Luxus-Fitnessstudio für EU-Parlament

Um 9,2 Mio. Euro soll ein Sportzentrum für Abgeordnete und Beamte entstehen. Der Großteil der Gesamtsumme käme vom EU-Steuerzahler.

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(c) GEPA (Franz Pammer)

BRÜSSEL. Die EU-Abgeordneten wollen offenbar nicht nur Fett verbrennen, sondern auch einen Batzen Geld. Am liebsten hätten sie ein eigenes Fitnessstudio, das nicht nur einfache Hometrainer oder Laufbänder bietet, sondern auch einen Pool für Aquagymnastik und einen neuen Ruheraum.

Schon 2007 hat das Parlament gemeinsam mit der EU-Kommission entschieden, das Fitnessstudio im Parlamentsgebäude in Brüssel renovieren und ausbauen zu lassen. Wie sich jetzt herausstellt, könnte dies aber wesentlich teurer werden als geplant: Auf 5,6 Mio. Euro für die Erweiterung sowie 2,3 Mio. Euro für die Renovierung des bestehenden Studios schätzt die CDU-Europaabgeordnete Inge Gräßle vom Haushalts-Kontrollausschuss des Parlaments die Ausgaben. Dazu kämen 1,3 Mio. Euro für Studien und Sicherheitsanalysen.

Der Großteil der Gesamtsumme käme vom EU-Steuerzahler. 1,5 Mio. Euro würde die EU-Kommission beisteuern. Ihre Beamten wollen das neue Sportzentrum später auch nutzen.

In Zeiten der Finanzkrise, in der Millionen Menschen um ihre Arbeitsplätze bangen, wären Kosten von 9,2 Mio. Euro inakzeptabel, sagte Gräßle am Mittwoch der „Presse“. An allen Ecken und Enden werde gespart, nur beim Fitnessstudio der EU-Abgeordneten nicht – das sei nicht einzusehen.

Am Mittwochabend wollte sich das EU-Parlamentspräsidium aus dem Präsidenten, Hans-Gert Pöttering, den 14 Vizepräsidenten und den sechs Quästoren mit dem Projekt befassen. Im Vorfeld war die Stimmung allerdings eher pro Renovierung und Erweiterung. Nur die fünf sozialdemokratischen Vizepräsidenten bezogen bereits Stellung, sie würden lediglich für die Renovierung (dies aus Sicherheitsgründen), nicht aber für die Erweiterung stimmen.

„Das wäre nicht zu rechtfertigen“, sagte die deutsche Vizepräsidentin Mechtild Rothe (SPD), der Prozess müsse gestoppt werden. Voraussetzung für die Zustimmung 2007 wäre neben überschaubaren Kosten auch gewesen, dass die Investitionskosten vom Betreiber des Studios retour fließen, das Ganze die Steuerzahler also nichts koste. Doch davon könne nach dem aktuellen Plan keine Rede mehr sein.

 

„Für Steuerzahler unzumutbar“

Mit Herbert Bösch (SPÖ), dem Chef des Haushalts-Kontrollausschusses, rief das Thema auch einen Österreicher auf den Plan. Er ist ebenfalls gegen eine Erweiterung. Eine solche wäre für den Steuerzahler derzeit unzumutbar.

Der grüne Vizepräsident Gérard Onesta kann die Aufregung nicht verstehen: Das moderne Studio habe „nichts mit Luxus“ zu tun, sagte er der „Presse“. Er sieht es als „Investment“ – in mehr Sicherheit und eine bessere Gesundheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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