missbrauchen, "Zeit zu schinden und zu täuschen", wie die israelische Zeitung "Jerusalem Post" in ihrer Online-Ausgabe berichtete.

Netanyahu nannte drei Forderungen für die Verhandlungen: Teheran müsse die Anreicherung von Uran stoppen, bereits angereichertes Uran beseitigen und die Anreicherungsanlage Fordo schließen.

Der Westen fürchtet, der Iran könne seine Fertigkeit zur Anreicherung von Uran für Waffen und schließlich sogar für eine Atombombe nutzen. Die iranische Führung bestreitet dies. Die USA und die Europäische Union wollen mit verschärften Sanktionen die Ölausfuhren des Iran beschneiden. Israel fühlt sich vom Iran in seiner Existenz bedroht und erwägt einen Angriff auf die Atomanlagen. 

Iran auf dem Weg zur Bombe: Chronologie des Atomstreits

 

(Ag.)

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