Übergangspräsident verletzt: Zweiter Putsch in Mali?

Der Staatschef wurde von Demonstranten im Präsidentenpalast attackiert. Die Entsendung internationaler Truppen ist nicht ausgeschlossen.

Demonstranten in der malischen Hauptstadt Bamako
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Demonstranten in der malischen Hauptstadt Bamako
Demonstranten in der malischen Hauptstadt Bamako – (c) AP (Harouna Traore)

Malis Übergangspräsident Dioncounda Traore ist am Montag in Bamako von aufgebrachten Demonstranten verletzt worden. Der 70-Jährige wurde nach Berichten örtlicher Medien umgehend ins Krankenhaus gebracht. Nach Angaben des britischen Senders BBC war der Staatschef am Kopf verletzt worden und hatte das Bewusstsein verloren. Wie es hieß, waren Demonstranten in den Präsidentenpalast eingedrungen und hatten Traore attackiert. Vor dem Gebäude hatten sich mehrere tausend Menschen zu Protesten gegen die Übergangsregierung versammelt.

Zehntausende hatten gegen die mit der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas vereinbarte einjährige Transitionsperiode bis zur Abhaltung allgemeiner Wahlen demonstriert. Etwa 30.000 Menschen folgten einem Kundgebungsaufruf der "Koordination der patriotischen Organisationen" (Copam) laut deren Angaben. Journalisten berichteten dagegen von deutlich weniger Teilnehmern. Die Demonstranten warfen der Ecowas, die bisher die Einsetzung demokratischer Strukturen vorangetrieben hat, "Verrat" vor.

Die westafrikanische Staatengemeinschaft verurteilte die Übergriffe auf Traore als "zweiten Putsch" in Mali. Minister der Ecowas-Länder werteten die Vorgänge als organisierte Kampagne. Beim Treffen der Minister der Mitgliedsstaaten mit dem UN-Sicherheitsrat am Montag in Abidjan in der Elfenbeinküste wurde der Anführer der Putschisten vom 22. März, Amadou Sanogo, für die Angriffe auf Traore vom Montag verantwortlich gemacht. Ecowas und Sicherheitsrat zeigten sich "höchst besorgt".

Ecowas könnte Soldaten entsenden

Hinter den Kulissen sagten mehrere Minister, dass sie die Entsendung von Ecowas-Soldaten in das instabile Land nicht mehr ausschließen würden. Mali selbst lehnt das aber ab, zudem würde die Entsendung ein solchen Truppe vermutlich Wochen dauern. Eine tatsächliche Entscheidung ist nicht absehbar.

"Wir sind sehr besorgt wegen der Lage in Mali. Noch ist aber alles zu verworren, als dass wir Entscheidungen treffen könnten", sagte Frankreichs UN-Botschafter Gerard Araud nach der mehrstündigen Sitzung, bei der eigentlich der Putsch in Guinea-Bissau im Vordergrund stehen sollte. "Die Situation hat sich erheblich verschärft und wir werden darauf reagieren müssen." Wenn Sanogo wirklich weiter an der Macht festhalte, müssten Ecowas und Vereinte Nationen "die Situation aus einem neuen Blickwinkel betrachten".

Nach dem Militärputsch im März war Traore Mitte April als Interims-Staatschef vereidigt worden. Ursprünglich hatte die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas mit den Putschisten vereinbart, dass Traore bis Montag Wahlen organisiert. Da die Vorbereitung von Wahlen aber bisher nicht möglich war, hatte die Ecowas am späten Sonntagabend mit den derzeitigen Machthabern vereinbart, dass Traore weiter im Amt bleiben soll. Wann demokratische Wahlen durchgeführt werden können, war weiter unklar. Konkrete Maßnahmen sprach er nicht an.

(Ag.)

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