Zypern: Streit um Schuldenschnitt

Der IWF will, dass sich private Gläubiger an einer Hilfsaktion für Zypern beteiligen. Die Euro-Gruppe ist dagegen.

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Zypern: Streit um Schuldenschnitt
Zypern: Streit um Schuldenschnitt – (c) AP (Petros Karadjias)

Nikosia/Höll. Zypern hat bereits im Juni einen Hilfsantrag für Notkredite aus dem Euro-Rettungsschirm ESM in der Höhe von 17,5 Mrd. Euro beantragt, doch bisher konnten sich der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU nicht auf eine gemeinsame Vorgangsweise einigen. Daher hat nun die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des kleinen Eurolandes um zwei Stufen gesenkt. Man sehe eine „beträchtliche und steigende Gefahr eines staatlichen Zahlungsausfalls“, so die Ratingagentur. Die Staatsverschuldung des 862.000 Einwohner zählenden Landes soll bis Ende 2013 von derzeit 89,7 Prozent auf 96,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Zypern verfügt über einen relativ großen Bankensektor und leidet unter den Problemen in Griechenland. Denn Griechenland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner.

Der Internationale Währungsfonds verlangt einen Teilerlass der zypriotischen Staatsschulden. Ähnlich wie in Griechenland sollen Inhaber von zypriotischen Staatsanleihen auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Doch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker ist dagegen. Griechenland sei die einzige Ausnahme gewesen, so der Luxemburger. Die deutsche Bundesregierung hält sich zu einem möglichen Schuldenschnitt bedeckt. Man müsse alle Möglichkeiten ins Auge fassen, erklärte ein Sprecher der Berliner Regierung. Teile der CDU sprechen sich jedoch für einen Schuldenschnitt aus. Denn viele russische Oligarchen haben auf der Mittelmeerinsel ihr Geld angelegt. „Wir haben kein Interesse, mit dem ESM-Geld russische Kredite abzulösen“, sagte der CDU-Haushaltspolitiker Norbert Barthle zu „Reuters“. Mitte Jänner wollen die Euro-Finanzminister klären, wie es mit Zypern weitergeht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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