Frauenanteil in Europas Spitzenpolitik stagniert

Weniger Regierungschefinnen, mehr Parlamentspräsidentinnen. Österreich liegt mit knapp 29 Prozent im Schnitt.

Schwedens Finanzministerin Magdalena Andersson (rechts) spricht mit Premier Stefan Lofven (2.v.r.)R), der stellvertretenden Ministerpräsidentin Asa Romson (2. v. l.) und Bildungsminister Gustav Fridolin (l.).
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Schwedens Finanzministerin Magdalena Andersson (rechts) spricht mit Premier Stefan Lofven (2.v.r.)R), der stellvertretenden Ministerpräsidentin Asa Romson (2. v. l.) und Bildungsminister Gustav Fridolin (l.).
Schwedens Finanzministerin Magdalena Andersson (rechts) spricht mit Premier Stefan Lofven (2.v.r.)R), der stellvertretenden Ministerpräsidentin Asa Romson (2. v. l.) und Bildungsminister Gustav Fridolin (l.). – Reuters

Der Frauenanteil in Spitzenfunktionen der EU-Staaten und im EU-Bereich stagniert. So ist etwa die Zahl der Regierungschefinnen im vergangenen Jahr von vier auf drei gesunken; jene der Parlamentspräsidentinnen wiederum von sieben auf neun gestiegen. Das geht aus Unterlagen von Werner Zögernitz, Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen hervor.

Unter den 21 Staatspräsidenten gibt es drei Frauen, nämlich die Präsidentinnen in Litauen, Kroatien und Malta. Dies ist ein Anteil von 14,3 Prozent. In den sieben Monarchien sind zwei Frauen das Staatsoberhaupt, in Dänemark und im Vereinigten Königreich. Mit Deutschland, Lettland und Polen gibt es nur noch in diesen drei statt davor vier Ländern Regierungschefinnen. Der Frauenanteil betrug somit 2015 nur noch 10,7 statt 14,3 Prozent im Jahr davor.

Der Frauenanteil in den nationalen Regierungen der EU-Staaten betrug wie im Vorjahr durchschnittlich 28 Prozent, Österreich liegt mit knapp 29 Prozent etwa im Schnitt. Den größten Frauenanteil hat Schweden mit 50 Prozent vor Frankreich mit 48 Prozent und Slowenien mit 47 Prozent. Unter zehn Prozent liegt der Frauenanteil in Malta (sieben Prozent) und in Zypern (acht Prozent). Gar keine Frauen gibt es in den Regierungen von Griechenland, der Slowakei und Ungarn.

Schlusslichter: Ungarn, Malta und Zypern 

In den Parlamenten (erste oder einzige Kammer) ist der Frauenanteil in den EU-Mitgliedstaaten leicht von 28 auf 29 Prozent gestiegen. An der Spitze liegt dabei wieder Schweden mit 44 Prozent vor Spanien (43 Prozent) und Finnland (42 Prozent). Österreich liegt mit knapp 31 Prozent Frauenanteil im Nationalrat etwas über dem Schnitt. Die Schlusslichter bilden auch hier Ungarn (zehn Prozent), Malta und Zypern (je 13 Prozent). In neun der 28 EU-Staaten leitet eine Frau das nationale Parlament. Neben Österreich gibt es u.a. auch in Bulgarien, Dänemark oder Portugal eine Präsidentin.

Im Europäischen Parlament ist der Frauenanteil mit 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben. An der Spitze liegen Malta (67 Prozent), Finnland (62 Prozent) und Irland (55 Prozent). Je die Hälfte Frauen sind es neben Österreich in Estland, Lettland und Schweden. Schlusslicht ist Litauen mit nur neun Prozent.

Frankreich und Schweden ziehen voran

Bei den regionalen Regierungen beläuft sich der Frauenanteil unter den Vorsitzenden in 297 Regionen auf elf Prozent. Bei den Regierungsmitgliedern sind es im Durchschnitt 35 Prozent. Österreichs Landesregierungen haben einen Frauenanteil von 31 Prozent. In den Regionalversammlungen (Landtagen) sind 33 Prozent der Vertreter Frauen. Österreich liegt mit 32 Prozent ungefähr im Durchschnitt. Weit über diesem liegen Frankreich (49 Prozent) und Schweden (48 Prozent), weit darunter hingegen Ungarn (zwölf Prozent) sowie Rumänien und die Slowakei mit je 15 Prozent. In einem Fünftel der Regionalversammlungen führt eine Frau den Vorsitz.

Der Anteil der Bürgermeisterinnen in den EU-Staaten ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen auf 15 Prozent. An der Spitze liegt einmal mehr Schweden, wo 37 Prozent der Ortschefs weiblich sind. Österreich rangiert mit seinen rund sechs Prozent im untersten Viertel. Absolutes Schlusslicht ist Zypern mit 0 Prozent.

(APA)

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