EU will Wasserhähne und Duschköpfe kontrollieren

Das Glühbirnenverbot war der Anfang. Auf Druck der Europäischen Union sollen künftig nur noch umweltschonende Wasserarmaturen verkauft werden. Das Gleiche soll für Stromkabel, Fenster und Weinschränke gelten.

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Symbolbild – (c) Erwin Wodicka

Brüssel/Höll. Im September 2012 trat in der Europäischen Union das Verbot für herkömmliche Glühbirnen in Kraft. Als Nächstes sollen Konsumenten zum Wassersparen gezwungen werden. Künftig sollen Hausbesitzer und Vermieter verpflichtet werden, nur noch sparsame Wasserhähne und Duschköpfe einzusetzen.

Dies geht aus einem Arbeitsplan der EU-Kommission bis zum Jahr 2014 hervor, den die deutsche Zeitung „Welt“ veröffentlicht hat. Das Generalsekretariat der Kommission hat das Papier bereits dem Europäischen Rat geschickt. So, wie es derzeit aussieht, werden die Abgeordneten des Europäischen Parlaments nichts die Möglichkeit haben, gegen das Projekt Einspruch zu erheben. Als Grundlage dient die sogenannte Ökodesignrichtlinie, die bereits die Basis für das umstrittene Glühbirnenverbot gewesen ist. Nun soll das Regelwerk auf weitere Produktgruppen ausgedehnt werden.

Neben Wasserhähnen und Duschköpfen werden in dem EU-Papier auch Fenster, Stromkabel und sogar Weinkühlschränke genannt. Alle Produkte, die nicht umweltschonend sind oder zu viel Energie verbrauchen, sollen verboten werden.

„Die Ökodesignrichtlinie ist ein Musterstück aus der Planwirtschaft und politischem Dirigismus. Mit ihrem Arbeitsplan betreten EU-Beamte bereits die Badezimmer der Bürger“, empört sich der deutsche Europaabgeordnete Holger Krahmer (FDP). Verbraucherverbände behaupten, dass von der geplanten Umstellung in erster Linie die Industrie profitiert. Lobbyisten und Vertreter der Wirtschaft konnten in Brüssel auch das Glühbirnenverbot durchsetzen. Bis auf Restposten dürfen in der EU keine herkömmlichen Glühbirnen mehr hergestellt und regulär verkauft werden. Dies freut die Hersteller von Energiesparlampen.

Experten streiten über die Sinnhaftigkeit. Denn so manche stromsparende Leuchtstofflampe enthält giftiges Quecksilber und darf nicht im Hausmüll, sondern nur in Problemstoffsammelstellen entsorgt werden.

Überflüssige Maßnahme?

Schon fast zwei Jahre arbeitet EU-Umweltkommissar Janez Potocnik an einer Richtlinie zum Wassersparen. Mit dem Einsatz von sparsameren Duschköpfen, Toilettenkästen und Wasserhähnen soll der Wasserverbrauch in den EU-Mitgliedsländern um bis zu 30 Prozent gesenkt werden.

Potocnik will damit vor allem gegen die Wasserknappheit in Südeuropa vorgehen. In vielen Ländern wie in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland gibt es im Sommer längere Dürreperioden, die sich fatal auf die Landwirtschaft auswirken.

Allerdings darf die EU-Kommission keine Vorgaben beschließen, die nur in bestimmten Regionen gelten. Viele Politiker in Nord- und Mitteleuropa legten sich gegen das Wassersparprojekt quer. Der Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft erklärte die Maßnahme für überflüssig. Denn in Deutschland sei es üblich, dass die Kanalisations- und Abwasserleitungen mit Frischwasser gespült werden, weil durch sie zu wenig Wasser hindurchlaufe. Ohne die Spülung mit Frischwasser würde es Geruchsbelästigungen und Schäden durch Verunreinigungen geben.

Ähnliches könnte in privaten Haushalten passieren. Läuft zu wenig Wasser durch, müssen Verbraucher öfter die Toilettenspülung benutzen. Mittlerweile wurde der Plan abgeschwächt. Toilettenkästen kommen in dem neuen EU-Papier nicht mehr vor. Die Regeln sollen nur für neue Produkte gelten. Bereits installierte Wasserhähne und Duschköpfe müssen übrigens nicht ausgetauscht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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