Kardinal Schönborn liest Strache die Leviten

Schönborn gegen Missbrauch des Kreuzes als „Kampfsymbol“ und Kritik an FPÖ-Slogan. Zuletzt hatten bereits die politischen Spitzen des Staates Strache scharf zurechtgewiesen.

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(c) APA (Robert Jäger)

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und die FPÖ wurden zwar nicht namentlich genannt, dennoch verstanden am Donnerstag alle, wer mit der ungewöhnlich deutlichen Botschaft gemeint war: Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn warnte in seiner Predigt beim Hochamt zum Fest Christi Himmelfahrt im Stephansdom davor, das Kreuz dürfe nicht als „Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen“ politisch „missbraucht“ werden. Außerdem wandte er sich offen gegen den FPÖ-Slogan „Abendland in Christenhand“. Schönborn nahm damit Bezug auf die Aktion des FPÖ-Chefs, der am Donnerstag der Vorwoche bei einer Demonstration gegen den Bau einer Moschee in Wien auf dem Rednerpult mit Kreuz aufgetreten war, und auf den FPÖ-EU-Wahlkampf.

Zuletzt hatten bereits die politischen Spitzen des Staates Strache scharf zurechtgewiesen. Bundespräsident Heinz Fischer rügte das FPÖ-Vergehen als „Verstoß gegen den Konsens“, Religion und Politik klar zu trennen. Kanzler Werner Faymann warf Strache sogar vor, ein „Hassprediger“ zu sein.

Die Zurechtweisungen des Wiener Erzbischofs sind in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Schönborn galt in der Vergangenheit als eher zurückhaltend. Das hat ihm beispielsweise im Jänner des Vorjahres heftige Kritik eingetragen, als er sich nicht zur Diktion der Grazer FPÖ-Politikerin Susanne Winter (Mohammed wäre „heute ein Kinderschänder“) geäußert hat. Ex-ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek hat beklagt, man habe das Gefühl, es müsse jemand dem Kardinal erst „geistigerweise eine runterhauen“.

Noch außergewöhnlicher ist, dass sich Schönborn bei einer Predigt zum EU-Wahlkampf zu Wort gemeldet hat. Es sei nicht üblich, dass die Bischöfe zu Wahldebatten Stellung nehmen, räumte der Wiener Erzbischof selbst ein. Er erinnerte an die Haltung von Kardinal Franz König. Es gehe nicht um eine „neutrale“ Äquidistanz der Kirchenleitung gegenüber den politischen Parteien, vielmehr seien es die Parteien selbst, die ihre Nähe oder Distanz zur Kirche bestimmen. Aufgabe der Bischöfe sei es, die christlichen Grundwerte einzufordern. Das sehe er auch heute als seine Aufgabe an.

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Das Kreuz sei ein „Zeichen der Liebe“, so Schönborn. „Dieses Zeichen darf daher auch nicht politisch missbraucht werden, quasi als Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen“, betonte er. Auch Christen hätten das Kreuz als Machtsymbol missbraucht. Und unter Bezug auf den FPÖ-Plakatslogan erklärte er: „Meine Frage ist nicht, ob das Abendland in Christenhand bleibt, sondern, ob es Christus im Herzen hat. Ein glaubensloses Abendland, das ist zu fürchten.“

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wies den Vorwurf des Missbrauches des Kreuzes umgehend zurück. Die FPÖ sehe das Kreuz als ein Symbol für eine verbindende europäische Wurzel, ein ökumenisches Symbol für Frieden und Befreiung, „eben auch unserer Kultur und unserer Werte“. Es sei bedauerlich, dass im politischen Interesse eine „bewusste Vernaderungskampagne“ gegen die FPÖ losgetreten worden sei.

Allerdings regt sich auch in der FPÖ Widerstand gegen einen „religiösen“ Wahlkampf. „Mich stört das gewaltig“, bekannte Vorarlbergs FPÖ-Klubchef Fritz Amann im ORF-Radio. Man müsse zwar vor einer Islamisierung warnen, diese müsse aber nicht mit Symbolik geschehen. Außerdem hätten sich die Freiheitlichen stets für die Trennung zwischen Kirche und Staat eingesetzt.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Meinungen zwischen der katholischen Kirche und der FPÖ aufeinanderprallen. So hat Strache Kardinal Schönborn im März 2008 in der Debatte um den Bau von Minaretten offen kritisiert, weil sich der Wiener Erzbischof klar gegen ein Bauverbot für Minarette ausgesprochen hat. Dies sei ein Fall von „fahrlässiger gesellschaftlicher Kurzsichtigkeit“, warf ihm Strache daraufhin vor.

Umgekehrt hat die Katholische Aktion Österreichs dem FPÖ-Parteichef im Nationalratswahlkampf im Herbst 2006 vorgehalten, dieser missbrauche Aussagen von Papst Benedikt XVI. gegen den „Heiligen Krieg“. Damit werde der Eindruck erweckt, die FPÖ habe den „Segen von ganz oben“ für den „von vielen ausländerfeindlichen Tönen geprägten Wahlkampf“.

Das brisante Verhältnis zwischen Kirche und Politik belegt auch ein anderer Fall. Im November 2008 ist die evangelische Ex-Superintendentin und spätere SPÖ-Abgeordnete Gertraud Knoll aus Protest wegen des Lobes für Kärntens verunglückten Landeshauptmann Jörg Haider aus der evangelischen Kirche ausgetreten.

MeinungSeite 31

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2009)

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