„Wenn Milch billiger verkauft wird als Wasser“

Expertenhearing drängte EU-Kommission zu Maßnahmen gegen unlautere Einkaufspraktiken von Handelsketten.

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Brüssel. Die Konzentration im Einzelhandel, aber auch so manche Praktiken ihrer Einkäufer bringen landwirtschaftliche Betriebe so weit unter Druck, dass die EU-Kommission nun Gegenmaßnahmen prüft. EU-Agrarkommissar Phil Hogan zeigte am Montag bei einem Expertenhearing Bereitschaft, gegen die von mehreren Mitgliedstaaten dokumentierten „unlauteren Handelspraktiken“ vorzugehen.

„Wenn Milch billiger als Wasser verkauft wird, dann ist das ein Skandal“, so ÖVP-Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger. Die Preise für bäuerliche Erzeugnisse seien gesunken, während die Margen für Handelskonzerne größer geworden seien. Die Bauern könnten diesem Unterbietungswettbewerb nicht mehr standhalten. Die Landwirtschaftskammer hat Beispiele in Österreich angeführt, wonach Getreideerzeuger für ein Kilogramm verkauften Brots zu einem Verbraucherpreis von 2,96 Euro gerade einmal 12,3 Cent erhielten. Verantwortlich dafür sei nicht nur ein verstärkter Marktdruck, sondern auch eine Marktkonzentration und die dadurch möglich gewordenen Erpressungsversuche des Handels. In Österreich teilen sich drei große Supermarktketten (Rewe, Spar, Hofer) mittlerweile über 80 Prozent des Marktes auf.

 

Kritik an Spekulationen

Deutliche Kritik wurde beim Expertenhearing auch an den negativen Einflüssen der Spekulationen mit Agrarprodukten auf Terminmärkten geübt. Sie würden die Wertschöpfungskette negativ beeinflussen. „Wir werden Maßnahmen prüfen“, versprach EU-Agrarkommissar Hogan, betonte aber, dass in jedem Fall auch das Wettbewerbsrecht der EU berücksichtigt werden müsse. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2017)

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