Klaus: 'Austritt Griechenlands für Eurozone kein Problem'

Tschechiens Präsident Václav Klaus sieht die EU in der Sackgasse. Im Interview mit der "Presse" fordert er eine Umkehr.

Austritt Griechenlands fuer Eurozone
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Austritt Griechenlands fuer Eurozone
Tschechiens Präsident Václav Klaus – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Presse: Sie haben den Austritt Griechenlands aus der Eurozone empfohlen . . .

Václav Klaus: Ich habe das nicht so gesagt. Wo haben Sie das gehört?


Sie haben beispielsweise hier in Wien bei der Pressekonferenz mit Bundespräsident Fischer gesagt, dass sich Griechenland in einer Euro-Zwangsgemeinschaft befinde . . .

Nein, nein.


Dann frage ich Sie offen: Welche Zukunft sehen Sie für Griechenland innerhalb der Eurozone?

Stellen Sie die Frage noch einmal (haut auf den Tisch). Wie lautet die Frage?


Wissen Sie, ich muss Sie auch gar nicht interviewen. Ich habe es so verstanden, dass Sie den Austritt Griechenlands empfehlen. Wenn es nicht so ist, können Sie mir ja erläutern, was Sie gemeint haben.

Ich habe hier in Wien und auch in Prag etwas anderes gesagt. Griechenland in der Eurozone zu halten ist eine Komplikation für Griechenland. Ich habe keine Ratschläge für Griechenland, was es machen soll. Das ist keine Kategorie meines Denkens. Ich sehe keine positive Zukunft für Griechenland in der Eurozone. Aber es ist die Entscheidung Griechenlands, nicht meine.


Wirtschaftsforscher warnen davor, dass Griechenland die Eurozone verlässt. Denn dies wäre nicht nur für die Griechen, sondern für die gesamte Eurozone mit hohen Kosten verbunden.

Dann muss ich sagen, dass diese Forscher die Volkswirtschaft nicht gut studiert haben. Es wäre eine Lösung für Griechenland, die Eurozone zu verlassen. Ein organisierter und geplanter Austritt Griechenlands wird auch für die Eurozone kein Problem sein. Aber die Voraussetzung ist: Der Austritt darf nicht chaotisch ablaufen.


Die große Befürchtung ist ja, dass ein griechischer Austritt eine Kettenreaktion auslösen könnte und andere, größere Euroländer unter Druck setzen und mitreißen könnte.

Deshalb muss der Austritt organisiert werden. Dann ist es nicht schwierig, weder theoretisch noch praktisch. Wir haben in dieser Hinsicht sehr gute Erfahrungen bei der Spaltung der Tschechoslowakei gemacht. Der Fall war ähnlich. Wir hatten vorher die Tschechoslowakische Krone, dann haben wir die Krone geteilt. Wir haben das gut vorbereitet, und es hat keine Probleme verursacht.


Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, und andere sagen, dass mit dem Euro auch das Schicksal der Europäischen Union auf dem Spiel stehe?

Das ist wirklich nicht so. Eine kleinere Eurozone kann ohne Schwierigkeiten weiterexistieren und die Europäische Union auch.


Sie haben mehrfach erklärt, dass die EU in einer Sackgasse stecke. Zu welcher Abzweigung wollen Sie zurück?

In einer Sackgasse kann man nicht weitergehen. Das ist eine Utopie, ein Traum. Die Frage ist, wie weit man zurückgehen muss. Und diese Kreuzung war für mich Anfang der 90er-Jahre der Maastricht-Vertrag. (Die EG wandelte sich zur EU und legte den Grundstein zur Wirtschafts- u. Währungsunion; Anm.)


Besteht nicht die Gefahr, dass man eine derartige Rückabwicklung nicht mehr kontrollieren kann?

Das stimmt, aber darin sehe ich kein Problem. Die Leute können das gut und positiv organisieren.


Sehen Sie in der EU Verbündete für Ihre Ansichten?

Ich kenne viele europäische Politiker, die ohne solche Geräte (deutet auf das Tonband; Anm.) etwas Ähnliches wie ich sagen. Hoffentlich werden sie in Zukunft tapfer sein und es auch ganz laut sagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2012)

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