EU investiert in Risikoprojekte

Klein- und Mittelbetriebe können nun auch in Österreich auf von der EU abgesicherte Kredite zurückgreifen.

EU Commission President Juncker chairs a meeting of the EU executive body in Brussels
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EU Commission President Juncker chairs a meeting of the EU executive body in Brussels
(c) REUTERS (FRANCOIS LENOIR)

Wien. Es ist das größte Vorhaben der EU-Kommission unter ihrem derzeitigen Präsidenten, Jean-Claude Juncker. Der Europäische Investitionsfonds (EFSI) mit einem geplanten Volumen von 315 Milliarden Euro soll die lahmende Konjunktur wieder anregen. Das Geld soll vorwiegend in Projekte fließen, die bei herkömmlichen Banken nur schwer Kredite erhalten. Die EU übernimmt, so die Idee, einen Teil der Risikoabdeckung. Auch in Österreich stehen nun 200 Millionen Euro an solchen Finanzierungen allein für Klein- und Mittelbetriebe bereit. Projektfinanzierungen können direkt bei der Österreich-Filiale der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder beispielsweise bei der Bank Austria angefragt werden. Jörg Wojan, Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Österreich, ist optimistisch, dass heimische Betriebe auf diese neue Finanzierungsoption künftig verstärkt zurückgreifen.

Als erstes Großprojekt konnte in Österreich der Energiepark Bruck an der Leitha von EFSI profitieren. Geschäftsführer Michael Hannesschläger wies am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien zwar auf den relativ „großen bürokratischen Aufwand“ hin, um an die EU-Gelder heranzukommen. Er betonte aber auch, dass die Vergabe letztlich sehr rasch und transparent durchgeführt wurde. Gefördert wurde das Windparkprojekt Hof/Seibersdorf. Dessen Ziel ist die Versorgung von 28.000 Haushalten mit Strom aus erneuerbarer Energie.

Der Investitionsfonds finanziert vorwiegend Projekte mit nachhaltiger Wirkung. Deshalb flossen bisher 23 Prozent der freigegebenen Mittel in den Bereich Energie. Kleinbetriebe erhielten 26 Prozent, zwölf Prozent gingen an Digitalprojekte. Ob letztlich das angepeilte Gesamtvolumen von 315 Milliarden Euro erreicht werden kann, ist offen. Bisher wurden 37 Prozent dieser Summe (115,7 Mrd. Euro) bereitgestellt, von denen 20,4 Milliarden bereits in konkrete Projekte geflossen sind. „EU-weit sind bereits fast 100 Großprojekte in Umsetzung“, heißt es in einer Aussendung der Kommissionsvertretung. Daneben wurden 192 Finanzierungsabkommen für über 200.000 Klein- und Mittelbetriebe mit einem Gesamtvolumen von 6,8 Milliarden Euro abgeschlossen.

 

Stimulierung für den Binnenmarkt

Wojan hofft, dass österreichische Unternehmen nicht nur durch die Mittel des EFSI im eigenen Land profitieren, sondern auch durch Projekte in EU-Partnerländern. Denn für diese könnten heimische Betriebe Komponenten, aber auch Know-how anbieten. „Das schafft dann wieder Arbeitsplätze im Inland.“ Die Idee der EU-Initiative war es, den nach der Wirtschafts- und Finanzkrise entstandenen Rückgang an Investitionen durch von der EU abgesicherte Mittel zu kompensieren. Der EFSI soll den Binnenmarkt stimulieren und helfen, die Krise rascher zu überwinden. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2016)

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