Venezuela: Krebskranker Chávez tritt erneut bei Präsidentenwahl an

Vor einer Million Anhängern ließ sich der krebskranke Hugo Chávez als Kandidat für Venezuelas Präsidentenwahl registrieren. Der Comandante verströmte Optimismus. Er sang, tanzte und sprach ein paar ernste Worte.

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(c) EPA (MIGUEL GUTIERREZ)

Buenos Aires. Er hat sich Zeit gelassen, bis zum letzten Moment. Am Montag endete die Einschreibefrist für die Kandidaten, die an Venezuelas Präsidentenwahl teilnehmen wollen. Und Hugo Chávez, der im Oktober seinen 14 Regierungsjahren weitere sechs folgen lassen möchte, war der letzte Bewerber, der sich registrieren ließ. Er leistete seine Unterschrift in einem Buch mit rotem Leineneinband, das er selbst mitbrachte. Bei diesem Routineakt zählten alle Details, denn es war Chávez' erster Massenauftritt seit Februar, live übertragen ins ganze Land.

Eine Million Anhänger, viele davon in dem typischen Rot gekleidet, grüßten ihren Comandante, der die wenigen Blocks vom Präsidentenpalast zu dem Zelt der Wahlbehörde auf einem Lastwagen zurücklegte. Chávez, angetan mit dem roten Barett aus seiner Fallschirmjägerzeit und Trainingsjacke, ließ sich Zeit beim Abstieg von dem Gefährt, aber seine Bewegungen waren sicher. Der Comandante wusste, dass er darauf besonders achten musste, denn jedes Zeichen körperlicher Schwäche kann am 7. Oktober wahlentscheidend sein.

Ist Ex-Fallschirmjäger fit genug?

Ein großes Fragezeichen hing über der Plaza Caracas: Ist Hugo Chávez Frías physisch noch in der Lage, die bolivarianische Republik zu regieren? Vor etwas mehr als einem Jahr vollzogen Ärzte auf Kuba an ihm eine erste Krebsoperation, die zweite folgte drei Wochen später. Doch trotz Chemotherapie bekam Chávez das Leiden nicht in den Griff. Im Februar musste er wieder unters Messer, darauf folgte eine Strahlentherapie. Wochenlang blieb der einst omnipräsente Vielredner verschwunden und beschränkte seine Teilnahme am öffentlichen Geschehen auf 180-Zeichen-Botschaften in Twitter. Nun, nach geleisteter Unterschrift, verströmte Chávez Optimismus. Er sang, tanzte ein bisschen und sprach ein paar ernste Worte: „Das Überleben des Vaterlands steht auf dem Spiel.“ Seine Anhänger antworteten: „Es lebe Chávez!“ Tatsächlich ergeben aktuelle Umfragen,  dass über 60 Prozent der Venezolaner an eine Heilung glauben. Die Wahlchancen des Amtsinhabers liegen bei etwas über 50 Prozent.

Herausforderer Henrique Capriles rangiert, je nach Couleur der Meinungsforscher, bei 35 bis 45 Prozent. Doch der Ex-Gouverneur des Bundesstaates Miranda lässt sich davon nicht beirren. Er leistete seine Unterschrift beim Wahlrat im Trikot der venezolanischen Fußball-Nationalmannschaft. Auch ihm folgten eine Million Menschen auf die Plaza Caracas, nach einem zehn Kilometer langen Marsch. Zumindest physisch hat der 39-Jährige klare Vorteile.

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