US-Asyl für Höchstrichter aus Venezuela

Richter Eladio Aponte wird zum Kronzeugen gegen das System von Hugo Chávez. Seine persönliche Nähe zum „Groß-Narco“ Walid Makled kostete den Richter seinen Posten.

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USAsyl fuer Hoechstrichter Venezuela
(c) AP (Ariana Cubillos)

Caracas/Buenosaires/A.f. Er war lange ein Knoten in jenem Netzwerk, das er nun anklagt. Bis Ende Februar war Eladio Aponte Mitglied des Obersten Gerichtshofes von Venezuela – und galt dort als einer der schärfsten Richter. Doch nun hat er sich in die USA abgesetzt und wurde zum bislang höchstrangigen Kronzeugen gegen das System Chávez.

Seine persönliche Nähe zum „Groß-Narco“ Walid Makled kostete den Richter seinen Posten. Danach setzte er sich ab und nahm Kontakt mit der US-Antidrogenbehörde DEA auf. Auf der Flucht gab Aponte ein TV-Interview, das in Venezuela massiven Wirbel auslöste – ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen. Detailreich untermauert der Ex-Militär drei Vorwürfe: die Existenz von politischen Gefangenen, die Bestechlichkeit der Richter und die Unterwanderung des Staates und all seiner wichtigen Organe durch den Drogenhandel. So bestätigte er die seit sechs Jahren kursierenden Gerüchte über die „Bande der Zwerge“: Diese Clique korrupter Staatsanwälte und Richter manipulierte Prozesse im Dienste der „Narcos“. Deren Bosse seien hohe Militärs: Aponte beschuldigte den General Clíver Alcalá Cordones und ausgerechnet den Chef der nationalen Anti-Drogenbehörde, Vizeminister Néstor Luis Reverol, den höchst einträglichen Rauschgifthandel in dem 26-Millionen-Land zu kontrollieren.

Nach Ausstrahlung des Interviews folgten die Dementis. „Aponte hat seine Seele an die DEA verkauft“, polterte Außenminister Nicolás Maduro. In Zeitungskommentaren stellt ein Richterkollege Aponte als käuflichen Kriminellen dar. Der Oppositionskandidat für die Präsidentschaft, Henrique Capriles, ätzte: „Man weiß wirklich nicht, was schlimmer ist, die Vorwürfe oder die Antworten darauf. Das ist ein Streit unter Korrupten, die in ihrem Sumpf untergehen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2012)

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